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Aus der Stadt Kippa-Flashmob soll Antisemitismus bekämpfen
Hannover Aus der Stadt Kippa-Flashmob soll Antisemitismus bekämpfen
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19:53 09.03.2015
Foto: Angriffsfläche für Antisemiten: Die Kippa.
Rund 50 Teilnehmer trafen sich am frühen Abend am Steintor und zogen durch die City. Quelle: Tobias Morchner
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Hannover

Für mehr Solidarität mit Juden hat die Deutsch-Israelische Gesellschaft bei einem Kippa-Flashmob in Hannover geworben. Rund 50 Teilnehmer trafen sich am frühen Abend am Steintor und zogen durch die City. Aus der Mitte der Gesellschaft seien Juden einem dauernden Antisemitismus ausgesetzt, der bei den Demonstrationen gegen den Gaza-Krieg im Sommer zu neuen Auswüchsen geführt habe, sagte der Sprecher der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Hannover, Monty-Maximilian Ott. Die Massaker von Paris hätte Juden auch hier verunsichert. Bei der Kundgebung am Abend in der Innenstadt sprach auch der hannoversche SPD-Politiker Michael Hönsch. Er betonte, die Veranstlatung richte sich nicht GEGEN, sondern FÜR etwas: das jüdische Leben in Deutschland.

"In der Öffentlichkeit die Kippa zu tragen, da wird man immer stigmatisiert", meinte Ott. Antisemitismus sei ein Problem der Mehrheitsgesellschaft, auch von Akademikern. "Auch in Niedersachsen, auch in Hannover ist das ein großes Problem." Die Kriminalstatistik wies für Niedersachsen 2013 zuletzt 113 antisemitische Straftaten aus, 2012 waren es noch 150 und 2007 noch 205. Zu der Entwicklung seit dem vergangenen Jahr konnte das Innenministerium in Hannover noch nichts sagen. Einen permanent spürbaren Antisemitismus beklagte auch der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden von Niedersachsen.

"Wir haben viele Leute, die inzwischen keine erkennbare Post mehr von uns mit Stempel erhalten wollen", sagte die Verbandsvorsitzende Katarina Seidler. Von muslimischer und rechtsextremer Seite gebe es ganz unverhohlene Anfeindungen, die in bestimmten Stadtvierteln etwa in Hannover verstärkt auftreten. "Ich würde nicht mit der Kippa durch den Sahlkamp laufen, wo viele Araber wohnen." Zuletzt hatte sich Unions-Fraktionschef Volker Kauder besorgt über eine wachsende Verunsicherung jüdischer Bürger in Deutschland gezeigt.

Eine entsprechende Warnung von Zentralrats-Präsident Josef Schuster sei ein Alarmsignal. Schuster hatte die Frage gestellt, ob es sinnvoll sei, sich in Vierteln mit hohem muslimischen Anteil durch das Tragen der Kippa als Jude zu erkennen zu geben. "In Osnabrück ist es weniger gefährlich", sagte Rabbiner Avraham Radbil, der seit gut einem Jahr in Osnabrück arbeitet. Er selber habe noch keine negativen Erfahrungen gemacht. Polizeischutz für die Synagoge in Osnabrück gebe es auch nicht. "In den Großstädten ist das anders", sagte der 30-Jährige, der acht Jahre in Berlin gelebt hat.

In Dortmund, Köln oder Frankfurt sei es normal, dass Polizeiwagen vor jüdischen Einrichtungen stünden. In Osnabrück gebe es positive Kontakte zwischen Juden, Christen und auch Muslimen, meinte Radbil. Mit einer Kirchengemeinde wolle seine Gemeinde etwa nach Amsterdam fahren, um jüdische Stätten zu besichtigen. Es gebe auch den Plan eines gemeinsamen Projekts jüdischer, christlicher und muslimischer Jugendlicher, bei dem Fotokollagen und Videos entstehen sollen. In Osnabrück gibt es auch die Drei-Religionen-Schule, eine Grundschule, in der Kinder aus christlichen, jüdischen und muslimischen Familien in den Traditionen ihrer Religion erzogen werden.

Nach den Anschlägen in Paris und dem verhinderten Anschlag in Belgien habe die Schule Kontakt zu den Behörden aufgenommen, sagte der Sprecher des katholischen Bistums, Hermann Haarmann. Eine akute Bedrohungslage gebe es wohl nicht. Gleichwohl seien die Eltern nach den Geschehnissen in den Nachbarländern besorgt und unruhig gewesen.

tm/dpa

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