Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Krankhafte Tierhortung nimmt in der Region Hannover zu
Hannover Aus der Stadt Krankhafte Tierhortung nimmt in der Region Hannover zu
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:13 15.09.2011
Von Veronika Thomas
Foto: Im Burgdorfer Tierheim warten fast 70 Katzen auf ein neues Zuhause.
Im Burgdorfer Tierheim warten fast 70 Katzen auf ein neues Zuhause. Quelle: Szameitat
Anzeige
Burgdorf

Für 69 Katzen wird ein neues Zuhause gesucht. Wenn ein Tierheim wie das Burgdorfer wenige Wochen nach den Sommerferien nach neuen Besitzern für seine Schützlinge sucht, ist das nichts Ungewöhnliches. Aber diese Tiere wurden vor zwei Wochen bei einer Hausdurchsuchung in Burgdorf beschlagnahmt – vom Fachdienst Verbraucherschutz und Veterinärwesen der Region Hannover. Nachbarn waren auf die Zustände in dem Einfamilienhaus aufmerksam geworden. Fachleute sprechen in solch einem Fall von „Animal Hoarding“, was mit der Sucht, Tiere zu sammeln, übersetzt werden kann – eine psychische Störung, über die noch wenig bekannt ist.

„Die Fälle nehmen seit etwa zehn Jahren zu“, sagt der Tierarzt Michael Schimanski, Leiter des Teams Veterinärwesen der Region Hannover. Die Behörde rückt im Durchschnitt fünfmal im Jahr zu einem Fall von „Animal Hoarding“ aus, um Tiere zu beschlagnahmen. Sie sind häufig unterernährt, krank, verwahrlost und unkastriert, sodass sie sich unkontrolliert vermehren können. 2005 musste das Veterinäramt in Hemmingen einschreiten, weil ein Mann 128 Kaninchen, sieben Igel und zwei Hamster in einer Garage übereinander gestapelt hatte. Aus anderen Bundesländern sind viele weitere Fälle bekannt, Ende 2008 beschlagnahmten Tierärzte in Berlin 1728 Vögel, die ein Mann frei in einer 63 Quadratmeter großen Wohnung gehalten hatte.

Wenn dem Herrchen die Tierhaltung über den Kopf wächst

Der Halterin aus Burgdorf, die insgesamt 75 Tiere gehalten hatte, drohen jetzt eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und möglicherweise auch ein Tierhaltungsverbot. „Es müssen nicht immer so viele Tiere sein wie im Hemminger oder Burgdorfer Fall, um von ‚Animal Hoarding‘ zu sprechen“, unterstreicht Schimanski. Manchmal reichten schon fünf Katzen, die einen Halter überforderten. Nicht immer würden die Tiere vorsätzlich gesammelt, sondern vielen sei die Tierhaltung schlicht entglitten.

Der Deutsche Tierschutzbund spricht bereits von Tierhortung, wenn mehr Tiere gehalten werden, als in Deutschland im Durchschnitt üblich sind: mehr als drei Hunde, drei bis vier Katzen oder fünf Nager, denen aufgrund der vorhandenen Räumlichkeiten nicht einmal minimale Haltungsbedingungen geboten werden könnten. Als weiteren Faktor nennen die Tierschützer die mangelnde Einsicht der Halter, ihren Tierbestand reduzieren zu müssen.

Die 69 Katzen sind inzwischen entwurmt, geimpft, kastriert und können an verantwortungsvolle Halter vermittelt werden. Weitere Informationen gibt das Tierheim Burgdorf, Telefon (0 51 36) 35 45.

Mathias Klein 15.09.2011
Bernd Haase 14.09.2011