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Aus der Stadt Kliniken droht Stellenabbau in der Pflege
Hannover Aus der Stadt Kliniken droht Stellenabbau in der Pflege
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00:15 23.09.2015
Von Mathias Klein
Pflegepersonal ist in Kliniken unverzichtbar. 
Pflegepersonal ist in Kliniken unverzichtbar.  Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Wie es heißt, drohe innerhalb von fünf Jahren der Abbau mehrerer Hundert Arbeitsplätze an den Kliniken in und um Hannover. Allein in den drei Krankenhäusern der Diakonischen Dienste (DDH), Annastift, Friederikenstift und Henriettenstiftung, ginge es um 120 Stellen. Das Regionsklinikum müsste jährliche Einbußen von 3 Millionen Euro hinnehmen, was eine Reduzierung um 240 Stellen in fünf Jahren bedeuten würde. Kleinere Kliniken wie das Clementinenhaus oder das Kinderkrankenhaus Auf der Bult müssten innerhalb von fünf Jahren jeweils die Stellen von 30 Krankenschwestern abbauen.

Zwar ist in den Gesetzesplänen ein sogenanntes Pflegeförderprogramm vorgesehen, das für jedes Krankenhaus durchschnittlich 1,5 Pflegekräfte mehr pro Jahr bedeuten würde. Deutlich gravierender dagegen wirkt sich die im Gesetzesentwurf vorgesehene Streichung des sogenannten Versorgungszuschlages aus, der jährlich vom Bund aus Mitteln der Krankenkassen an die Kliniken bezahlt wird.

Allein für die drei Krankenhäuser der Diakonischen Dienste würde die Streichung einen Einnahmeausfall von 1,5 Millionen Euro pro Jahr bedeuten, wie der Geschäftsführer von Friederikenstift und Henriettenstiftung, Mathias Winkelhake, berichtet. „Das sind pro Jahr 30 Pflegestellen, die nicht mehr finanzierbar sind“, sagt er.

Eine Verringerung der Pflegekräfte hätte aus Sicht der Klinikchefs dramatische Folgen für die Patienten. Schon jetzt hat das Pflegepersonal zu wenig Zeit. „Die Zitrone ist ausgequetscht“, sagt beispielsweise der Chef der Kinderklinik Auf der Bult, Thomas Beushausen. Eine weitere Arbeitsverdichtung bei den Pflegekräften könne nicht mehr hingenommen werden.

Es sei zu befürchten, dass die Situation den Beruf der Krankenschwester immer unattraktiver macht. In den vergangenen Jahren sei die Motivation des Pflegepersonals deutlich gesunken, sagt die Geschäftsführerin des Clementinenhauses, Birgit Huber. Vor drei Jahren hätten bei einer Mitarbeiterbefragung noch 80 Prozent der Pflegekräfte erklärt, sie gingen gern zur Arbeit - jetzt seien es nur noch 59 Prozent. Viele junge Leute verließen nach der Ausbildung den Pflegeberuf, sagt MHH-Vizepräsident Andreas Tecklenburg. „Dabei geht es gar nicht ums Geld, sondern um die Arbeitsbelastung.“

Am kommenden Mittwoch wird bundesweit gegen die geplante Krankenhausreform protestiert. Aus Hannover fährt eine etwa hundertköpfige Delegation nach Berlin. Die einzelnen Krankenhäuser in Hannover planen eigene Aktionen.

Wie teuer darf Pflege im Krankenhaus sein?

660 Millionen Euro für 6300 neue Pflegekräfte: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will mit dem Krankenhausstrukturgesetz, das im nächsten Jahr in Kraft treten soll, die Kliniken für die Zukunft fit machen. Als neues Kriterium bei der Krankenhausplanung wird Qualität eingeführt, so soll es Zu- oder Abschläge für Leistungen geben. Der Verband der Ersatzkassen hatte dies in seiner Stellungnahme zum Gesetz kritisiert. Schlechte Qualität sollte nicht mit Abschlägen bestraft werden. Stattdessen sollten Kliniken nach einer Karenzzeit von zwei Jahren gar kein Geld mehr erhalten. Ein Pflegestellen-Förderprogramm soll die „Pflege am Bett“ verbessern. Ab 2019 stehen dafür pro Jahr 330 Millionen Euro zur Verfügung. Eine Expertenkommission soll prüfen, wie der besondere Pflegebedarf von Demenzkranken oder behinderten Patienten über Zusatzentgelte finanziert werden kann.

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