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Aus der Stadt Kostbare Pergamente lagern in Wolfenbüttel
Hannover Aus der Stadt Kostbare Pergamente lagern in Wolfenbüttel
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21:14 09.05.2010
Von Andreas Schinkel
Unikat: Die Handschrift stammt aus dem 15. Jahrhundert und kommentiert die Rechtsvorschriften Justinians aus dem 6. Jahrhundert.
Unikat: Die Handschrift stammt aus dem 15. Jahrhundert und kommentiert die Rechtsvorschriften Justinians aus dem 6. Jahrhundert. Quelle: Handout
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Ein entsprechender Vertrag zwischen Hannover und Wolfenbüttel ist jetzt auf unbestimmte Zeit verlängert worden, wie die Leiterin der hannoverschen Stadtbibliothek, Carola Schelle-Wolff, dem Kulturausschuss kürzlich mitteilte. Bereits seit 1987 sind die Pergamente in Wolfenbüttel untergebracht.

„Die Handschriften sind der größte Schatz, den die Stadtbibliothek besitzt“, sagt Schelle-Wolff. Leider gebe es im Hauptgebäude an der Hildesheimer Straße weder einen Raum mit den nötigen Temperatur- und Luftbedingungen noch geeignetes Personal, das auf solche Sammlungen spezialisiert ist.

Dabei hatte die Stadt 2003 rund sechs Millionen Euro in die Erweiterung und Neugestaltung des Hauses an der Hildesheimer Straße investiert. Ein großzügiger Lichthof wurde damals gebaut, elegante Freitreppen eingezogen und eine kleine Cafeteria eingerichtet. Doch aus Kostengründen, so sagt Schelle-Wolff, habe man damals auf einen speziellen Raum für den Bibliotheksschatz verzichtet.

In der Tat ist die Lagerung historischer Pergamente sehr aufwendig. Die wertvollen Schriften müssen in einem Tresor aufbewahrt werden, dessen Alarmanlage direkt mit Polizei und Feuerwehr verbunden ist. Zudem muss eine Klimaanlage die Raumtemperatur bei 18 Grad Celsius, die Luftfeuchtigkeit bei 50 Prozent konstant halten.

So gab sich die Stadt nach dem Umbau der Bibliothek damit zufrieden, dass ihre mittelalterlichen Handschriften weiterhin in Wolfenbüttel aufbewahrt werden. 1987 hatte man die Pergamente im Rahmen eines Forschungsprojekts zur Herzog-August-Bibliothek geschickt, damit sie wissenschaftlich erfasst und katalogisiert werden. „Bei uns ist die Sammlung in guten Händen, schließlich sind wir das wichtigste Handschriftenzentrum in Norddeutschland“, sagt Helwig Schmidt-Glintzer, Leiter der Herzog-August-Bibliothek. Zwar vertraut Schelle-Wolff ihren Kollegen in Wolfenbüttel, doch ein bisschen Wehmut schwingt mit, wenn sie sagt, dass „Dinge, die der Stadtbibliothek gehören, eigentlich auch hier in Hannover gezeigt werden müssten“.

Unverhoffte Hilfe kommt jetzt von der Leibniz-Bibliothek am Schützenplatz. „Für 60 Handschriften haben wir durchaus noch Platz“, sagt Bibliotheksdirektor Georg Ruppelt. In klimatisierten Tresoren lagert die Leibniz-Bibliothek schon jetzt Tausende Handschriften, unter anderem vom Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz. Derzeit wird die Bibliothek für einen Millionenbetrag aus dem Konjunkturprogramm des Landes erweitert und saniert. „Nach den Bauarbeiten, also ab 2012, könnten wir die Handschriften der Stadtbibliothek sogar in speziellen Vitrinen den Besuchern präsentieren“, sagt Ruppelt. Und den größten Schatz der Stadtbibliothek zusammen mit den Leibniz-Briefen auszustellen, das habe doch Charme.