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Aus der Stadt Woher stammen diese Knochen?
Hannover Aus der Stadt Woher stammen diese Knochen?
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19:52 14.05.2015
Der Knochenfund wurde der Polizei übergeben. Quelle: Michael Wallmüller
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Hannover

Mitarbeiter eines von den Stadtwerken beauftragten Unternehmens haben bei Bauarbeiten in der Altstadt menschliche Knochen gefunden – aber sie nach Feier­abend achtlos auf einem Erdhaufen liegen lassen. Die Überreste wurden mittlerweile an die Polizei übergeben und sollen in den kommenden Tagen von der Rechtsmedizin untersucht werden. „Hinweise auf ein Verbrechen gibt es bisher nicht“, sagte Polizeisprecherin Tanja Rißland. Vielmehr gehe man davon aus, dass es sich bei den beiden Knochen um einen historischen Fund handle. Dafür spreche auch, dass sich im Bereich der Knochenhauerstraße früher ein Friedhof befand.

Der Vorgang erinnert an die jüngsten Knochenfunde bei Bauarbeiten an der Goseriede. Dort hatte 2012 ein Baggerfahrer historische Gräber des ehemaligen Nikolaifriedhofs freigelegt und den Bodenaushub mitsamt zahlreichen Knochen einfach am Rand der Baustelle aufgehäuft. HAZ-Leser hatten den pietätlosen Umgang bei Wochenendspaziergängen entdeckt, es gab öffentlichen Protest von Historikern und Denkmalfreunden. Später ließ die Stadt die Gebeine nachbestatten.

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Bei Bauarbeiten in der Innenstadt von Hannover sind Knochen entdeckt worden.

Beim neuen Fund am Marstall waren die Bauarbeiter jetzt weniger brachial vorgegangen. Es handelt sich noch nicht um die Arbeiten für die beiden Neubauten, die dort errichtet werden sollen. Der Vorfall ereignete sich bei Kabelarbeiten, die die Stadtwerke dort derzeit ausführen lassen. In der Baugrube an der Ecke zur Knochenhauerstraße waren zwei Mitarbeiter der beauftragten Firma am Mittwoch auf die nach Oberschenkelknochen aussehenden Gebeine gestoßen.

Großen Eindruck machte die Entdeckung bei ihnen aber offenbar nicht, wie Stadtwerkesprecher Carlo Kallen sagt: Der beauftragte Unternehmer habe berichtet, „dass die Mitarbeiter die Knochen zunächst auf die Seite legten und weiterarbeiteten“. Erst am Abend informierte das Unternehmen die Polizei, die daraufhin Beamte des Kriminaldauerdienstes an die Knochenhauerstraße schickte. Sie nahmen die Knochen für weitere Untersuchungen mit.

„So einen Fund machen unsere Mitarbeiter nicht jeden Tag“, begründet Stadtwerkesprecher Kallen das lange Zögern. „In anderen Fällen, wie zum Beispiel dem Fund einer alten Fliegerbombe, haben sie mehr Routine und wissen sofort, was zu tun ist.“ Bei Bauarbeiten, die in einem während des Zweiten Weltkriegs stark bombardierten Gebiet durchgeführt werden, begleite ein Mitglied des Kampfmittelbeseitigungsdienstes den Aushub von Löchern. So soll verhindert werden, dass bei dem Fund eines Blindgängers Menschen zu Schaden kommen.

Seit dem Vorfall vom Nikolaifriedhof 2012 gelten auch für Grabungen in archäologisch wichtigen Gebieten der Altstadt klare Vorschriften. Die beiden Unternehmen, die auf dem Marstall Häuser errichten wollen, müssen sämtliche Tiefbauarbeiten von Fachleuten begleiten lassen. Für Arbeiten an unterirdischen Kabeln gibt es solche Vorschriften offenbar nicht.

Von Jörn Kießler und Conrad von Meding

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