Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Es läuft noch nicht rund im Neubau
Hannover Aus der Stadt Es läuft noch nicht rund im Neubau
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:23 23.10.2014
Von Veronika Thomas
Seit sechs Wochen ist das neue Klinikum Siloah-Oststadt-Heidehaus eröffnet, aber noch längst läuft der Betrieb nicht rund. Quelle: Frank Wilde
Anzeige
Hannover

„Die schlimmste Phase ist vorbei, die Kinderkrankheiten sind behoben“, sagt der Ärztliche Direktor, Prof. Thomas Moesta. „Aber solche riesigen Veränderungen brauchen einfach ihre Zeit.“ Unterschätzt wurden offenbar die Wege von den Stationen ins Untersuchungszentrum und die Operationen im Sockelgeschoss. Patienten klagen unter anderem, dass sie eine Stunde und länger auf Untersuchungen wie eine Röntgenaufnahme warten müssen. Danach dauere es wieder mindestens eine Stunde, um wieder ins Zimmer gebracht zu werden. „Wir haben den Transportdienst inzwischen personell verstärkt“, sagt Pflegedirektorin Annelie Kadler, um vier auf jetzt 18 Mitarbeiter. „Wir können uns nur bei den Patienten entschuldigen.“

Prof. Moesta, der auch Chefarzt der Chirurgie im Klinikum Siloah ist, hätte das Haus am liebsten zwei Monate „eingefahren“ - mitsamt Personal. Aber das sei natürlich illusorisch. Die 850 Mitarbeiter seien zwar insgesamt etwa 30 000 Stunden geschult worden, aber vermutlich hätte nicht einmal die doppelte Anzahl genügt, um sämtliche Startschwierigkeiten zu beheben. „So etwas geht nur im laufenden Betrieb.“ In den beiden Wochen vor und nach Inbetriebnahme hatte die Klinikleitung eine mit Fachleuten besetzte Einsatzzentrale für Fragen aller Art eingerichtet - 900 Meldungen gingen in dieser Zeit ein. Da ließen sich Fenster nicht auf kipp stellen, Jalousien fuhren zur falschen Zeit rauf und wieder runter, Rechner funktionierten nicht. Schwerer wog, dass sich viele Türen nicht öffnen ließen.

Anzeige

Das Problem: Die elektronischen Zugangsberechtigungen für die Mitarbeiter, eine Art Scheckkarte anstelle von Schlüsseln, mussten vielfach noch vergeben werden. „Inzwischen komme auch ich durch alle Türen, ohne Umwege zurückzulegen“, sagt der Klinikdirektor. Außerdem mussten 700 Rechner neu konfiguriert werden. Die Startprobleme führten letztlich dazu, dass die Klinik ihre Notfallaufnahme in den ersten vier Wochen öfter von der Einsatzleitstelle der Feuerwehr abmelden musste - über den Monat gerechnet zu 40 Prozent.

Im September war es soweit: Mehr als 200 Patienten wurden in das neue Siloah-Klinikum verlegt.

„Es ist sehr viel Arbeit“, beschreibt Lars Böhm die Situation am Empfangstresen. Alles dauere länger als vorher, als er noch in der Pförtnerloge im alten Siloah seinen Dienst versah. „Alle Telefonnummern sind neu. Die sitzen noch nicht.“ Außerdem hätten fast alle Besucher Fragen, die sie am Empfang loswerden. Ganz anders bewertet Prof. Bernd Schönhofer, Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Intensiv- und Schlafmedizin, die Lage. „Das Haus wird extrem gut angenommen. Unsere Klinik wird viel stärker frequentiert als vorher im Oststadtkrankenhaus“, sagt der ehemalige Leiter des 2005 geschlossenen Heidehauses, für den es bereits der zweite Klinikumzug ist. „Die Chance, in solch einen Neubau zu ziehen, hat man nur einmal. Aber dabei muss jeder einzelne Mitarbeiter mitgenommen werden“, sagt er optimistisch. Die Teams aus zwei Krankenhäusern müssten sich hier neu zusammenfinden.

Lange Schlagen beim Einlass - das kennt man eigentlich nicht von einem Krankenhaus, das Menschen nach Möglichkeit meiden, wenn sie nicht gerade dort arbeiten. Am Sonnabend war das anders.

„Die Arbeitseffizienz ist längst noch nicht da, wo sie sein sollte“, sagt Prof. Moesta. In drei Monaten, so seine Hoffnung, soll sie 85 Prozent erreicht haben. Auch die Operationen dauerten länger, als das vorher in Simulationen von externen Sachverständigen berechnet worden sei. „Das ist ein hoch anspruchsvolles System, aus dem können wir nicht einfach aussteigen.“ Aus Gesprächen mit Kollegen aus Hildesheim und Minden, die vor einigen Jahren in Klinikneubauten umgezogen sind, weiß er, dass es dauert, bis sich alles eingespielt hat. Bis zu einem Jahr.

Großburgwedel beschließt Resolution

Gemeinsam gegen Klinikschließung: Der Rat der Stadt Burgwedel hat am Montagabend mit den Stimmen aller Mitglieder „ein starkes Signal“ für den Erhalt des Krankenhauses in Großburgwedel einschließlich seiner Geburtshilfeabteilung gesetzt. Die Sprecher aller sechs im Rat vertretenen Gruppen und Parteien unterzeichneten eine Resolution unter dem Applaus zahlreicher Zuschauer noch im Ratssaal. In dem Papier wird unter anderem gefordert, dass der Umstand Berücksichtigung findet, dass in den Kliniken Großburgwedel und Lehrte schwarze Zahlen geschrieben werden. Die Sorge des höchsten politischen Gremiums der Stadt gilt insbesondere alten Menschen und werden Müttern, für die weitere Wege besondere Härten bedeuten würden. Rainer Fredermann, CDU- Abgeordneter der Regionsversammlung, forderte SPD und Grüne auf: „Setzen Sie sich auch in der Regionsversammlung für den Erhalt des Klinikums ein. Es liegt auch an Ihnen, ob es das Krankenhaus Großburgwedel dauerhaft geben wird.“ Der Rat der Stadt Lehrte stimmt heute Abend über einen rot-grünen Resolutionsentwurf „zur Erhaltung und Weiterentwicklung des Lehrter Krankenhauses“ ab. Neben einem klaren Nein zu der in der „Medizinstrategie 2020“ geplanten Schließung des Lehrter Klinikums erwarten SPD und Grüne von KRH-Aufsichtsrat und -Geschäftsführung ein Alternativszenario, in dem die Stärkung des Krankenhauses in der größten Ostkreiskommune untersucht wird. mal

Aus der Stadt Zweifel an Glaubwürdigkeit der Stieftochter - Harun Ö. aus Mangel an Beweisen freigesprochen
20.10.2014
Michael Zgoll 20.10.2014
Aus der Stadt Verkehrschaos in Hannover - Eine Stadt steckt im Stau
Andreas Schinkel 20.10.2014