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Aus der Stadt Kreativ, synchron und schnell: Hip-Hop-Elite tanzt in Hannover
Hannover Aus der Stadt Kreativ, synchron und schnell: Hip-Hop-Elite tanzt in Hannover
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10:23 16.05.2010
Marc Sanchez und Adriana Blagniceanu (v.l.) aus Osnabrück tanzen während der Deutschen Hip-Hop-Meisterschaft in Hannover. Quelle: dpa
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Jede Bewegung zu den dröhnenden, rhythmischen Klängen sitzt, die Choreografie ist genau einstudiert. Die Schritte und Drehungen sind unglaublich schnell, die Show dauert nur eine Minute. Rund 2300 Tänzer haben sich am Wochenende zur Deutschen Hip-Hop-Meisterschaft in Hannover getroffen. Die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen aus ganz Deutschland kämpften zwei Tage lang in verschiedenen Kategorien um die begehrten Meistertitel. Etwa 4000 Zuschauer jubelten den Tänzern in der AWD Hall zu. Die Sportler zeigten Kreativität, Akrobatik und faszinierende Performances.

Gerade mal sechs Jahre alt sind die Jüngsten bei den Kinderformationen. Die Mütter der Nachwuchstänzer sind meist genauso nervös wie die Kleinen, drängeln sich um die Tanzfläche, beobachten jede Bewegung. „Ich habe voll das Bauchkribbeln gehabt“, sagt Despina nach ihrem Auftritt. Die Elfjährige gehört zu den „Gregoris“ aus Hemmingen, die Formation holte sich den Vizemeister-Titel. Auch die Jüngste in der Truppe, die achtjährige Mandy, war „ganz doll aufgeregt“. Doch nun ist alles gut, nach dem Erfolg gibt es erst einmal Schokoriegel in der Umkleidekabine. Und etliche Glückwünsche.

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Bis das Synchrontanzen richtig funktioniert, ist viel Training erforderlich. „Die Kinder trainieren zweimal in der Woche, vor Meisterschaften haben wir zusätzliche Übungseinheiten“, erklärt Trainerin Monika Gregor, während sie den jungen Tänzerinnen Haarklemmen und Stirnbänder abnimmt. Die Zusammensetzung der Gruppe wechsele immer wieder, da sei es manchmal schon schwierig, das hohe Niveau zu halten. Die Wertungsrichter achten genau darauf, ob die Bewegungen übereinstimmen. Zudem bewerten sie die Kreativität, die Schrittfolgen, den Schwierigkeitsgrad und wie die einzelnen Mitglieder - bei den „Gregoris“ immerhin 18 - zusammen tanzen.

Etwas übersichtlicher ist es bei den Duos, wie bei Ceyhan und Resa. Die beiden 24- und 25-Jährigen haben ein klares Ziel, sie wollen Deutscher Meister werden. Das Duo aus Remscheid tanzt seit vier Jahren sehr erfolgreich zusammen. „Aber die Konkurrenz hier ist hart“, gibt Ceyhan zu, der wie sein Freund als Tanzlehrer arbeitet. Kurz vor ihrem Auftritt machen sich die beiden in einer Ecke der Halle warm und gehen noch einmal ihre Choreografie durch.

Für Lisa und Michelle ist der Wettkampf da schon vorbei. Die zwölf und 14 Jahre alten Mädchen aus Lübbecke sind sehr enttäuscht. „Das Tanzen war toll, aber wir waren überrascht, dass wir so früh rausgeflogen sind“, sagt Lisa. Nun wollen sie sich das Finale in ihrer Altersgruppe ansehen. Auch Veranstalter Yorck-Oliver Bothe beobachtet die Auftritte der Hip-Hop-Elite genau. Allein 300 Tänzer seiner Schule haben sich für die Meisterschaft qualifiziert.

„Die Schritte einer Choreografie sind zu jeder Musik zu tanzen“, erklärt Tanzlehrerin Julia Meyer von der Tanzschule Bothe. Die Jugendkultur Hip-Hop entstand Anfang der siebziger Jahre in den Großstädten Nordamerikas. Die ursprünglichen Bestandteile - die so genannten vier Elemente - sind Rap (MCing), DJing, B-Boying (Breakdance) und Graffiti-Writing. Die Musik wird aus verschiedenen Liedern zusammengemischt, Tracks parallel eingespielt. Bei den Schritten und Figuren der Show ist fast alles möglich - aber schnell muss es sein.

dpa

Andreas Schinkel 15.05.2010
Tobias Morchner 15.05.2010