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Aus der Stadt Das sollten Sie nicht verpassen
Hannover Aus der Stadt Das sollten Sie nicht verpassen
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00:15 24.07.2013
Von Juliane Kaune
Die drei athletischen Jungs von Starbugs liefern in ihren rot-weißen Ringelshirts eine in jeder Hinsicht sehenswerte Show ab. Quelle: Rainer Surrey
Hannover

Akrobatik und Jonglage

Es sieht aus, als seien die Aufbauten der Bühne 14 nicht fertig geworden. Nackte Gerüste ragen in die Höhe. Vielleicht wollen die fünf jungen Männer in zerschlissenen Jeans noch kurz vor dem Auftritt die Kulisse fertigstellen? Doch dann fangen sie plötzlich an, Salto zu schlagen, Handstand zu machen und blitzschnell an den Stahlträgern hochzuklettern. Bei den Artisten der belgischen Gruppe Cirqu’lation Locale ist das Baustellenambiente Programm. Mit enormem Tempo wirbeln sie über die Bühne, mal Jonglierkeulen werfend, mal kreisend in einem Reifen – und zum furiosen Finale geht’s aufs Trampolin.

Nicht ganz so hoch hinaus wollen die beiden japanischen Artisten vom Duo Witty Look, die erstmals in Deutschland auftreten und mit dem Einrad auf Bühne 23 unterwegs sind. Wenn Daiki Izumida seine Partnerin Cheeky Chiharu auf die Schultern nimmt, erreichen die beiden aber durchaus eine stattliche Größe. Dabei erweist sich Cheeky als ausgesprochen gelenkig. Ein luftiger Spagat gehört zu ihren leichteren Übungen. Mitunter fragt man sich, wie sie ihre Beine und Arme am Ende wieder entwirren kann. Wenn sie auch noch Grimassen zieht und ihr Kauderwelsch aus Japanisch, Englisch und ein bisschen Deutsch in die Menge ruft, gibt es garantiert Szenenapplaus.

Landsmann Tempei, ebenfalls zum ersten Mal beim Kleinen Fest dabei, kommt auf Bühne 19 ohne viele Worte aus. Er lässt seine Diabolos, Keulen und Sticks für sich sprechen. Die lässt er in Perfektion hin- und hersausen, durch die Luft fliegen oder um die eigene Achse kreisen. Und das alles in einem atemberaubenden Tempo.

Ein Jonglage-Meister aus einem ganz anderen Teil der Welt ist Paul Ponce. Er ist für seine Festpremiere mit Partnerin Lia Poli aus Argentinien angereist und lässt am liebsten Bälle und Hüte rotieren. Seit seinem siebten Lebensjahr ist er in dem Genre heimisch. Kein Wunder, dass auf Bühne 22 nichts daneben geht.

Comedy und Clowns

Fraser Hooper teilt nicht nur aus. Er muss auch einstecken. Der selbst ernannte Boxchampion, der auf Bühne 12 in den imaginären Ring steigt, hat es so gewollt. Der Neuseeländer fordert sein Publikum zum Wettkampf heraus. Schlagfertigkeit gehört dazu, doch die typischen Geräusche kommen bloß vom Band.

Einen sportlichen Kraftakt vollführt auch Betty Brawn. Männer, die sich die Show auf Bühne 16 ansehen, müssen damit rechnen, sich plötzlich in einer sehr gewöhnungsbedürftigen Position wiederzufinden: Die kräftig gebaute Australierin, die den inoffiziellen Titel „stärkste Frau der Welt“ trägt, schultert die Herren, als seien sie leicht wie eine Feder. Dem Charme der Muskel-Madame, die auch 700 Seiten starke Paperbackbände zerreißt und Ketten sprengt, kann aber kaum ein Mann widerstehen.

Den Damen dürfte dies bei einem speziellen Import aus der Schweiz so gehen. Die drei athletischen Jungs von Starbugs liefern in ihren rot-weißen Ringelshirts eine in jeder Hinsicht sehenswerte Show ab. Rhythmische Sportkomik nennen sie ihre Variante aus Hip-Hop, Klamauk und gekonntem Playback auf Bühne 18. Tödlich komisch sind Tebe und Leiste: Zur Melodie des Westernklassikers „Spiel mir das Lied vom Tod“ treffen sich die Sombreroträger auf Bühne 4 zum Duell und liefern sich einen kuriosen Kampf mit Plastikpistolen – Blut spritzt natürlich nicht. Bei Lord Waterman auf Bühne 5 spritzt Wasser: Die lebendige Statue macht ihrem Namen alle Ehre und versprüht aus sämtlichen infrage kommenden Körperöffnungen feinste Fontänen.

