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Aus der Stadt Kleinkrieg um Schloss-Gastronomie in Herrenhausen
Hannover Aus der Stadt Kleinkrieg um Schloss-Gastronomie in Herrenhausen
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00:15 10.04.2013
Von Conrad von Meding
Nachbarn in Konkurrenz: Links die Schlossküche, rechts das Schloss mit Messegastronomie.
Nachbarn in Konkurrenz: Links die Schlossküche, rechts das Schloss mit Messegastronomie. Quelle: Rainer Droese
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Hannover

Das Restaurant „Schlossküche“ hat Fahrzeuge des benachbarten Schlossbetreibers abschleppen lassen. Zudem hat man dem Stadtmarketing mitgeteilt, künftig nicht mehr so oft Reisebustouristen verpflegen zu wollen: Vor allem an Sommerwochenenden mit Feuerwerken und Kleinkunst gebe es in Herrenhausen zahlreiche andere Reservierungen, die offenbar lukrativer sind. Nach Informationen der HAZ hat die Stadtspitze darauf mit aller Schärfe geantwortet. Das Restaurant auf städtischem Pachtgrundstück solle gefälligst seiner vertraglichen Pflicht nachkommen, normale Herrenhausen-Besucher zu bewirten, statt Reservierungen für Hochzeiten und Geburtstage entgegenzunehmen.

Am Sonntag konnten sich Besucher das restaurierte Schloss in Herrenhausen anschauen.

Umgekehrt erhielt in dem Konflikt darum, wer wann welchem Gartenbesucher Kaffee ausschenken darf, auch der Schlosspächter Hochtief einen Brief der Stadt. Darin wird freier Kaffeeausschank untersagt. Im Schloss dürfe Gastronomie nur bei geschlossenen Veranstaltungen angeboten werden. Der Hinweis kam am Gründonnerstag, also unmittelbar vor dem Tag der offenen Tür im Schloss, der 9500 Gäste anlockte. Prompt baute das Konkurrenzrestaurant „Schlossküche“ ein Zelt vors Schloss, in dem Kaffee verkauft wurde.

„Es ist vertrackt“, sagt ein Insider. „Statt endlich an einem Strang zu ziehen und Herrenhausen für Besucher noch attraktiver zu machen, bekämpfen sich die Protagonisten gegenseitig.“ Neuestes Problem: Gartendirektor Ronald Clark soll versucht haben, die Konfliktparteien an einen Tisch zu holen, um Lösungen zu finden. Doch die „Schlossküche“ soll Gespräche mit Verweis auf eine eingereichte Klage gegen die Stadt abgelehnt haben. Clark ist im Sizilienurlaub, alle anderen Beteiligten wollen sich wegen der komplizierten Situation nicht äußern. Dietmar Althof, einer der beiden „Schlossküchen“-Betreiber, weist alle Konflikte kategorisch zurück. „Es gibt hier keine Störmanöver. Im Gegenteil - hier ist nicht der Hauch einer negativen Stimmung.“

Etwa 270 geladene Gäste nahmen an der Eröffnung des wieder aufgebauten Schlosses Herrenhausen teil.

Die juristische Lage ist schwierig. Die Stadt hat zwei langfristige Pachtverträge (einen für das Restaurantgrundstück, einen für das Schlossgrundstück) mit zwei Pächtern (VGH und Hochtief) geschlossen, die ihrerseits Unterverträge für Gastronomieangebote („Schlossküche Herrenhausen“ und Messegastronomie im Schloss) vergeben haben. Weil das Restaurant „Schlossküche“ seine Exklusivrechte verletzt sieht, hat sein Vermieter, die VGH, Klage gegen die Stadt eingereicht. Die wiederum ist derart genervt von dem Streit, dass inzwischen wohl erwogen wird, die „Schlossküchen“-Pächter komplett aus Herrenhausen rauszukaufen. Damit könnte in Herrenhausen Gastronomie aus einem Guss ermöglicht werden - der Gewinner wäre die Messegastronomie. Dass derartige Gespräche geführt werden, ist der HAZ aus mehreren Quellen bestätigt worden, offiziell sagt aber niemand etwas dazu.

Stattdessen gibt es Beteuerungen, dass alles bestens läuft. Die treuen Wochenend-Kaffeegäste seien ihm die liebsten, sagt Promigastronom Althof. „Wir kommen auch gut mit unseren Nachbarn aus“, sagt er, „Konflikte gibt es nicht.“

Michael Zgoll 08.04.2013
Andreas Schinkel 08.04.2013
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