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Aus der Stadt Knigge: Das sollten Mitarbeiter im Arbeitsalltag beachten
Hannover Aus der Stadt Knigge: Das sollten Mitarbeiter im Arbeitsalltag beachten
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00:16 27.01.2018
Seminar „Business Knigge“: Trainerin Sabine Lansing kennt alle Do’s und Dont’s im Berufsalltag.  Quelle: (Alexander Körner)
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Hannover

 “Sie haben jetzt schon entschieden, ob sie mich mögen oder nicht“. Knigge-Coach Sabine Lansing schaut sich im vollen Saal um. Etwa 80 Studenten und Berufsanfänger sitzen im neuem Rathaus auf Einladung der Hochschule für Berufstätige FOM vor der schlanken Frau im dunkelblauen Anzug. „Sie haben mich bereits beim Eintreten im Raum gescannt. Ein Vorgang das nur Sekunden dauert, aber entscheidend für unsere Begegnung heute Abend ist“, sagt die Trainerin. „Erinnere ich Sie an eine Schullehrerin, die Sie nicht mochten, habe ich verloren. Finden Sie, dass ich nicht kompetent genug rüberkomme, auch.“

Und genau da liegt der Clou im Business-Knigge: „Geht es um den ersten Eindruck gibt es Dinge, die nicht gesteuert werden können, wie der Filter mit dem uns andere betrachten – Beispiel: die alte Schullehrerin. Es gibt aber auch Dinge, die wir gezielt steuern können. Dazu zählen das Aussehen, die Kleidung und die Art, mit Kollegen, Kunden oder dem Chef umzugehen“, erklärt die Expertin.

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Treffen im Neuen Rathaus. Quelle: Alexander Körner

Das beginnt schon mit der Körperhaltung. Ein sicherer Stand, eine gewisse Körperspannung und fließende Bewegungen signalisieren dem Gegenüber Souveränität. „Entscheidend ist auch ein freundlicher Gesichtsausdruck. Wem dies nicht sofort gelingt, kann es mit einem inneren Summen versuchen. Da gehen die Mundwinkel automatisch nach oben“, sagt Lansing. Ein weiterer Tipp: Vor dem Spiegel üben. „So sehen Sie, was natürlich wirkt und was eventuell zu viel ist.“

Besonders viel kann bei der Kleidung schiefgehen. „Da machen die Meisten Fehler“, sot der Knigge-Coach. Die Kleidung sollte qualitativ hochwertig, denn sie gibt Hinweis auf die Qualität der eigenen Arbeit, und lieber schlicht als schrill sein. „Bei Frauen gilt: Könnte ich das zu einem Date tragen, sollte ich mich lieber umziehen“, so Lansing. Denn im Berufsalltag käme es auf die fachliche Kompetenz an, und auf die äußeren Reize. Daher seien auch offene Haare etwa bei Meetings Tabu. Tipp: Die Kleidung sollte zur Branche passen. „Bei den Start-Ups oder in Medienberufen ist das sicherlich nicht so streng wie bei Banken oder Versicherungen.“ Und: Vor einem Kundenbesuch anrufen und nachfragen, was kleidertechnisch erlaubt ist.

Beim Kunde oder im Meeting angekommen, eröffnet sich den meisten Berufstätigen ein neues Minenfeld: Die Begrüßung. „Schon beim Hallosagen kann einiges schiefgehen“, sagt die Expertin. Eine angenehme und sympathische Begrüßung habe drei Phasen: Augenkontakt, Lächeln und erst in Gesprächsweite die Vorstellung. Wichtig sei dabei sich nicht nur mit Vorname und Name vorzustellen, sondern auch die Position im Unternehmen oder den Arbeitsauftrag zu nennen. „So weiß der Gesprächspartner mit wem sie es zu tun hat“, erklärt Lansing. Die Hand reicht bei der Begrüßung übrigens immer zuerst der Gastgeber. Und Ladies first ist seit den 68ern ade. Im Arbeitsalltag gelte allein die Hierarchie – heißt: immer zuerst den Chef oder die Chefin begrüßen. Tipp: Sich immer der Branche und der Situation anpassen. „Stehe ich ungünstig zum Chef, dann gebe ich zuerst den die Hand, der sie mir als erstes reicht, oder gehe mit Ladies first“, rät die Expertin. 

Hat man schon einen guten ersten Eindruck gemacht, dann gilt es das Meeting ohne Imageschaden durchzustehen. Das beginnt, so die Expertin, schon beim Smalltalk. „Gute Themen sind das Wetter, Urlaub oder Kultur. Erzählen Sie ruhig vom tollen Theaterstück, das Sie neulich besucht haben“, sagt Lansing. Politik, Religion, Familienstand oder Gesundheit sollten beim Smalltalk allerdings vermieden werden. Da sei das Risiko zu hoch für negative Stimmung zu sorgen. Tipp: „Üben Sie mit dem Kassierer im Supermarkt.“ Geht das Meeting los, sollten peinliche Situationen wie ein klingendes Handy vermieden werden. Grummelt einem der Magen, dann am besten nicht thematisieren. „Entschuldigen sollte man sich nicht. Das stört nur und kostet wertvolle Zeit“, rät die Expertin.

Seit 15 Jahren arbeitet Sabine Lansing als Knigge-Coach. „Mich hat immer die Frage interessiert, warum manche Karrieren sich nicht weiterentwickeln. Das hat viel mit Umgangsformen zu tun“, sagt sie. „Für mich heißt Knigge Sicherheit vermitteln, die Spielregeln erklären. Für die Kunden ist es aber wichtig, sich treu zu bleiben, authentisch zu sein“.  

„Ich habe erst mit meiner Ausbildung begonnen, und fand den Vortrag sehr lehrreich“, sagt Linda Heilmann. Die 20-Jährige hat an diesem Abend gleich eine wichtige Lektion gelernt: „Ich bin die, dessen Handy zwischendurch geklingelt hat. Das passiert mir nicht nochmal.“ 

Von Andrea Brack Peña