Ganz ohne Worte bringt Leandre sein Publikum zum Lachen. Mit beredter Mimik bindet der spanische Clown auf Bühne 26 seine Zuschauer ein – sie tanzen, simulieren Tischtennis und werden selbst zu bezaubernden Darstellern. Auch Mamen Olias und Jaume Navarro lassen sich auf dezente Art vom Publikum helfen. Da darf man sogar mal die Bühne 15 in Bewegung setzen, die zum Karussell wird. Mit dem richtigen Dreh erzählen die komisch-anrührenden Clowns vom katalanischen Industrial Teatrera in 20 Minuten ein ganzes Leben.

Karten an der Abendkasse

An allen Veranstaltungstagen gibt es noch 200 Karten an der Abendkasse zu kaufen 
– pro Besucher maximal zwei Karten.

Die Abendkasse öffnet um 17.30 Uhr.

Mit Musik

Sie machen nur ihren Job. Ob als Müllmann, Kellnerin oder Fahrradkurier. Doch im Großen Garten gehen plötzlich wundersame Wandlungen mit den Werktätigen vor. Aus dem Stand schmettern sie mit kraftvollen Stimmen die schönsten Arien. „Figaro, Figaro, Figaro“, tönt es da durch die Hecken an Bühne 17, und die Gäste bleiben fasziniert stehen. Kein Wunder, schließlich sind die Künstler der slowenischen Gruppe Leporello ausgebildete Opernsänger. „Lyrical Minutes in the Park“ haben sie ihren unvermittelten Ausflug in die Hochkultur mitten auf dem Kleinkunstfestival genannt. Und beides passt ganz wunderbar zusammen.

Ein bisschen Konkurrenz in Sachen klassischer Musik steuert das niederländische Harfen- und Sopran-Duo I Fiori dell’Arte bei. Die beiden elfenhaften Grazien wandeln mit ihrem Instrument unüberhörbar durch den gesamten Garten und machen mitunter auch mal vor der Bühne 10 Station. Dort lässt Gabor Vosteen von sich hören. Der deutsche Künstler schafft es, dem musikalischen Albtraum vieler Schulkinder – der Blockflöte – die vielseitigsten Töne zu entlocken. Zeitgleich mit bis zu fünf Flöten. Nicht nur Nachwuchsmusiker sollten sich den Auftritt des spindeldürren Charmeurs mit der explodierenden Frisur nicht entgehen lassen.

Für alle Generationen hat Heinz Gröning etwas zu bieten. Der selbsternannte „King of Comedy-Liedermaching“ greift auf Bühne 20 zur Gitarre, um Punk, Pop, Schlager und Rock zu einem hörenswerten Mischmasch mit automatischem Lachreflex zu vereinen. Quer durch die Genres reisen auch Panama Red, die mal hier, mal da im Garten auftauchen. Da treffen Klänge von Pink Floyd, Led Zeppelin und Albert Collins auf portugiesische und indische Kompositionen. Ausgestattet mit Gitarre und Geige machen die deutschen Musiker Miko Mikulicz und Rainer Ranis auf ihrer musikalischen Weltreise richtig gute Laune. Einfach mal hinhören!

Mit Puppen

Eigentlich sollte er auf Welttournee sein. Doch nach einem Autounfall muss Rolling Stone Keith Richards mit Gipsbein eine Zwangspause einlegen. Die nutzt er für einen Reha-Urlaub beim Kleinen Fest. Die Bodyguards Viktor Kucera und Dirk Volkmann (Festbesuchern bekannt als Duo Altrego) chauffieren den Altrocker im Rollstuhl durch den Garten und sorgen dafür, dass er seine Ruhe hat. Das klappt nicht immer, schließlich wird der Mann mit der markanten Physiognomie trotz des Pseudonyms Sir Bones schnell erkannt. Von weiblichen Festbesuchern lässt er sich aber ganz gern stören – und verteilt Visitenkarten für eine Mitternachtsparty in einem geheimen Hotel. Allzu agil ist Richards allerdings auch ohne Gips nicht: Die große Marionette mit dem unverwechselbaren Gesichtsausdruck ist aus Holz.

