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Aus der Stadt "Sie wussten, das Ihr Kind wohl sterben würde"
Hannover Aus der Stadt "Sie wussten, das Ihr Kind wohl sterben würde"
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00:15 05.03.2017
Von Michael Zgoll
Die Frau hat heimlich ein Kind geboren und es dann in einem Koffer versteckt.  Quelle: dpa
Hannover

Die Kammer verhängte somit eine Strafe, die um ein Jahr höher ausfiel als von der Staatsanwältin gefordert. Auch bewertete das Gericht die Tat der 22-Jährigen anders als die Anklägerin: S. habe den Tod ihrer Tochter nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern ihn wissentlich herbeiführen wollen. „Sie wussten, dass Ihr Kind höchstwahrscheinlich sterben würde“, hielt der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch der Täterin vor.

Laura S. steht wegen versuchten Totschlags vor Gericht, weil sie laut Staatsanwaltschaft den Tod des Babys billigend in Kauf nahm. Ihr Freund hatte Ende September in der Abstellkammer der gemeinsamen Wohnung den Koffer entdeckt. Darin befanden sich ein wenige Tage altes lebendes Mädchen und eine skelettierte Babyleiche. 

Der unterkühlte, verletzte, durchnässte und mit Kot und Plazentaresten verschmierte Säugling, so Rosenbusch, sei in „katastrophalen hygienischen Verhältnissen“ belassen worden, um ihn sterben zu lassen. Die Stillversuche von S. hätten nicht dem Lebenserhalt des Babys gedient, sondern sollten lediglich verhindern, dass es schrie – und damit der nichtsahnende Freund oder der Hund des Paars etwas vom Kind im Koffer mitbekommen hätten. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass das Mädchen zumindest am Tag seiner Entdeckung kopfüber in einem aufrecht stehenden Koffer steckte – eine zusätzlich lebensbedrohliche Situation.

Die Behauptung der Mutter, sie habe sich ihrem Freund später offenbaren wollen, wertete das Gericht als nicht glaubhaft. „Sie hätten mehrfach mit ihrem Freund sprechen können, er war dauernd zu Hause“, sagte Rosenbusch. Laura S. habe dem Neugeborenen keinen Namen gegeben und das unversorgte Kind neben ein totes gelegt – das spreche für sich. Dass die Tochter ohne bleibende körperliche Schäden überlebt habe, so der Richter, sei zwar ein Glück: „Aber was die vier Tage im Koffer bei dem Kind in psychischer Hinsicht bewirkt haben, wird erst die Zukunft zeigen.“

Staatsanwalt hatte fünf Jahre Haft gefordert

Das Gericht gestand der Täterin zu, die Existenz des Babys verschwiegen zu haben, weil sie um die Beziehung zu ihrem Freund bangte. Doch habe sie viele Möglichkeiten gehabt, die Situation anders zu lösen als mit einem Ablegen des Baby im Koffer. „Das war keine spontane Tat, sondern Sie haben sich monatelang damit beschäftigt“, sagte Rosenbusch zu S.

Die 22-Jährige versuchte bei der Urteilsverkündung Haltung zu bewahren, brach aber ab und zu in Tränen aus. Ihre Verteidiger Pascal Ackermann und Matthias Waldraff kündigten an, Revision gegen das Urteil einzulegen. „Die Kammer hat die massive psychische Ausnahmesituation unserer Mandantin überhaupt nicht berücksichtigt“, so der Vorwurf von Waldraff.

In diesem Koffer wurde das Neugeborene entdeckt.  Quelle: dpa

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