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Aus der Stadt Der Altpapierstreit ist nur noch aberwitzig
Hannover Aus der Stadt Der Altpapierstreit ist nur noch aberwitzig
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08:25 02.12.2017
Der Streit um die Altpapiersammlung geht weiter. Quelle: Archiv
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Hannover

 Die Kundenzufriedenheit steht für Aha im Vordergrund.“ Es ist genau zwei Monate her, dass der Geschäftsführer des Abfallwirtschaftsbetriebs Aha, Thomas Schwarz, diesen Satz sagte. Rückblickend ist davon beim Thema Altpapier nicht sehr viel übrig geblieben. Denn es läuft derzeit nicht. 

Erst wird bekannt, dass Aha für die Plastiksäcke für Altpapier ab dem 1. Januar eine Gebühr von 5  Cent pro Stück einführt. Dann teilt das Unternehmen mit, dass die Müllwerker nur in Kartons gepackte Zeitungen nicht mehr mitnehmen, der Sack wird Pflicht. Ein paar Tage später startet das Unternehmen die unglückliche Werbekampagne zugunsten der Altpapiertonne unter dem Motto „Sackgesichter“ und beschimpft damit einen Teil seiner Kunden. Und jetzt lassen die Müllwerker oft auch noch die großen Kartons liegen, die nicht in die Tonnen und erst recht nicht in die kleinen Säcke passen. Derweil gleicht es einem Glücksspiel, in Hannover neue Säcke zu bekommen. 

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Dazu kommt die Situation in den Straßen. Nasse, vor sich hingammelnde Kartons an vielen Ecken sind die Folge. Und keiner fühlt sich für die Abfuhr zuständig, weder die Stadtreinigung noch Aha. Dort zuckt man mit den Achseln und verweist auf die Kunden. Diese hätten die Kartons an den Straßenrand gestellt und müssten diese deshalb auch wegräumen. 

Die ganze Situation ist reichlich paradox. Aha will gern die Plastiksäcke komplett loswerden – unter anderem, weil es jedes Jahr 1,5 Millionen Euro kostet, die Plastiksäcke aus dem Altpapier wieder herauszufischen. Dennoch zwingt das Unternehmen jeden, der keine Tonne haben will, sein Papier in einen umweltschädlichen Plastiksack zu packen, statt große Teile einfach lose mitzunehmen. 

Dahinter stecken zwei Gründe: Zum einen will Aha die Bürger zur Nutzung von Tonnen überreden. Zum anderen möchte das Unternehmen den Druck auf die Landeshauptstadt erhöhen, die Altpapiercontainer wieder umsonst aufzustellen zu dürfen. Vor rund zwei Jahren hatte es diese abbauen müssen, weil die Stadt am Altpapier mitverdienen wollte. Doch bisher bleibt die Stadt hart.

Es könnte ein Test von Aha sein, wer die besseren Nerven hat und länger durchhält im Spiel um nasse Pappreste am Straßenrand:  Aha, die Stadtverwaltung oder die genervten Anwohner. Die Verlierer stehen jetzt schon fest: Es sind die Bürger. Denn die müssen die zusätzliche Entsorgung auf jeden Fall bezahlen, entweder aus den Müllgebühren oder aus der steuerfinanzierten Stadtkasse. 

Dieser Streit auf Kosten der Hannoveraner muss endlich ein Ende haben. Denn wenn in den Wohnquartieren wieder Altpapiercontainer stünden, bräuchten die Bürger weniger Säcke und würden auch große Kartons besser los. Aha und die Stadt müssen über die Probleme reden und geräuschlos zu einem Ergebnis kommen. Diesen Streit auf dem Rücken der Bürger auszutragen ist aberwitzig. Beim Altpapier handeln weder Aha noch die Stadt kundenfreundlich. Das muss sich dringend ändern. 

Von Mathias Klein

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