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Aus der Stadt Klinikum Hannover:„Notversorgung gesichert“
Hannover Aus der Stadt Klinikum Hannover:„Notversorgung gesichert“
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07:19 04.09.2012
Von Conrad von Meding
Bernhard Koch, der Sprecher des Klinikum Hannovers, sieht einem möglichen Streik gelassen entgegen: „Die Notversorgung wird immer gesichert sein“. Quelle: dpa
Hannover

Was wäre, wenn im aktuellen Honorarstreit der Praxisärzte tatsächlich ein Streik ausgerufen würde? Ärztefunktionäre haben bereits damit gedroht, die Patienten mit Aushängen massenweise in die Krankenhäuser zu schicken. Im Klinikum Hannover nimmt Sprecher Bernhard Koch diese Drohgebärde gelassen. „Die Notversorgung wird immer gesichert sein“, sagt Koch: „Das stellen wir etwa an Wochenenden sicher und würden es natürlich auch dann tun, wenn Praxen aus anderen Gründen geschlossen sind.“ Doch das betrifft nur die Notfälle. Alle normalen Arzttermine, alle Vorsorgeuntersuchungen oder Konsultationen wegen chronischer Leiden würden ersatzlos ausfallen, wenn die Ärzteschaft ihre Ankündigung wahr macht. Und wenn alle mitmachen.

Ein regelrechter Streik allerdings gilt unter Fachleuten als unwahrscheinlich. „Ärzte dürfen nicht streiken“, sagt Uwe Köster von der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). „Aber sie können Urlaub machen, und als Freiberufler sind sie natürlich frei in der Wahl der Arbeitszeit.“ Will heißen: stunden-, tage- oder wochenweise Schließungen, durchaus auch auf die eigene Verärgerung bezüglich der Honorarsituation, sind denkbar. „Ein gewisses Minimum an Praxisöffnung muss aber gegeben sein“, sagt Köster. Eine Praxis, die zeitlich unbegrenzt schließt, könnte aus dem Versorgungsvertrag mit den Krankenkassen hinausfliegen. Und das wird - trotz aller Kritik im jüngste Honorarstreit - kaum eine Praxis riskieren.

Rund 3000 niedergelassene Ärzte gibt es im Bezirk Hannover. Die meisten sind Allgemeinmediziner oder Internisten, ein deutlich kleinerer Teil etwa Kinderärzte oder Radiologen. Zwar hat es 2010 bei Veränderungen im Honorarsystem bei etlichen Berufsgruppen auch Zuwächse gegeben, doch in der jetzt von einem Schlichter ausgerufenen Preisanpassung von 0,9 Prozent sehen die Standesvertreter eine Realabsenkung der Vergütung - und wollen auf dem Klageweg und wohl auch mit Protestschließungen dagegen angehen.

Von einem „ärztlichen Schulterschluss“ spricht KVN-Mann Köster, seit sich die niedersächsischen Ärzte am Wochenende der Protestresolution aus Berlin angeschlossen haben. „Ich habe noch nie eine so emotionale Stimmung in einer Ärzteversammlung erlebt“, sagt der hannoversche Allgemeinmediziner Matthias Berndt, der in Berlin dabei war. Denn selbst wenn die 0,9 Prozent Anhebung nach Mehrverdienst klängen: Die durchschnittlich 1800 Euro Mehreinnahmen pro Jahr gehen nicht an den Arzt, sondern an die Praxis. Von dem Geld müssen auch die steigenden Gehälter der Mitarbeiter bezahlt werden, Rücklagen aufgefüllt und Versicherungen beglichen werden, muss in die Praxen investiert werden - und am Ende will dann natürlich auch der Arzt etwas verdienen. „Nicht mal ein Inflationsausgleich“ sei das Angebot.

Klar ist: In den nächsten Tagen werde es „höchstens vereinzelt Praxisschließungen aus Verärgerung geben“, vermutet Köster. Mit Ausständen größeren Ausmaßes sei in den nächsten Tagen nicht mehr zu rechnen. Schließlich starten jetzt erst einmal Urabstimmungen.

Stimmen aus Hannover:

Jürgen Polley, Radiologe aus der City Radiologen müssen sich stets anhören, sie seien die Großverdiener unter den niedergelassenen Ärzten. Richtig ist: Die Honorarstatistik der Krankenkassen weist für diese Berufsgruppe nach Nephrologen und Onkologen Ausgabenanteile pro Arzt aus. „Was aber gerne vergessen wird ist die Tatsache, dass wir extrem teure Geräte finanzieren müssen und auch besonders viel Personal bereithalten“, sagt Jürgen Polley von der Röntgenpraxis Georgstraße. Allein ein Kernspintomograf kostet in der Anschaffung rund eine Million Euro, hinzu kommen jährliche Wartungskosten von jeweils rund 70.000 Euro. Die Computertomografen in der Innenstadtpraxis sind deutlich preiswerter – aber auch für sie wird Personal benötigt. „In einer radiologischen Praxis kommen auf jeden Arzt vier bis fünf weitere Mitarbeiter“, sagt Polley. Trotz der hohen Grundkosten vergüteten die Kassen für eine Kernspintomografie nur etwa 90 bis 100 Euro – Privatpatienten bringen deutlich höhere Honorare. „In unserer Praxis liegt der Anteil an Privatpatienten zwar unter zehn Prozent, aber ohne sie könnten wir Ärzte uns kein Gehalt bezahlen.“ Denn vom gesamten Umsatz einer Praxis gehen 65 bis 70 Prozent in die technische Unterhaltung und die Mitarbeiterhonorare – das ist deutlich mehr als in anderen Fachgruppen. „Wir sollten nicht jammern“, sagt Polley. „Aber ein weiteres Sinken der Honorare ist für die Wirtschaftlichkeit nicht akzeptabel.“

Matthias Berndt, Hausarzt aus der List „Es gehört zu unserem Beruf dazu, dass wir uns Zeit für Hausbesuche nehmen können und uns, wenn es nötig ist, auch mal eine Stunde an das Bett eines Schwerkranken setzen können“, sagt Matthias Berndt. Der 46-Jährige betreibt mit seiner Frau Irina Jordan-Berndt eine Hausarztpraxis in der List und versucht, neue Wege in der Praxisorganisation zu gehen. Mit insgesamt acht angestellten Ärzten – darunter wegen einer Kooperation mit der MHH auch zwei Assistenzärzte – bringt es seine Praxis auf insgesamt 19 Mitarbeiter. Im Gegensatz etwa zu Radiologen hat er keine teure Technik. „Bei uns kostet das Personal mehr als die Technik“, sagt er. „Aber natürlich merken wir, dass die Benzinkosten und Mieten steigen, die Tarifbezahlung der Mitarbeiter wird teurer, die Bürokratie nimmt zu.“ Deshalb sieht er im aktuellen Kampfeswillen seiner Standeskollegen vor allem den Ausbruch aufgestauter Wut. „Die Kollegen fühlen sich vom Gesundheitssystem veräppelt.“ Sein aktuelles Beispiel: Am Montaghat er einen Regressbescheid über 1500 Euro erhalten, weil er einer jungen Frau die HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs verschrieben hat. „Medizinisch war alles richtig, aber ich habe das falsche Rezeptformular benutzt“, sagt Berndt. Auf seinen Widerspruch hat er jetzt nach zwei Jahren die Regressrechnung erhalten. „Das Honorar für die Impfung betrug 6,50 Euro, das Bußgeld beträgt 1500 Euro – für einen Bürokratiefehler. Da ist etwas nicht in Ordnung“, sagt Berndt.

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