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Aus der Stadt Klinik in Hannover behandelt oft Kinder mit Verbrennungen
Hannover Aus der Stadt Klinik in Hannover behandelt oft Kinder mit Verbrennungen
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21:43 07.12.2010
Von Veronika Thomas
Der kleine Jan erlitt Verbrühungen am Oberkörper, weil das Milchfläschchen zerplatzte. Quelle: Sonja Zimpel

Es passierte Nicole Walla beim Zubereiten des Milchfläschchens für ihren Sohn Jan, als das Gefäß mit dem heißen Wasser aus unerfindlichen Gründen platzte. Ihr 18 Monate altes Kind, das neben ihr stehend auf sein Essen wartete, bekam einen Teil des Flascheninhalts ab – glücklicherweise erst auf sein Baumwollhemdchen, was die Hitze ein wenig abmilderte. Trotzdem erlitt das Kind schmerzhafte Verbrühungen im Bereich des Oberkörpers. Mehrere Tage musste der kleine Jan im Krankenhaus behandelt werden.

Beim bundesweit ersten „Tag des brandverletzten Kindes“, initiiert von der Initiative Paulinchen, informierten Ärzte und Pflegekräfte gestern im Kinderkrankenhaus auf der Bult über die Gefahren, die vor allem im familiären Haushalt lauern. Besonders in der Zeit rund um Weihnachten und Silvester ist die Gefahr groß, dass Kinder sich beim Backen an Backofentüren, durch Kerzen oder Knallkörper verletzen.

Die Zahl der Kinder, die bei Unfällen Verbrennungen oder Verbrühungen erleiden, nimmt seit Jahren zu, sagt Oberärztin Mechthild Sinnig. 2008 wurden 93 Kinder mit entsprechenden Verletzungen in der Kinderklinik stationär behandelt, 2009 waren es bereits 120. „Diese Zahl haben wir in diesem Jahr längst erreicht“, berichtet die Fachärztin, weil viele Eltern nicht wüssten, wie gefährlich heiße Flüssigkeiten für ihre Kinder sein können. Schon eine einzige Tasse Kaffee oder Tee könne ein Kind lebensgefährlich verletzen, sagt Sinnig.

80 bis 85 Prozent aller Verletzungen seien Verbrühungen bei kleinen Kindern zwischen einem und vier Jahren. „Sie ziehen an der Tischdecke und reißen damit die heißen Getränke herunter“, sagt Sinnig. Sie rät Familien mit kleinen Kindern, grundsätzlich auf Tischdecken zu verzichten. Stark zugenommen, vor allen jetzt während der kalten Jahreszeit, haben Verbrennungen an den Händen, die sich Kinder an heißen Kaminöfen zugezogen hätten. „Diese Öfen müssten gleich mit Sicherungsgittern geliefert werden“, fordert die Ärztin. Sie empfiehlt, auch die Küche mit einem flexiblen Gitter zu verschließen, weil hier die meisten Unfälle mit kleinen Kindern passierten.

Bei etwa 25 Prozent aller Patienten, die aufgrund von Verbrennungen oder Verbrühungen im Kinderkrankenhaus behandelt werden müssen, seien Hauttransplantationen erforderlich. „Die Behandlungen sind langwierig und sehr belastend für die Familien“, sagt Sinnig. Häufig seien mehrere Transplantationen nötig. Die Kinder müssten spezielle Wäschestücke tragen und Silikonpflaster benutzen, um zu verhindern, dass Narbenwucherungen entstehen.

Glücklicherweise seien schwere Grillunfälle wie Verpuffungen stark zurückgegangen, die durch den Gebrauch von Brennspiritus als Brandbeschleuniger entstehen können. Hier hätten die Aufklärungskampagnen offenbar Wirkung gezeigt. Stattdessen haben aber schwere Verletzungen zugenommen, die durch achtloses Wegschütten von vermeintlich erloschener Grillkohle passierten. „Die Kinder verletzten sich dabei schwer an den Füßen und Händen, weil sie in die noch glühende Kohle hineintreten oder hineinfallen“, berichtet die Oberärztin.

Jetzt, wenige Wochen vor Silvester, lauern weitere Gefahren. Weil vor allem Jungen im Alter von zehn bis 14 Jahren gern mit Schwarzpulver aus Tischfeuerwerk oder Feuerwerkskörpern experimentierten, rät Mechthild Sinnig den Eltern, ihre Kinder entsprechend zu warnen. Das gelte auch für Wunderkerzen.

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