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Aus der Stadt Kraftklub-Konzert wegen Brand unterbrochen
Hannover Aus der Stadt Kraftklub-Konzert wegen Brand unterbrochen
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19:23 03.03.2015
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Hannover

Mitten im ersten Song legt Kraftklub plötzlich die Instrumente weg und verlässt eilig und wortlos die Bühne. Die Fans sehen sich ratlos an. Gehört das zur Show? Sind die 5000 Menschen in der ausverkauften Swiss-Life-Hall etwa zu leise für die Vorzeigeband aus Chemnitz?

Fünf Minuten vergehen, dann kommt Sänger Felix Kummer zurück auf die Bühne und erklärt, dass ein Lautsprecher über der Band Feuer gefangen hatte. Ein kurzes Bühnenfeuerwerk zu Beginn der Show war, wie sich später herausstellt, der Grund für den Schreck. Während die Techniker hoch über den Köpfen der Fans den Schaden beheben, schlägt Sänger Kummer vor, die Fans sollten sich doch untereinander mal näher kennenlernen, bis die schnelle Eingreiftruppe die Bühne wieder freigibt. „Guckt mal rechts und links von euch, da stehen lauter nette Menschen.“ Und nach einer Viertelstunde geht es auch schon weiter.     

Ein Techniker repariert den kaputten Scheinwerfer. Quelle: Morchner

 

Knapp fünf Jahre ist es her, da spielte Kraftklub vor etwa 400 Menschen im Musikzentrum. In der Halle ist an diesem Abend kaum jemand dabei, der sich daran erinnert. Bei der wilden Party im Capitol zum Durchbruchsalbum „Mit K“ 
dagegen waren deutlich mehr Fans dabei. Zahlreiche Arme gehen hoch, als Felix Kummer jetzt danach fragt. Damals, vor zweieinhalb Jahren, waren die 1600 Karten für das Konzert Monate vorher ausverkauft. Dieses Mal dauerte es etwas länger, doch letztlich waren auch alle 5000 Karten für das Konzert zum neuen Album „In Schwarz“ weg. Kraftklub ist Kommerz, der ehemalige Geheimtipp bekommt demnächst sogar eine eigene Radiosendung im Jugendprogramm eines Berliner Senders. Nicht jeder Fan findet das gut. Die Band hat für den Erfolg ihre Seele verkauft, ist ein häufiger Vorwurf. Die 13 Songs auf dem neuen Album beweisen allerdings, dass das nicht stimmt.

Vor 5000 Fans gab die Chemnitzer Band Kraftklub ein Konzert in der Swiss Life Hall.

Schon im Hit „Songs für Liam“ lästerte Kummer über die Arctic Monkeys und die Black Eyed Peas, diesmal geht es gegen Beyoncé und Frida Gold. Deren neue Platte sei nicht mal okay, wenn man frisch verliebt ist, heißt es in „Alles wegen dir“.

Wichtiger ist jedoch, dass sich zwischen „Mit K“ und „In Schwarz“ der Stil nicht groß verändert hat. Es geht immer noch um ein Leben zwischen Facebook, Generationenkonflikt und vier kahlen Wänden in der anonymen Großstadt. Zwischen den Zeilen steckt der gleiche Wortwitz, untermalt von den bewährten krachenden E-Bass-Sounds, und vorgetragen von Felix Kummers nicht gerade melodiegewandter Stimme. Die alten Songs lassen sich beim Konzert nur dadurch von den neuen Stücken unterscheiden, weil die Fans bei ihnen textsicherer sind. Zu „Schüsse in die Luft“, der aktuellen Single, ist der Chor deutlich leiser als zum Hit „Ich will nicht nach Berlin“.

Die Band gibt sich Mühe, in der großen Halle Nähe zu den Fans herzustellen. Alle fünf Musiker stürzen sich zum „Wettcrowdsurfing“ in die Menge und lassen sich auf Händen zurück zur Bühne tragen. Dann borgt sich Sänger Kummer das Handy eines Mädchens aus der ersten Reihe und ruft deren daheimgebliebene Freundin an. Als die Mailbox anspringt, spricht er ihr ein paar Sätze drauf und lässt die Menge johlen. Kraftklub begeistert die Massen. Aber nicht, weil die Band sich ihnen anpasst. Sondern weil sie mit ihrem Konzept einen Nerv der jungen Generation getroffen hat.     

Isabell Christian

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