Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Kneipenfußball in Gefahr
Hannover Aus der Stadt Kneipenfußball in Gefahr
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:14 02.07.2013
Von Bernd Haase
„Viele können sich das nicht leisten“: Wirt Bernd Rodewald ist sauer. Quelle: Tobias Kleinschmidt
Anzeige
Hannover

Hannoversche Gastwirte, die in ihren Kneipen Spiele der Fußball-Bundesliga live im Fernsehen zeigen, machen Front gegen Sky. Der Bezahlsender, der bis 2017 ein Monopol auf die Übertragungsrechte hält, legt seinen Kunden aus der Gastronomie ein neues Tarifmodell vor. „Wir sollen doppelt so viel zahlen wie bisher, und viele können sich das nicht leisten“, sagt Bernd Rodewald, Besitzer des Pubs „Shakespeare“ in der Innenstadt und Initiator des Protests. Er müsste künftig 5600 Euro pro Saison überweisen, bisher sind es 2700 Euro.

Nach Angaben einer Sprecherin hat Sky, das zum Medienimperium von Rupert Murdoch gehört und rote Zahlen schreibt, in die Preiskalkulation neben gewohnten Kriterien wie Kneipengröße auch regionale Besonderheiten einfließen lassen. „In sportaffinen Gebieten mit großer Bevölkerungsdichte und hoher Kaufkraft steigen die Preise, in anderen Gegenden sinken sie“, erklärt sie. Sky wolle seine Zielgruppe erweitern und wachsen. Hannover gehört zu den Regionen, in denen die Kriterien die Preise anschwellen lassen.

Anzeige

Fußball-Liveübertragungen sind für viele Kneipen ein Umsatztreiber. Das Tarifmodell von Sky hat deshalb auch schon in anderen Ecken Deutschlands Proteste hervorgerufen und den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) auf den Plan gerufen. „Wir haben versucht, mit dem Sender einen Rahmenvertrag abzuschließen und dafür Rabatte auszuhandeln. Das ist aber gescheitert“, berichtet Kirsten Jordan, Geschäftsführerin des Bezirksverbandes Hannover. Nun seien dem Dehoga die Hände gebunden: „Die Wirte müssen selbst entscheiden, wie sie mit der Situation umgehen.“

Wie viele Gastrolizenzen Sky in Stadt und Region Hannover erteilt hat, verrät die Sprecherin nicht; es dürften aber mehrere Dutzend sein. Eine Kündigungswelle durch Kneipenbesitzer sei bisher ausgeblieben. Der von Rodewald inszenierten Protestbewegung gehören nach dessen Angaben bisher ein knappes Dutzend Gaststätten an, darunter neben dem „Shakespeare“ unter anderem der „Irish Pub“ im Zentrum, das „Museumsstübchen“ in der Altstadt sowie die Oststadtkneipen „Spektakel“, „Grotte“ und „Alte Liebe“. Rodewald rechnet mit weiterem Zulauf. „Viele kannten die Pläne noch gar nicht, weil sie erst kürzlich die neuen Vertragsentwürfe bekommen haben“, sagt er. Außerdem seien die Verträge gestalterisch eher wie ein Werbebrief aufgemacht. Er berichtet von Fällen, in denen die neue Lizenzgebühr die Miete übersteigen würde, die Kneipiers an Hausbesitzer zahlen.

Einstweilen wollen die Kneipen noch nicht vom Livefußball lassen, denn in vielen Gaststätten versammeln sich Stammkunden vor den Fernsehern. Sie planen Unterschriftensammlungen bei ihren Gästen und wollen diese zum Sender nach München schicken. Außerdem haben sie eine Facebook-Gruppe zum Thema gegründet. Dass Sky sich davon beeindrucken lässt, ist unwahrscheinlich. „Das Tarifmodell steht“, bekräftigt die Sprecherin.

Bernd Haase 02.07.2013
Kristian Teetz 02.07.2013
Juliane Kaune 02.07.2013
Anzeige