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Aus der Stadt Kirchrode wird jetzt rot-grün regiert
Hannover Aus der Stadt Kirchrode wird jetzt rot-grün regiert
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12:11 14.11.2011
So soll das umstrittene Tierforschungslabor von Boehringer nach Fertigstellung aussehen. Quelle: Frank Wilde
Hannover

Ausgerechnet Kirchrode: Der Stadtbezirk im Südosten Hannovers, bisher unangefochtene CDU-Hochburg, wird seit wenigen Tagen von einer rot-grünen Mehrheit regiert. Dort ist zwar die CDU auch nach der Kommunalwahl weiterhin stärkste Fraktion, doch in Verbindung schaffen SPD und Grüne einen Mandatsvorsprung und stellen deshalb den Bürgermeister. Das ist Premiere: Seit rund 30 Jahren gibt es Bezirksräte, doch noch nie gab es im Bezirk Kirchrode, zu dem auch Bemerode mit dem Kronsberg und das Dorf Wülferode gehören, einen sozialdemokratischen Bürgermeister.

Eine Stimme Mehrheit reichte dem Netzwerk- und Systemmanager Bernd Rödel (SPD) in geheimer Stichwahl gegen Bettina Großekathöfer (CDU). „Heute wurde Geschichte gemacht“, sagte er kurz nach der Abstimmung: „Der Stadtbezirk ist unter roter Fahne.“ Zu Rödels Stellvertreterin wurde Bettina Lemke (Grüne) gewählt. Elf der 19 Bezirksratsmitglieder stimmten für Lemke, die bei der vergangenen Kommunalwahl erstmals in das Gremium gewählt worden war. Ihre Gegenkandidatin Petra Stittgen (CDU) erhielt acht Stimmen.

Welche Auswirkungen der Mehrheitswechsel haben wird, muss sich in den nächsten Monaten erweisen – die Bezirksräte sind für fünf Jahre gewählt. Der Bezirk verjüngt sich derzeit stark, an mehreren Stellen entstehen Neubaugebiete, unter anderem am Büntekamp. Daneben nimmt das lange Zeit umstrittene Forschungszentrum für Tierimpfstoffe Gestalt an. In Bemerode wächst das Wohngebiet Kronsberg weiter, und am Südrand des Bezirks sorgt die Nachricht von der Ansiedlung eines Versandhandelsunternehmens derzeit für Unruhe. Dazu allerdings hat sich der neue Bezirksbürgermeister positioniert: Man rechne mit vielen Arbeitsplätzen, auch für den Stadtbezirk. Trotzdem müssten mögliche negative Auswirkungen genau geprüft werden.

In den vergangenen Tagen sind in weiteren Bezirksräten Entscheidungen gefallen:

Misburg-Anderten: Der Bezirksrat wird weiter rot-grün regiert. Am Mittwochabend wurde der bisherige SPD-Frakionsvorsitzende Klaus Dickneite mit 13 von 19 möglichen Stimmen in geheimer Wahl zum Bezirksbürgermeister gewählt. Sein Vorgänger Knut Fuljahn (SPD) war nach zehn Jahren im Amt nicht wieder angetreten, weil er nach Isernhagen umgezogen ist. Zu Dickneites Stellvertreterin wurde die Grüne Antje Niewisch-Lennartz gewählt, die dieses Amt schon in der vorigen Ratsperiode innehatte. Sie erhielt elf von 19 Stimmen. Die CDU, mit sechs Stimmen zweitstärkste Fraktion im Bezirksrat, hatte auf die Aufstellung eines eigenen Bürgermeisterkandidaten verzichtet. CDU-Fraktionsvorsitzende Kerstin Seitz begründete das damit, dass sie aus der Zeitung habe erfahren müssen, dass SPD und Grüne, die mit elf Stimmen die Mehrheit innerhalb des Gremiums haben, die Bürgermeisterfrage schon unter sich geklärt hätten. „Das ist undemokratisch“, argumentierte Seitz verärgert.

Buchholz-Kleefeld: Als einziger Kandidat für den Bezirksbürgermeisterposten wurde der bisherige Amtsinhaber Georg Fischer (SPD) wiedergewählt. In geheimer Abstimmung erhielt er 13 von 21 Stimmen. Das gleiche Ergebnis erzielte auch seine neue Stellvertreterin Mareike Behmann (Grüne), die ebenfalls ohne Gegenkandidaten antrat. Die 28-jährige wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Medizinischen Hochschule (MHH) gehört erstmals dem Bezirksrat an.

Bothfeld-Vahrenheide: Neuer Bürgermeister ist wie erwartet Harry Grunenberg (SPD). Der 60-jährige Diplom-Finanzwirt war bislang Stellvertreter von Hans Battefeld (CDU), der das Amt 15 Jahre lang ausgeübt hatte. Neuer stellvertretender Bürgermeister ist der 67-jährige Rentner Lutz-Rainer Hölscher. In der Sitzung hielt Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) eine lange Rede auf Hans Battefeld, der 25 Jahre im Bezirksrat und 15 Jahre Bezirksbürgermeister war.

Döhren-Wülfel: Dort ging die Bezirksbürgermeisterwahl ohne Überraschung über die Bühne, da SPD und Grüne schon vorab eine Kooperationsvereinbarung geschlossen hatten. Gewählt wurde mit elf von 19 Stimmen die bisherige Amtsinhaberin Christine Ranke-Heck (SPD), ihre Stellvertreterin Claudia Meier (Grüne) bekam sogar zwölf Stimmen.

Ricklingen: Der bisherige Bezirksbürgermeister Andreas Markurth (SPD) wurde mit 14 Stimmen bei sechs Gegenstimmen und einer Enthaltung wiedergewählt. Aufregung gab es um die Wahl der Stellvertreterin. Nach 15 Jahren kam nicht mehr die CDU als zweitstärkste Fraktion zum Zuge, wie es in Ricklingen entgegen den städtischen Gewohnheiten üblich war. Gegen Michaela Michalowitz (CDU) trat Sabine Tegtmeyer-Dette (Grüne) an und erhielt 13 von 20 gültigen Stimmen. SPD und Grüne haben eine engere Zusammenarbeit vereinbart.

Ahlem-Badenstedt-Davenstedt: Brigitte Schlienkamp (SPD) ist erwartungsgemäß zur Bezirksbürgermeisterin gewählt worden. Eine Überraschung gab es bei der Stellvertreterwahl: Wie berichtet, wurde nicht die ehemalige Stadt-Bürgermeisterin Ingrid Lange (Grüne) zur Stellvertreterin gewählt, sondern Oliver Kiaman (CDU). Dazu muss er Stimmen aus der rot-grünen Mehrheit erhalten haben.

Mitte: Im Bezirk Mitte, zu dem auch die Oststadt, der Zoo und die Calenberger Neustadt gehören, wird heute Abend gewählt. Dem Vernehmen nach werden sich die erstarkten Grünen mit der SPD die Amtszeit teilen: Anne Bonfert (Grüne) aus dem Warmbüchenviertel wird die ersten zweieinhalb Jahre das Gremium repräsentieren, danach der derzeit amtierende Bezirksbürgermeister Michael Sandow (SPD) aus der Oststadt.

Christian Link und Conrad von Meding

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