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Aus der Stadt Umstrittenes Klinikkonzept beschlossen
Hannover Aus der Stadt Umstrittenes Klinikkonzept beschlossen
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20:42 28.11.2014
Von Mathias Klein
Hannover

Zu dem Konzept des Klinikum Region Hannover gehören unter anderem die Schließung des Springer Krankenhauses, Pläne für einen Neubau im Nordosten der Region, der die Kliniken in Großburgwedel und Lehrte ersetzen soll, und Investitionen in leistungsstarke Bereiche des Klinikums. „Weil wir das Regionsklinikum in kommunaler Trägerschaft halten wollen, ist das der richtige Weg“, sagte Regionspräsident und Aufsichtsratschef Hauke Jagau nach der Sitzung. Die zwei CDU-Vertreter im Aufsichtsrat sowie ein Vertreter der Arbeitnehmerseite votierten gegen die Pläne.

In einem Punkt hat das Kontrollgremium die ursprünglichen Pläne der Geschäftsführung noch verändert: Im Osten der Region soll es auch künftig ein geburtsmedizinisches Angebot geben, sagte der Aufsichtsratschef nach der Sitzung. Es solle ein Erhalt der derzeit in Großburgwedel angesiedelten Gynäkologie und Geburtshilfe in dem möglichen Neubau geprüft werden. „Wir halten eine wohnortnahe Geburtsmedizin im Osten der Region für einen wichtigen Bestandteil der öffentlichen Daseinsfürsorge“, betonte Jagau.

Die heftig umstrittenen Pläne, das Springer Krankenhaus zu schließen, hat der Aufsichtsrat gestern bestätigt. Die Springer sollen künftig in Gehrden stationär versorgt werden. „Voraussetzung dafür ist, dass auch künftig eine 24-Stunden-Notfallversorgung in Springe sichergestellt wird, sagte Jagau. In Springe, wo sich Bürger besonders energisch gegen die Pläne wehren, soll außerdem ein möglichst breiter Konsens über die künftige Nutzung des Gebäudes hergestellt werden.

Der Aufsichtsrat zerstreute am Freitag Befürchtungen der Mitarbeiter, dass die Medizinstrategie zahlreichen Beschäftigten den Job kosten könnte. Mit der Gewerkschaft ver.di soll eine Beschäftigungssicherung bis zum Jahr 2020 vereinbart werden. Zu diesem Paket gehört auch eine Übernahmegarantie für die Auszubildenden und eine Altersteilzeitregelung.

Am 16. Dezember soll die Regionsversammlung dann der Medizinstrategie zustimmen. Jede weitere Verzögerung mache es schwieriger, das Regionsklinikum aus den roten Zahlen zu führen, sagte Geschäftsführerin Barbara Schulte.

Außerdem bestellte das Kontrollgremium gestern einstimmig Matthias Bracht zum neuen Medizingeschäftsführer. Der promovierte Mediziner tritt seinen Posten am 1. März an. Bracht ist derzeit Vorstandsvorsitzender der Mindener Mühlenkreiskliniken.

Kommentar

Blick nach vorn

Ein Kommentar von Felix Harbart

Ob die Medizinstrategie 2020 das Klinikum retten wird, weiß niemand. Doch die Initiative von Regionspräsident und Klinikumsführung ist richtig: Der Konzern muss neu strukturiert werden, soll er überlebensfähig sein. Daher ist es gut, dass die Mehrheit des Aufsichtsrates gewillt ist, den Gegenwind aus jenen Kommunen auszuhalten, die ihr Krankenhaus „um die Ecke“ verlieren.

Für das Klinikum kann man hoffen, dass die Menschen dort bei allem Ärger auch die Chancen erkennen, die in den Plänen liegen. Etwa in einer Großklinik im Osten der Region anstelle zweier kleiner. Kann es sein, dass zwar der Weg weiter, aber die Versorgung noch besser wird? Es ist Zeit, den Blick nach vorne zu richten.

Das sind die Eckpunkte der Strategie

Neuordnung der Geburtshilfe: Die Geburtshilfe am Standort Nordstadt wird geschlossen, die dortige Gynäkologie wird ans Siloah verlagert. Die Fortführung der Hebammenschule wird sichergestellt. Im Osten der Region wird eine geburtsmedizinische und gynäkologische Versorgung aufrechterhalten.

Neubau für Burgwedel und Lehrte: Es wird ein Konzeptentwurf für einen gemeinsamen Neubau erstellt, inklusive Geburtshilfe und für Gynäkologie.

Notaufnahmen stärken: Mehr als 50 Prozent der Patienten kommen über die Notaufnahmen ins Klinikum. Dort sollen künftig Engpässe vermieden werden.

Ausbau der Altersmedizin: Über das Angebot der Geriatrie-Klinik in Langenhagen hinaus wird an weiteren Standorten ein Angebot für alte Menschen geschaffen.

Konzentration komplexer Eingriffe: Eingriffe zum Beispiel an der Bauchspeicheldrüse oder der Leber sollen wegen ihrer Komplexität an bestimmten Standorten konzentriert werden.

Investitionen in starke Bereiche: Besonders leistungsstarke Bereiche des Klinikums wie die Lungenheilkunde und die Neurochirurgie werden gestärkt. Aufbau eines Endoprothetik-Zentrums: Das Klinikum Agnes Karll in Laatzen wird zum Zentrum für den Einsatz künstlicher Hüft- und Kniegelenke.

Zusammenführung von Gehrden und Springe: Vor der Schließung der Springer Klinik soll ein sogenannter lokaler Dialogprozess um die künftige Gesundheitsversorgung und die Nutzung der Immobilie durchgeführt werden. Grundsätzlich soll das Angebot des Springer Krankenhauses in die Gehrdener Klinik integriert werden.

Bildung von Schwerpunkten: Das Klinikum Nordstadt wird unter anderem Schwerpunkt für Kopf und Trauma, in Siloah wird ein großes Zentrum für Krebserkrankungen aufgebaut.

Vorausschauende Personalplanung: Betriebsbedingte Kündigungen werden mit einer Vereinbarung bis zum Jahr 2020 ausgeschlossen.

Mehr zum Thema

Der Nordosten der Region behält – ob im jetzigen Krankenhaus Großburgwedel oder in einem Neubau – eine klinische Gynäkologie und Geburtshilfe. Diese Prämisse ist Teil der Medizinstrategie 2020, deren Prüfung der KRH-Aufsichtsrat Freitag beschlossen hat.

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