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Aus der Stadt Klinikgesellschaft fordert Stopp beim Bettenabbau
Hannover Aus der Stadt Klinikgesellschaft fordert Stopp beim Bettenabbau
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07:28 08.04.2015
Für das Vorhalten freier Klinikbetten wird den Krankenhäusern nichts bezahlt. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Aufgrund gravierender Engpässe in der Versorgung von Notfallpatienten hat die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG) das Sozialministerium aufgefordert, Pläne für einen weiteren Abbau von Klinikbetten zu überdenken.

Die Verlegung eines Patienten von Hannover nach Alfeld, über den die HAZ am Dienstag berichtete, hält NKG-Geschäftsführer Marten Bielefeld zwar für einen Einzelfall, aber die Politik müsse sich fragen, ob „nicht bundesweit bereits zu viele Betten abgebaut worden sind“. Regionspräsident Hauke Jagau macht dagegen die Krankenkassen und das Finanzierungssystem für die zunehmend schwierige Versorgung von Notfallpatienten verantwortlich. „Ein Vorhalten freier Betten wird nicht mehr bezahlt“, sagte Jagau. Rein rechnerisch werde eine durchschnittliche Belegungsquote von 85 Prozent erwartet.

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Jede Klinik müsse sich angesichts dieser wirtschaftlichen Anforderungen fragen, ob es noch vertretbar ist, eine Fachabteilung mit Personal und Operationssälen am Wochenende für die Versorgung von wenigen Patienten offen zu halten und sich nicht lieber als „geschlossen“ abzumelden. Das Problem treibe mittlerweile viele Städte um.

Ähnlich äußerte sich Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) auf Anfrage. Derzeit gebe es wenig Anreize für eine gute Notfallversorgung. Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe habe deshalb im Dezember vorgeschlagen, Kliniken, die in hohem Umfang Notfallstrukturen vorhalten, ab 2016 finanziell besser zu stellen. Rundt stellte zudem klar: Sollte es über einen längeren Zeitraum hinweg in einer Region zu wenige Betten bestimmter Fachrichtungen geben, „steuert der Planungsausschuss des Landes nach und bewilligt weitere Kapazitäten“.

Kurzfristige Verbesserungen erhofft sich Regionspräsident Jagau von einem besseren Notfall-Management, an dem mit Unterstützung des Sozialministeriums derzeit gearbeitet wird. Im Gespräch ist ein Onlinesystem, das der Rettungsleitstelle die Übersicht über abgemeldete Klinikstationen in der Region erleichtert.

Am Dienstag wurde zudem bekannt, dass die Verlegung eines Hannoveraners in eine Alfelder Klinik keinesfalls ein Einzelfall war. Vor einer Woche kam eine 84-Jährige aus der List mit dem Rettungswagen in die Notaufnahme der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Sie litt unter Atembeschwerden und Herzproblemen, berichtet ihr Sohn. Sie wurde in der MHH untersucht und versorgt.

Da in der Klinik jedoch kein Bett frei war und die regionsweite Anfrage der MHH ergebnislos verlief, wurde die Suche nach einem freien Bett ausgeweitet. In Rinteln (Kreis Schaumburg) wurde die MHH schließlich fündig. Die Patientin starb einen Tag später in der Rintelner Klinik.

Von Gabi Stief und Mathias Klein

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