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Aus der Stadt Kiosk in Hannover bietet jetzt auch Bringdienst an
Hannover Aus der Stadt Kiosk in Hannover bietet jetzt auch Bringdienst an
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19:05 10.10.2017
Packen es an: Farid Sharifie (rechts) und Onkel Sardar Sharifie. Quelle: Stein
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Hannover

In kaum einer anderen Stadt reihen sich die Kioske aneinander wie in Hannover – insgesamt sind es derzeit zwischen 240 und 280. In den zentrumsnahen Stadtteilen ist die Kioskdichte besonders hoch. Linden-Limmer und Mitte beheimaten je rund ein Fünftel der hannoverschen Kioske – in Kirchrode-Bemerode-Wülferode gibt es nur zwei Kioske, also ein Prozent. Das geht aus einer Studie der Leibniz-Uni aus dem Jahr 2015 hervor. Was macht also der Kirchröder, der nach Ladenschluss des Supermarkts noch eine Kleinigkeit besorgen will – und weit und breit keinen Kiosk findet?

Genau dort setzt die Geschäftsidee von Farid Sharifie an. Den Kiosk seines Onkels Sardar Sharifie am Goetheplatz ergänzt er seit Anfang September um einen Lieferdienst. Montags bis sonnabends ab 19 Uhr und sonntags ab 18 Uhr können Kunden telefonisch oder im Internet alles bestellen, was der Laden führt: Getränke, Süßigkeiten, Zigaretten, Fertiggerichte. Bestellungen liefert Farid Sharifie im ganzen Stadtgebiet aus und auch darüber hinaus, nach Seelze, Langenhagen und Isernhagen zum Beispiel. „Ich fahre und bringe, seit ich den Führerschein habe“, sagt der aus Afghanistan stammende 28-Jährige. Das erste Geld verdiente er als Pizzalieferant, heute ist er Paketzusteller, Hannovers Straßen kennt er gut. Auch für den Onkel ist das Liefergeschäft nicht neu. Bevor er vor 15 Jahren seinen Kiosk in der Calenberger Neustadt eröffnete, hatte er ein Pfannkuchenrestaurant betrieben – mit Bringdienst.

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Ob die Erfahrung ausreicht, um das Geschäft voranzubringen? Anders als Sharifie auf Flyern und online wirbt, bietet er nicht den ersten Kiosklieferdienst in Hannover an. Aber derzeit den einzigen: Mehrere Trinkhallenbesitzer haben das Konzept schon getestet, letztlich aber eingestellt. Die Studie der Leibniz-Uni ermittelte drei Kioske, die 2013 noch einen Lieferdienst anboten, mittlerweile aber nicht mehr. „Man muss immer abrufbereit sein, das hat sich parallel zu dem Laden nicht gerechnet“, sagt Claudia Kolm, die fünf Jahre lang einen solchen Service in ihren Nordstädter Kiosk integriert hatte.

Bei Sharifie gingen im ersten Monat rund 30 Bestellungen ein, er hofft auf mehr. „Ich merke, dass die Leute immer bequemer werden“, sagt er und lacht.

Andreas Schinkel 13.10.2017
10.10.2017