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Aus der Stadt Polizei nimmt Fernbusse ins Visier
Hannover Aus der Stadt Polizei nimmt Fernbusse ins Visier
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00:15 24.03.2014
Von Jörn Kießler
ZOB, Bus Kontrolle Quelle: Uwe Dillenberg
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Hannover

Zunächst wirkt das Vorgehen der Polizei wie die Arbeit von Mechanikern bei der Formel 1. Kaum steht ein Fahrzeug, stürzen sich die Beamten auf ihre Aufgaben: Einer kümmert sich um den Fahrer, ein anderer wertet elektronische Daten aus, und ein dritter macht sich am Fahrzeug zu schaffen. Allerdings ging es bei der gestrigen Großkontrolle am ZOB nicht darum, Rennboliden schneller zu machen, sondern Fernbusse sicherer.

Mit 14 Mitarbeitern hat der Zentrale Verkehrsdienst (ZVD) bereits die zweite Kontrolle von Fernbussen in diesem Jahr durchgeführt. „Nachdem es im vergangenen Jahr eine Vielzahl von Verstößen gab, haben wir beschlossen, die Kontrollen zu verstärken“, sagt Hauptkommissar Frank Zapf, Leiter der Abteilung für spezialisierte Verkehrskontrollen. Und auch diesmal wurden die Beamten fündig. An 14 der 21 Busse, die die Beamten zwischen 9.45 und 14.30 Uhr überprüften, stellten sie insgesamt 104 Verstöße fest. 99 davon an Bussen, die auf innerdeutschen Fernreiselinien verkehren. Allein zwei Busse eines Unternehmens zeichneten für mehr als die Hälfte der Vergehen verantwortlich. Die beiden Busse wurden über einen längeren Zeitraum ohne die erforderliche Fahrerkarte bewegt.

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Der Hauptgrund für die vielen Verstöße gerade im Bereich der Lenk- und Ruhezeiten ist der Preiskampf, den die Anbieter der nationalen Fernreisen untereinander ausfechten. Seit Anfang 2013 das Fernreisemonopol der Bahn gefallen ist, bieten Busunternehmen Alternativen zu Zugreisen an. Um sich gegenseitig unterbieten zu können, wird gespart. Leidtragende sind am Ende die Fahrer, die länger am Steuer sitzen als erlaubt oder ihre Ruhezeiten nicht einhalten.

„In unseren Fahrplänen sind Verzögerungen mit eingerechnet“, sagt dagegen Frank Kruschunna. „Ich muss mich also nicht hetzen und auch keine Pausen ausfallen lassen.“ Der 50-Jährige steuert den ADAC Postbus, der um 12.30 Uhr den ZOB Richtung Berlin verlassen soll. Seine Abfahrt verzögert sich um ein paar Minuten, denn bevor er seinen Dienst beginnen kann, kontrolliert der ZVD seine digitale Fahrtenkarte samt Papieren. Oberkommissar Christian Donth lässt sich den Erste-Hilfe-Kasten und den Feuerlöscher zeigen, während sein Kollege Hauptkommissar Jörg Bielefeld den Bus auf technische Mängel prüft. „Trotzdem hoffe ich, dass es nicht zu spät wird“, sagt Kruschunna, den die regelmäßigen Kontrollen nicht stören. „Wenn man weiß, was teilweise auf den Autobahnen unterwegs ist, dann kann man solche Prüfungen nur gutheißen.“

Als Kruschunna am Nachmittag bereits Braunschweig passiert hat, geht den Fahndern in Hannover ein solcher Bus ins Netz. Die zwei Fahrer eines polnischen Anbieters haben weder die geforderte Genehmigung, um mit ihrem Bus Haltestellen in Deutschland anzufahren, noch haben sie ihre Lenkzeiten eingehalten. Die Beamten nehmen ihnen eine Sicherheitsleistung von 2600 Euro ab.

Bereits kurz nach dem Start der Kontrolle untersagten die Polizisten zwei bosnischen Fahrern die Weiterfahrt nach Hamburg. Sie hatten statt der vorgeschriebenen neun Stunden Pause nur sechs innerhalb der letzten 30 Stunden gemacht. „Jetzt müssen sie bis 18 Uhr hier in Hannover stehen bleiben und ein Bußgeld von 115 Euro pro Fahrer bezahlen“, so Zapf.

Weit seltener als Verstöße gegen Lenk- und Ruhezeiten ahnden die Beamten Mängel an den Bussen. Wirklich Gravierendes ist diesmal nicht dabei. „Der Fahrer hat Glück, dass der Riss nicht durch beide Verbundschichten geht“, sagt Hauptkommissar Jörg Bielefeld und zeigt auf den 40 Zentimeter langen Sprung in der Windschutzscheibe eines Wagens. „Dann wäre hier Endstation gewesen.“ Stellen die Beamten sicherheitsrelevante Mängel fest, wird der Bus von der Polizei direkt in eine Werkstatt geleitet. „Solche Mängel, aber auch Verstöße gegen die Lenk- und Ruhezeiten, leiten wir an das Gewerbeaufsichtsamt weiter, das dann ein Bußgeld für die Betreiberfirma verhängt“, sagt Zapf. Das kann soweit gehen, dass die Behörde bei Unternehmen eine Betriebsprüfung durchführt. Oft trifft es dabei nur die kleineren Firmen, die im Auftrag der fünf großen deutschen Fernbusunternehmen fahren. „Letztlich ist der Disponent, also die Firma, die die Fahrten durchführt, für die Fahrer und den Zustand der Wagen verantwortlich“, sagt Zapf etwas desillusioniert.

Dennoch scheinen die Kontrollen auch bei kleinen Unternehmen zu fruchten. „Wir haben heute einen Busfahrer kontrolliert, der uns beim letzten Mal in genau demselben Bus ins Netz gegangen war“, sagt Zapf. Bei der Prüfung Ende Januar stellten die Polizisten fest, dass er seine Fahrerkarte vorsätzlich manipuliert hatte. „Das war nicht nur ein Verstoß, das ging in den Bereich der Straftat“, sagt Zapf. Das ZVD leitete daraufhin ein Ermittlungsverfahren ein. Aus der heutigen Kontrolle ging der Mann aus Süddeutschland ohne jede Beanstandung hervor.

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