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Aus der Stadt Kleingärtnern geht der Strom aus
Hannover Aus der Stadt Kleingärtnern geht der Strom aus
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18:52 01.05.2015
Von Bernd Haase
Bald ohne Strom? Die Kleingartenkolonie Waldfrieden 2. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Über die Zahl der Betroffenen gibt es stark unterschiedliche Angaben. Hildebrand spricht von rund 2500, Stadtwerkesprecher Carlo Kallen von 1300.

Die Angelegenheit schwelt schon seit zwei Jahren. Es geht um rund 50 Kolonien, die über Freileitungen Strom beziehen, der in die einzelnen Gärten verteilt wird. „Kolonien sind so zu betrachten wie Mietshäuser oder Campingplätze“, sagt Kallen. In Konsequenz bedeute dies, dass die Netzgesellschaft nur dazu verpflichtet sei, einen zentralen Anschluss zu legen. Bisher habe man in Sachen Weiterverteilung Kulanz walten lassen, könne dies aber künftig nicht mehr tun. Kallen führt unter anderem wirtschaftliche Gründe an. Die Kosten für die Weiterverteilung in den Kolonien würden von der Bundesnetzagentur seit einigen Jahren nicht mehr anerkannt, müssten also von der Allgemeinheit getragen werden. Außerdem entsprächen einige Leitungen nicht mehr den Standards.

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Das Problem für die Gartenpächter ist, dass sie auf eigene Rechnung unterirdische Kabel zu ihren Parzellen legen müssten, wenn sie nicht auf Strom verzichten wollen. „Das kostet im Einzelfall bis zu 3000 Euro, die viele nicht tragen können oder wollen“, sagt Hildebrand. Der Jurist teilt die Rechtsposition der Netzgesellschaft nicht. „Die Leute haben seinerzeit Verträge mit den Stadtwerken geschlossen, für die die Netzgesellschaft die Rechtsnachfolge angetreten hat“, betont er. Diese Verträge könne man jetzt nicht einfach aufkündigen.

Hildebrand hegt einen Verdacht. Der Streit um die Stromversorgung habe just zu der Zeit begonnen, als der damalige Umwelt- und Wirtschaftsdezernent Hans Mönninghoff angekündigt hatte, 1000 von insgesamt 20.000 Kleingärten in Hannover müssten zugunsten von Bauland aufgegeben werden. „Da sollte wohl zusätzlich Druck erzeugt werden“, vermutet der Jurist.

Mönninghoffs Ansage ist in ihrer pauschalen Form längst vom Tisch, weil seine Nachfolgerin Sabine Tegtmeyer-Dette sie kassiert hat. Der Stromstreit allerdings geht weiter und könnte noch die Gerichte beschäftigen. „Es gibt bisher kein Grundsatzurteil in der Sache“, sagt Hildebrand. Sein Argument: Kleingärten seien öffentlich gewollt, um Bewohnern aus Mehrfamilienhäusern die Möglichkeit zu einem eigenen Fleckchen im Grünen zu geben. Bei öffentlichen Einrichtungen aber sei auch die Weiterverteilung von Strom Angelegenheit der Netzgesellschaft.

02.05.2015
Bernd Haase 01.05.2015
01.05.2015