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Aus der Stadt Kita-Eltern fordern Ende des Streiks
Hannover Aus der Stadt Kita-Eltern fordern Ende des Streiks
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02:16 29.05.2015
Von Saskia Döhner
„Der wochenlange Streik bringt Eltern an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.“ Quelle: dpa
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Hannover

Im Kita-Streik machen jetzt die Eltern mobil. Seit mehr als zwei Wochen streiken die rund 240 kommunalen Kitas in der Region, und für Familien wird es immer schwieriger, ihren Alltag zu organisieren. Einige Eltern müssen Urlaub nehmen, zum Teil sogar unbezahlt, um die Kinderbetreuung sicherzustellen. Andere haben Großeltern eingesetzt, aber nach 14 Tagen Dauereinsatz fühlen sich viele Senioren überlastet. Kinder müssten sich auf neue Betreuer einstellen.

Um den Druck auf die Politik zu erhöhen, fordern viele Eltern in den Umlandgemeinden wie Hemmingen ihre Kita-Beiträge zurück. Nach längerem Zögern hatte auch die Stadt Hannover erklärt, dass sie nach dem Ende des Streiks umgehend und unbürokratisch die Beiträge zurückerstatten will. Ob in Ronnenberg, Lehrte, Neustadt oder Uetze - in vielen Kommunen fordern Eltern zudem in Ratsversammlungen oder in Gesprächen mit den Bürgermeistern ein Ende des Streiks. In Hannover ist am Donnerstagnachmittag eine Protestaktion vor und im Rathaus geplant.

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Eine Sprecherin der Stadt wies darauf hin, dass eine schnelle Einigung zwar wünschenswert sei und man die Sorgen der Eltern verstehe, aber die Stadt allein den Konflikt nicht lösen könne. Ein Kompromiss müsste zwischen den Gewerkschaften und den kommunalen Arbeitgebern am Verhandlungstisch erzielt werden.

Verdi fühlt sich durch den Elternprotest gestärkt. Streikleiter Martin Peter sagt aber auch: „Der wochenlange Streik bringt Eltern an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.“ Den Beschäftigten im kommunalen Erziehungs- und Sozialdienst bleibe aber keine andere Möglichkeit als der Ausstand. Seit drei Monaten hätten die Arbeitgeber kein ernsthaftes Angebot vorgelegt, fünf Verhandlungsrunden seien ohne Ergebnis geblieben. Die Gewerkschaften fordern eine generelle Aufwertung der sozialen Berufe, die Beschäftigten müssten in höhere Lohnstufen eingruppiert werden.

Die Kommunen weisen die Forderung als unbezahlbar zurück. Allein die Stadt Hannover weist darauf hin, dass dadurch die Personalkosten um 10 Millionen Euro steigen würden. Ähnlich äußert sich der Lüneburger Oberbürgermeister Ulrich Mädge, Verhandlungsführer für die Kommunen: Es verstieße auch gegen den Gleichheitsgrundsatz, wenn Erzieher deutlich besser als Krankenschwestern oder Altenpfleger bezahlt würden.

In Hannover haben 15 Prozent der Eltern ihre Kinder in einer städtischen Kita, insgesamt gibt es 3700 Plätze, für ein Zehntel wurden Notgruppen organisiert. Die Stadt betont, dass der gewerkschaftliche Organisationsgrad in den Kitas sehr hoch ist. Er soll bei rund 95 Prozent liegen.

Genaue Angaben liegen der Stadt nicht vor. Die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft darf der Arbeitgeber genauso wenig abfragen wie die Parteizugehörigkeit eines Beschäftigten, beides ist Privatsache. Nach Angaben der Stadt haben sich rund 20 der 615 Beschäftigten aus dem pädagogischen Bereich während des Streiks als arbeitswillig gemeldet. Sie werden in anderen Bereichen der Verwaltung eingesetzt.

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