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Aus der Stadt Dürfen die Mädchen aus Tunesien heimreisen?
Hannover Aus der Stadt Dürfen die Mädchen aus Tunesien heimreisen?
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00:15 07.01.2018
Kais B. (l.) bespricht sich mit seinem Verteidiger Michael Hahne. Quelle: Alexander Körner
Hannover

 Der Tunesier Kais B., der seine beiden derzeit in Nordafrika lebenden Töchter nicht zur Mutter nach Hannover zurückkehren lassen will, hat am Donnerstag vor dem Landgericht einen juristischen Erfolg erzielt. Eine Berufungskammer unter Vorsitz von Richter Volker Löhr hob ein Urteil des Amtsgerichts Hannover aus Mai 2017 auf, in dem der 40-Jährige wegen Kindesentziehung zu einer neunmonatigen Haftstrafe verurteilt worden war.

Im Anschluss an den Prozess fand ein längeres Gespräch zwischen dem inhaftierten Vater, der Mutter sowie Mediator, Staatsanwalt und Verteidiger statt, das die Hoffnung auf ein Ende des Dramas nährt. Demnach stimmt  B. zu, dass sein Bruder die zehnjährige Maryam und die neunjährige Hanna nach Deutschland zurückholt –hat diese Rückkehr aber mit einigen Bedingungen verknüpft.

Der Berufungsprozess gegen einen Tunesier, der seine Töchter in seinem Heimatland festhalten lässt, ist wegen eines Verfahrensfehlers eingestellt worden.

Prozessuale Gründe waren laut der 7. Kleinen Strafkammer ausschlaggebend dafür, dass das Berufungsverfahren eingestellt werden musste. Seine Freiheit hat B. damit aber noch nicht wiedererlangt: Derzeit verbüßt der Tunesier eine zweijährige Haftstrafe aus einer früheren – rechtskräftigen –Verurteilung, die bis März 2018 andauert. Erhebt die Staatsanwaltschaft bis dahin eine neue Anklage – was sie tatsächlich plant -, könnte der Vater weiter im Gefängnis bleiben. 

Katharina Schmidt möchte ihre Töchter zurückbekommen. Quelle: Michael Zgoll

Die Tragödie um das Festhalten der beiden Mädchen im tunesischen Bergdorf Kasserine währt schon seit Sommer 2015. Damals hatte die Mutter, die in Hannover lebende Ärztin Katharina Schmidt, ihre Kinder in die Heimat ihres damaligen Ehemanns reisen lassen. Doch aus dem vermeintlichen Urlaub wurde ein Zwangsaufenthalt der Kinder bei der Familie von B., der bis heute andauert. Seit März 2016 sitzt der Vater im Gefängnis, zunächst in U-Haft, später wegen Kindesentziehung verurteilt. 

Mutter hat das Sorgerecht

Diverse Male ist die Mutter inzwischen nach Nordafrika gereist, hat Politik und Justiz bemüht, damit ihre Töchter wieder nach Hannover heimkehren können. Die 38-Jährige kann inwischen auf Urteile von deutschen wie von tunesischen Gerichten verweisen, die ihr das alleinige Sorgerecht für Maryam und Hanna zuerkannt haben. Doch weil Kais B. seine Zustimmung zur Ausreise der Töchter bislang verweigert hat, seine Familie die Kinder nicht hergeben will und die tunesischen Behörden nicht willens oder fähig sind, die Gerichtsurteile durchzusetzen, nimmt das Drama kein Ende.

Gegen das Urteil des Amtsgerichts Hannover aus Mai 2017 hatten sowohl Staatsanwalt Ralf Bettermann wie Verteidiger Michael Hahne Berufung eingelegt. Dass das Landgericht dieses Urteil nun aufhob, hat prozessuale Gründe. Ein Berufungsverfahren am Landgericht wegen eines früheren Amtsgerichts-Urteils aus September 2016 war am 24. März 2017 beendet worden. Gut zwei Wochen zuvor, am 6. März, hatte das Amtsgericht allerdings bereits einen Eröffnungsbeschluss für ein Folgeverfahren verkündet. Somit gab es einen Zeitraum von 18 Tagen, in dem Kais B. für die gleiche Tat zweimal verurteilt wurde –was verboten ist. Richter Löhr wies darauf hin, dass man die langanhaltende Kindesentziehung durchaus als Dauerstraftat ansehen könne, die zu weiteren Verurteilungen führen könnte. Eine Doppelbestrafung für welchen Zeitraum auch immer sei aber keinesfalls zulässig.

Maryam und Hanna leben schon lange in Tunesien. Quelle: privat

Schon im Dezember hatte B.s Anwalt Hahne der Mutter ein Entgegenkommen seines Mandanten signalisiert.  Und tatsächlich erklärte der 40-Jährige vor Gericht, die Mädchen nach Hannover heimkehren zu lassen – wenn sie selbst dies wollten. Von seiner früheren Forderung, die Mädchen selbst aus Kasserine abholen zu wollen, war keine Rede mehr. Katharina Schmidt war erst im Herbst 2017 fünf Wochen in Tunesien gewesen, um ihre Kinder heimzuholen; in den nächsten Tagen will sie wieder nach Nordafrika reisen. Die Mädchen sollen inzwischen sehr abgemagert und blass aussehen. Sie gehen in Kasserine weiter zur Schule, die Jüngere soll die deutsche Sprache aber inzwischen nur noch bruchstückhaft beherrschen. Kais B. behauptete am Donnerstag zum wiederholten Male, die Mädchen seien in Tunesien glücklich – was die Mutter jedoch stark bezweifelt.

Von Michael Zgoll

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