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Aus der Stadt Schostok verspricht mehr Räume und Notplätze
Hannover Aus der Stadt Schostok verspricht mehr Räume und Notplätze
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00:17 31.05.2015
Hunderte Eltern demonstrieren vor dem Neuen Rathaus. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Mit einem lautstarken Protestmarsch sind am Donnerstagnachmittag Hunderte Eltern vor das Neue Ratshaus gezogen. Mit der Demo machten sie ihrem Unmut über den seit drei Wochen andauernden Kita-Streik Luft. Mit Transparenten, Trillerpfeifen und Topf-Trommeln postierten sie sich auf dem Trammplatz und forderten eine Einigung in dem Streit zwischen kommunalen Arbeitgebern und Verdi.

Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok trat kurz nach Eröffnung der Ratssitzung um 15 Uhr mit einem Megaphon vor die Menge. "Wir alle können ihren Ärger vollends nachvollziehen", sagte Schostok – und warb zugleich um Verständnis, dass der Stadt selbst die Hände gebunden seien. Da die Verhandlungen auf Bundesebene liefen, seien die Kommunen nur kleine Rädchen im System, die an dieser Stelle keinen Einfluss auf die Entscheidungen des Bundes hätten, so Schostok. Seit dem 8. Mai streiken die Erzieherinnen an kommunalen Kitas. Dazu haben neben Verdi auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie der Deutsche Beamtenbund dbb aufgerufen. Die Gewerkschaften verlangen eine höhere Eingruppierung der bundesweit rund 240.000 Erzieher und Sozialarbeiter, die laut Verdi zu Einkommensverbesserungen von durchschnittlich zehn Prozent führen würde.

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Wütende Eltern und ihre Kinder haben am Donnerstag vor dem Neuen Rathaus gegen den Kita-Streik demonstriert. Oberbürgermeister Schostok versucht die Menge zu besänftigen.

Wie sehr die vergangene Wochen an den Nerven der Eltern gezehrt haben, zeigen die Reaktionen der Betroffenen. Zeigten sie sich anfangs noch solidarisch mit den Erziehrinnern und den Forderungen Verdis, fängt der Zusammenhalt allmählich an zu bröckeln. Noch größeren Groll hegen betroffene Eltern aber gegen Arbeitgeber und Politik. "Es muss endlich ein Angebot der Arbeitgeber kommen, damit dieser Wahnsinn ein Ende nimmt", sagte Sabrina Rahimi, Elternvertreterin der Kita Rot-Kreuz-Straße. "Die Politiker müssen endlich in die Puschen kommen, sich mit den Streikenden an einen Tisch setzen und eine Lösung finden", sagte Mirjam Erkoc. Sie ist aus Gümmer angereist, um sich beim Protestmarsch solidarisch zu zeigen. Sie ist Teil der Elternorganisation, die seit ein paar Tagen die Betreuung der Kinder in den Räumlichkeiten der Kita Gümmer selbst übernehmen.

Nachdem bekannt wurde, dass eine Selbstbetreuung dort möglich ist, wurden auch Eltern aus Hannover aktiv. Elternvertreter der Kita Röntgenstraße hatten sich mit einem Antrag an die Stadt gewandt. Mit der Begründung, dass eine solche Lösung aus versicherungstechnischer Sicht nicht möglich sei, wurde das Anliegen von Seiten der Stadt abgelehnt. Wie Schostok nun bekannt gab, wird Eltern, die die Betreuung ihrer Kindern in Kita-Räumen selbst verwalten möchten, ab Montag diese Möglichkeit gegeben. Zugleich gab Schostok bekannt, dass die Stadt 50 weitere Kita-Notplätze eingerichtet hat.

Während vor dem Rathaus Eltern und Kinder lautstark für ein Ende des Streiks eintraten, forderten Politiker in der Ratssitzung eine Debatte über den Streik. Schostok müsse seinen Einfluss geltend machen und darauf hinwirken, dass die Tarifpartner wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren, forderte die CDU. Zudem solle die Stadt Räume in bestreikten städtischen Kitas für Kindergruppen zur Verfügung stellen, die von Eltern betreut werden. Dem schloss sich auch die Linke an.  Die Stadt wird dem Vorschlag jetzt ohnehin folgen. Schon ab Montag öffnet eine Kita die Pforten, damit dort Eltern ihre Kinder betreuen können. Welche Einrichtung das sein wird, will die Stadt voraussichtlich Freitag  mitteilen. Die Gewerkschaft Verdi hat dem Vorgehen zugestimmt. Das Modell könne nach Ansicht der Stadt Schule machen. Auch andere Kita-Räume könnten zur Verfügung gestellt werden, bietet die Verwaltung an. Eltern sollten den Kontakt mit der Stadtverwaltung suchen.

Von Nadja Neqqache und Andreas Schinkel

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