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Aus der Stadt Die kleinen Gärten
Hannover Aus der Stadt Die kleinen Gärten
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20:06 18.03.2014
Von Bernd Haase
Rundgang durch die Kleingartenkolonie Jägerlust in Kleefeld mit Peter Susel. Quelle: Hagemann
Hannover

Der Frühling, der sich in Hannover in den vergangenen Tagen im kalendarischen Winter breitgemacht hat, lockt die Kleingärtner aus der Winterruhe. In der Kolonie Jägerlust am Kleefelder Eilenriederand ist die Hecke an der Parzelle vom Ehepaar Susel schon in Form gebracht. Peter Susel hat eine neue Leitung zum Bewässern verlegt. Frühe Blüher wie Narzissen und Krokusse sorgen für die ersten Farbtupfer. Bei Kamil Yilmaz dagegen sieht es etwas anders aus. Er hat sein Gelände fast komplett umgegraben – „alles mit dem Spaten, das ist wie Sport“, sagt er stolz. Yilmaz will Gurken, Kürbisse, Zwiebeln, Bohnen und anderes Gemüse anpflanzen. Seit drei Jahren macht er das in Kleefeld, er ist damit einer der neuen in der Kolonie.

Das kann man von Detlef Speck, dem Vorsitzenden des Kleingartenvereins Kleefeld, nicht sagen. Sein Vater hat vor mehr als 60 Jahren ein Stückchen Gartenland in der Jägerlust bekommen, seitdem ist es immer in Familienhand geblieben. „Ich bin hier aufgewachsen, es war immer wie ein zweites Zuhause für mich“, sagt der 76-jährige Rentner, der sich den Garten mittlerweile mit seinem Sohn teilt.

Hannovers Laubenpieper haben mit dem Frühjahrsputz begonnen und blicken angespannt in die Zukunft. Die Stadt sucht Gelände für den Wohnungsbau – auch bei ihnen.

Das zweite Zuhause war und ist die Kleingartenkolonie für manchen Hannoveraner. Wahrscheinlich gärtnern am Eilenriederand in Sichtweite des heutigen Fernsehturms seit mehr hundert Jahren Laubenpieper. Gesichert ist, dass der Kleingartenverein Kleefeld schon im Jahr 1920 bestand. Insgesamt gehören ihm sechs Kolonien mit 576 Gärten an; Jägerlust ist eine davon.

Dass es diese Tradition gibt, sieht man dem Gelände an. Die Lauben auf den Grundstücken sehen nicht so uniformiert aus wie bei manchem später gegründeten Kleingärtnerverein. Es gibt solche aus Holz und solche aus Stein. Einige muten an wie ein Geräteschuppen, andere könnten als Wochenendhäuschen durchgehen. Man darf vermuten, dass manche Erbauer über größeres handwerkliches Geschick verfügen als andere. Auch die Gärten selbst bieten Raum für Individualismus. Das Spektrum reicht von reinen Nutzgarten über Blumengärten mit Obstbäumen bis hin zu Parzellen, die im Prinzip nur aus Rasenflächen bestehen. „Hier ist vieles nach dem Krieg entstanden. Da hatte man Wichtigeres zu tun, als darauf zu achten, wie die Leute ihre Lauben bauen“, sagt Speck.

„Muss ich hier weg, muss ich nicht weg – das ist eine Frage, die die Pächter hier umtreibt“, sagt Specks Vorstandskollegin Karin Vitt. Die Spannung ist entstanden, weil der Kleingartengürtel in Hannover schmaler werden könnte. In der wachsenden Stadt muss die Verwaltung Platz für Wohnungsbau finden und sucht ihn unter anderem bei den Laubenpiepern, bei denen angeblich manche Parzelle leer steht. Etwa 1000 Gärten müssten aufgegeben werden, hieß es im vergangenen Jahr. Proteste waren vorhersehbar und kamen auch prompt – sich mit Kleingärtnern und deren gestandenen Funktionären etwa vom Schlage des hannoverschen Bezirkschefs Karl-Heinz Rädecker anzulegen, das kann eine Herausforderung sein. Eine hannoversche Erfahrung besagt, dass man das, wenn überhaupt, dann behutsam tut. Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) berief denn auch eine Runde aus Verwaltungsleuten und Kleingärtnerfunktionären ein, in der bis zum Jahresende ein Konzept erarbeitet werden soll. „Im Zuge der Erstellung werden auch Umnutzungsabsichten der Stadtverwaltung bearbeitet“, sagt Stadtsprecher Dennis Dix.

Andererseits taugen die Kleefelder Kolonien neben fünf weiteren in Bothfeld, Vinnhorst, Vahrenwald, Kirchrode und Misburg im Wohnbau- und Gewerbeflächenkonzept der Stadt als mögliche Umwandlungsflächen auf. In Kleefeld dürfte die Medizinische Hochschule Ansprüche auf Kleingartenland erheben, wenn sie eines Tages bestehende Erweiterungspläne umsetzt.

Wieviele Parzellen in Kleefeld bedroht sind, weiß keiner. „Für uns würde das vermutlich bedeuten, dass der Kleingartengürtel einmal längs durchtrennt wird“, erklärt Detlef Speck. Sollte das passieren, werde man mit Sicherheit protestieren. „Einstweilen harren wir aber der Dinge und vertrauen auf das Verhandlungsgeschick unseres Bezirksverbandes“, sagt der Vorsitzende.

Ganz entschieden wehrt er sich gegen die These, dass die Kleingärtnerei eine typisch deutsche Tätigkeit für ältere Mitbürger und damit vom Aussterben bedroht sei. „Bei uns gibt es Wandel, aber kaum Leerstände“, betont Speck. Ausländer wie Yilmaz und junge Familien auf der Suche nach dem viel beschworenen Wohnzimmer im Grünen entdeckten die Kleingärten für sich. Von den 576 Gärten des Vereins seien derzeit höchstens 40 ohne Pächter.

Peter Susel, ein vom Wesen her ohnehin eher fröhlicher Mensch, schert das alles im Augenblick nicht. Er will das schöne Wetter ausnutzen und viel schaffen. Für dieses Jahr hat er sich vorgenommen, erstmals Kartoffeln anzupflanzen – „mehlige, weil es die auf dem Markt nicht so häufig gibt“, sagt er. Speck wiederum hat gehört, dass die Stadt mögliche Bebauung ohnehin nicht näher als hundert Meter an den Rand der Eilenriede heranlassen will. Damit hätten die Schatten, die die nahen Waldbäume auf die Parzellen von Jägerlust werfen, ein Gutes: Was Umnutzungsgedanken angeht, läge die Kolonie auf der Sonnenseite.

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