Ein Holzkopf ist auch die kleine Clara. Das Leben der winzigen Marionette hängt an 22 feinen Fäden. Jeder von ihnen ist unverzichtbar für Claras Charme. Die kleine Clownin möchte am liebsten nur auf ihrem Sofa faulenzen und etwas Rollschuh fahren. Doch es gibt Verpflichtungen im Leben einer Marionette, die man nicht umgehen kann. Zum Beispiel ein Balanceakt auf dem Hochseil auf Bühne 7. Das hängt in Kniehöhe von Raymond Ruiz – der spanische Puppenspieler hat alles, was Clara tut, in der Hand. Obwohl er stets zu sehen ist, hält er sich im Hintergrund, sodass alle Augen auf seine bezaubernde Partnerin gerichtet sind.

Fließend sind die Grenzen zwischen Mensch und Puppe im Hotel Crab. Dort lässt die katalanische Gruppe Trukitrek die Sommergeschichte spielen, die auf Bühne 28 erzählt wird. Es geht um eine eigenwillige Diva, einen mysteriösen Diebstahl und eine kurze Liebelei im Fahrstuhl. Im Urlaubsambiente treffen die kuriosesten Gestalten in überraschenden Konstellationen aufeinander. Und nur wer genau hinsieht, erkennt, dass die Puppenspieler den Figuren ihre eigenen Gesichter leihen.

Eine äußerst lebendige Puppe ist auch Go Solo alias Godelieve Huijs. Die holländische Künstlerin zeigt auf Bühne 33, wie eine Spieldosen-Ballerina auf eigenen Beinen steht.

Gute alte Bekannte

Was wäre das Kleine Fest ohne die hannoverschen Lokalmatadoren? Der zaubernde Entertainer Desimo alias Detlef Simon gehört (fast) so verlässlich dazu wie die Buchsbaumrabatten im Großen Garten. Bei seiner Show auf Bühne 27 schafft der charmante Magier es mal wieder, sein Publikum komplett zu verblüffen. Wie kann es sein, dass er schon vorher weiß, unter welchen Künstlernamen seine von Abend zu Abend wechselnden Assistenten aus dem Publikum bei ihm in die Zauberlehre gehen wollen? Das muss Gedankenübertragung sein.

Mit Worten zaubert Matthias Brodowy, selbsternannter „Vertreter für gehobenen Blödsinn“, der in der „Stadt mit Keks“ zu Hause ist. Ohne seine gleichnamige Hannover-Hymne wäre der Festbesuch für etliche Fans nur halb so schön. Aber natürlich gibt es auf Bühne 29 auch Neues zu hören. Brodowy, der jüngst mit dem Deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet wurde, hat ganz frische Ware mitgebracht: „Kopfsalat-Chaoskabarett“ heißt sein aktuelles Programm, aus dem ein Ausschnitt zu hören ist.
Kein Hannoveraner, sondern ein Halbspanier aus Köln ist Sascha Korf. Der aus Funk und Fernsehen bekannte Stand-up-Comedian war bereits mehrfach im Großen Garten zu Gast. Auf Bühne 13 redet er ohne Punkt und Komma – und macht alles, was das Publikum ihm zuruft, zu einem neuen Handlungsstrang in einer unendlichen Lachgeschichte.

Ohne Frans kann das Kleine Fest gar nicht erst starten. Der kleine Clown mit Seppelhut, Kniebundhose, Koffer und Banane (wahlweise Gurke) gehört zum lebendigen Inventar des Kleinkunstfestivals. Fragt man Frans, seit wann er durch die Rabatten wandert, lautet die Antwort meist: „Schon immer.“ Der Clown, der eigentlich Frans Custers heißt und aus Holland kommt, ist nahezu exklusiv in Herrenhausen zu sehen. Allenfalls zu den ein- bis zweitägigen „Ablegern“ des Kleinen Festes in Ludwigslust und Oranienbaum macht er mal einen Abstecher.

Über dem Asphalt auf dem Schützenplatz flirrt die Hitze. Ordentlich geparkt stehen Cadillacs neben Muscle-Cars und Pontiacs. Die Autos sind liebevoll hergerichtet und glitzern in der Sonne. Immer wieder bleiben Besucher vor einzelnen Modellen stehen und machen Fotos. Es ist wieder Street-Mag-Show auf dem Schützenplatz - für Oldtimer-Liebhaber die Gelegenheit, ihre Schätze zu zeigen.

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