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Aus der Stadt Kommt das Allsehende Auge rechtzeitig?
Hannover Aus der Stadt Kommt das Allsehende Auge rechtzeitig?
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00:15 13.01.2016
Von Conrad von Meding
Foto: Heute und damals: In der alten Abbildung des Rathausportals (siehe Text) ist das Allsehende Auge (oben mittig) gut zu erkennen.
Heute und damals: In der alten Abbildung des Rathausportals (siehe Text) ist das Allsehende Auge (oben mittig) gut zu erkennen. Quelle: Surrey
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Hannover

Den Nazis galt das „Allsehende Auge Gottes“ als verhasstes Freimaurersymbol im kunstvoll geschmiedeten Portal des Neuen Rathauses. Die Hitler-Jugend entfernte die Kupferskulptur und ließ sie im Anti-Freimaurer-Museum in der Herrenstraße ausstellen, wo sie in den Bombennächten von 1943 verschwand. Heute sind Hannovers Freimaurer zuversichtlich, dass das Symbol als Replikat wieder zurückkehrt: Im nächsten Jahr feiert die Weltfreimaurerei ihren 300. Geburtstag - und die zentrale Veranstaltung der Deutschen Logen wird in Hannover steigen. „Wir hoffen, dass die Stadt bis dahin das Symbol wieder am Rathaus montieren lässt“, sagt Siegfried Schildmacher, Vorsitzender der Loge Friedrich zum weißen Pferde.

Hannover gilt als Hochburg der Freimaurerei. Zwölf Logen mit mehr als 600 Mitgliedern sind registriert, darunter zwei Frauenlogen. Auch wenn die Freimaurer heute mit öffentlichen Aktionen für ihre weltoffene Anschauung werben, umgibt noch immer der Zauber des geheimnisvollen die Freimaurerei. Sie sehen sich in der Tradition mittelalterlicher Handwerkerverbünde, die sich über Ländergrenzen miteinander verständigten und geheimes Wissen weitergaben - zum Ärger von Regierenden und Kirche. 1717 schlossen sich in London vier Freimaurerlogen zur ersten Großloge zusammen. Das Datum gilt als Beginn der modernen Freimaurerei und wird im kommenden Jahr mit einem zentralen deutschen Festakt am 1. September im Sprengel-Museum gefeiert. Ausrichter sind die Vereinigten Großlogen von Deutschland, das Motto ist „300 Jahre Freimaurer - Menschlichkeit weltweit“.

„Wir sind stolz, dass Hannover den Zuschlag bekommen hat - aber wir hoffen nun auch, dass dann auch das Allsehende Auge wieder am Rathaus zu sehen ist“, sagt Schildmacher. Es sei damit zu rechnen, dass Vertreter der fünf deutschen Großlogen sich ins Goldene Buch im Rathaus eintrügen - sie müssten dann durch ein Portal gehen, an dem ein Freimaurersymbol mutwillig entfernt wurde. Schildmacher findet, die Stadt habe ohnehin ein Stück weit „eine Bringschuld, weil sie das Abmontieren 1937 durch die Hitler-Jugend stillschweigend geduldet und die Sachbeschädigung nicht verfolgt hat“.

Im Rathaus gibt es mehrere Freimaurersymbole, unter anderem Winkelmaß und Zirkel an den Säulen der großen Halle. Kein Wunder: Architekt Gustav Friedrich Halmhuber, der 1909 den Rathausarchitekten Hermann Eggerts ablöste, war selbst Logenmitglied.

Ob allerdings das Allsehende Auge im schmiedeeisernen Portal des Prunkbaus wirklich ein Freimaurersymbol ist, dazu wollte die Stadt sich zuletzt nicht festlegen - das Zeichen habe „durchaus auch in anderen Zusammenhängen Verwendung gefunden“. Die 464-seitige Festschrift zum 100. Rathausgebutstag, die 2013 erschienen ist, würdigt das verschwundene Symbol keines Wortes. 2014 hatten Denkmal- und Bauverwaltung sowie Stadtarchiv zugesagt, Erkundungen einzuholen. Die aber hatten keinen Erfolg.

Schildmacher hält es für denkbar, die genauen Maße der Kupferskulptur anhand vorhandener Fotos zu ermitteln und dann bei einem Künstler eine Rekonstruktion in Auftrag zu geben. Auf einen Brief, den er im Oktober an das Baudezernat geschickt hat, hat er allerdings noch keine Antwort erhalten. Aus seiner Sicht allerdings ist es „unstrittig, dass die Stadt hier tätig werden muss“.Das Entfernen des Objekts sei widerrechtlich geschehen. Überdies habe Hannovers Freimaurerschaft unter den Nazis schwer gelitten, als das gesamte Vermögen samt Logenhäusern eingezogen wurde und Freimaurer in Konzentrationslagern gefoltert und ermordet wurden. Schildmacher hält den Zeitpunkt für eine Wiedergutmachung für gekommen: „Die mehr als 600 Freimaurer in Hannover würden sich freuen, wenn die Stadt als Geste zum Jahr 2017 das Allsehende Auge wieder montieren ließe.“

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