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Aus der Stadt Klage gegen „Kollege“ Hund
Hannover Aus der Stadt Klage gegen „Kollege“ Hund
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07:51 20.06.2012
Von Sonja Fröhlich
Der Chef und sein Hund: Münstleränder „Birko“ ist oft mit am Schreibtisch von Uwe Homeyer. Quelle: Martin Steiner
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Hannover

Die Stahlflanschen Scheibe GmbH in Brink-Hafen ist ein ausgesprochen hundefreundlicher Betrieb. Chef Uwe Homeyer ist vor sechs Jahren auf den Hund gekommen: „Birko“, sein Münsterländer-Rüde, sitzt oft im Korb neben seinem Schreibtisch. Auch andere Mitarbeiter dürfen ihre Hunde mit zur Arbeit bringen. Eine Mitarbeiterin jedoch kommt mit den tierischen Bürogenossen gar nicht klar. Mit der Begründung, eine "ausgeprägte Hundephobie" zu haben, hat sie den Betrieb verklagt. Der Prozess vor dem Arbeitsgericht Hannover endete gestern mit einem Vergleich.

Die Klägerin erschien selbst nicht vor Gericht, sie ließ sich von ihrem Anwalt Peter Pistorius vertreten. Dieser berichtete, dass die zweifache Mutter nach einer Elternzeit von fünf Jahren im Oktober an ihren Arbeitsplatz zurückkehren will. Weil dort aber mittlerweile vier von 15 Kollegen ihre Hunde mitbrächten, sehe sie sich daran gehindert. Wie sich die krankhafte Angst vor Hunden genau äußert, vermochte der Anwalt nicht zu erklären. Mit ihrer Klage wollte die Frau ein generelles Hundeverbot erreichen – unter Androhung eines Ordnungsgeldes oder ersatzweise einer Ordnungshaft.

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Der beklagte Geschäftsführer wunderte sich über den radikalen Schritt. „Bei uns gibt es seit 28 Jahren Hunde im Betrieb. Wir haben bisher nur gute Erfahrungen gemacht.“ Andere Kollegen brächten ständig Leckerlis für die vierbeinigen Besucher mit, bei denen es sich um Mischlinge mittlerer Größe handelt. Selbst der Schäferhundmischling sei „ein Schaf“. Die klagende Mitarbeiterin habe die Hunde vor ihrer Elternzeit auch jahrelang geduldet. Zwei von ihnen seien überhaupt nur sporadisch da, sagt Homeyer: „Irgendwie war das vorher nie ein großes Thema.“

Nach seiner Darstellung hatte die betreffende Mitarbeiterin sogar selbst mal den kleinen Hund ihrer Schwester mit ins Büro gebracht. Außerdem habe sie auch eine ausgesprochene Spinnenangst. „Wir haben das manchmal ein bisschen belächelt.“ Vielleicht liegt genau darin der Grund für den Gang vor das Arbeitsgericht. Seiner Mandantin sei die Hundephobie in Abrede gestellt worden. Vielleicht habe sie sich von den Kollegen nicht ernst genommen gefühlt, sagte Anwalt Pistorius.

Arbeitsrichter Heinz Bill ging es jedoch um Fakten. Um Aussicht auf Erfolg zu haben, müsse die Klägerin ihre mutmaßliche Hundephopie nachweisen, erklärte er. Auch für ein mögliches aggressives Verhalten der Hunde gebe es keine Anhaltspunkte. Allerdings gab der Richter zu bedenken, dass der Betrieb die Argumente der Klägerin ebenso ernstnehmen müsse wie die der Hundefreunde. Die Parteien einigte sich schließlich darauf, der Mutter eine Stelle im abgetrennten Empfangsbereich des Betriebs anzubieten - der ist hundefrei.

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