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Aus der Stadt Zeit für etwas Neues
Hannover Aus der Stadt Zeit für etwas Neues
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00:16 27.01.2015
Das marode Bauamt neben dem Neuen Rathaus hat keine Zukunft, meint HAZ-Lokalchef Felix Harbart. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Das hannoversche Bauamt, so kaputt wie es ist, ist ein Denkmal. Wenn man fragt, warum das so ist, lernt man, dass der Stil des 50er-Jahre-Baus „betont nüchtern und unpathetisch“ sei. Betont nüchtern und unpathetisch sind die heutigen Bürobauten auch. Und doch kann man nur hoffen, dass das die Hannoveraner im Jahr 2080 nicht davon abhält, sie abzureißen, wenn die Fassade bröckelt und die Fußböden durchgetreten sind. Dann nämlich ist es Zeit für etwas Neues. So wie jetzt beim hannoverschen Bauamt.

Ein denkmalgeschütztes Gebäude abzureißen ist eine komplizierte Sache – und das ist auch gut so. Privatleuten ist das nur gestattet, wenn sie nachweisen können, dass ein Erhalt sie finanziell überfordern würde. Die öffentliche Hand kann diese Karte nicht ziehen. Der Gedanke dahinter: Wenn es sich jemand leisten kann, historische Gebäude zu erhalten, dann der Staat. Und wo kämen wir auch hin, wenn dieser ein Haus nur so lange verrotten lassen müsste, bis eine Sanierung finanziell untragbar wäre? Dann bräuchte man keinen Denkmalschutz mehr.

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Auf der anderen Seite sprechen die Zahlen in diesem Fall eine deutliche Sprache: Erste Gutachten veranschlagen die Kosten einer Komplettsanierung des Bauamtsgebäudes auf bis zu 45 Millionen Euro. Dass eine tatsächliche Schlussrechnung am Ende deutlich darüber liegen würde, ist keine allzu gewagte Prognose. Für Beträge dieser Größenordnung bekäme man, nur so zum Vergleich, ein neues Fußballstadion oder die Sanierung sämtlicher Schwimmbäder oder einen Landtagsneubau, der am Ende nie entstand, weil er den Menschen im Lande zu teuer war. Natürlich heißt es, Äpfel mit Birnen zu vergleichen, wenn man all das gegeneinander hält. Aber man kann es dennoch mal sacken lassen.

Stadt ließ Bauamt lange vergammeln

Leider hat die Stadt genau das getan, was das Gesetz eigentlich verhindern soll: Sie hat das Bauamt so lange vergammeln lassen, bis die Sanierungskosten eine absurde Höhe erreicht hatten. Warum? Wer weiß. Aber am Ende tut das auch nichts zur Sache. Der Bau gehört abgerissen. Betont nüchtern.

Nun ist es ja nicht so, dass die Denkmalschutzgesetze nicht kleine Hintertürchen offen ließen. Zum Beispiel kann man den Abriss eines geschützten Gebäudes mit überwiegendem öffentlichen Interesse rechtfertigen. Das zu tun hatte das Land Niedersachsen vor, als es vor knapp fünf Jahren den Landtag abreißen und durch einen Neubau ersetzen wollte. Das Argument: Die Volksvertretung brauche einen Tagungsort, der ihrer würdig sei. Nun stellen finanzielle Engpässe nach dem Gesetz eben gerade kein öffentliches Interesse dar. Aber vielleicht gibt es ja ein öffentliches Interesse an einem Verwaltungsgebäude, das Passanten nicht durch herabfallende Teile gefährdet. Zumal die Funktionsfähigkeit eines Behördenbaus gegeben sein muss.

Es gibt noch eine weitere Möglichkeit, einen Abriss zu rechtfertigen: die städtebauliche Notwendigkeit. Man müsste also nachweisen, dass der Bau etwas anderem, besserem, notwendigem im Weg steht. Da wiederum könnte die Stunde der Stadtplaner schlagen – im Bauamt.

Und weil wir in Deutschland sind, ist der Behördenweg klar: Der Eigentümer beantragt einen Abriss bei der Unteren Denkmalschutzbehörde. Heißt: Die Stadt kann ihn beantragen – bei der Stadt. Vielleicht versucht sie es mal.     

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