Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Tod an der Schleuse
Hannover Aus der Stadt Tod an der Schleuse
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 11.04.2015
Von Simon Benne
Die letzten Opfer des Krieges: An der Schleuse in Limmer finden 23 junge Soldaten den Tod, als sie sich den anrückenden Amerikanern entgegenstellen - einige der Getöteten sind noch halbe Kinder.Foto: Historisches Museum
Die letzten Opfer des Krieges: An der Schleuse in Limmer finden 23 junge Soldaten den Tod, als sie sich den anrückenden Amerikanern entgegenstellen - einige der Getöteten sind noch halbe Kinder. Quelle: Historisches Museum
Anzeige
Hannover

Oberstleutnand Birdsay Learman vermutet stärkere Abwehr, er zieht seine Infanteristen zurück und befiehlt, die vermeintliche deutsche Stellung mit Granatwerferfeuer zu beschießen. Im Straßengraben liegen dort seit einigen Tagen etwa 70 schlecht ausgerüstete, eilig ausgebildete Soldaten, einige sind noch halbe Kinder. Im amerikanischen Feuer finden 23 von ihnen den Tod. Ihre alten holländischen Gewehre waren nur mit Platzpatronen munitioniert.

Gemessen an den großen Schlachten des Krieges wirken die Abwehrkämpfe um Hannover gleichwohl wie Scharmützel. Um den Alliierten „verbrannte Erde“ zu hinterlassen, jagt ein Sprengkommando die Sendeanlage des Reichsrundfunks in die Luft. Als die Amerikaner sich dem Heidehaus nähern, wird vor ihren Augen die Kanalbrücke in Stöcken gesprengt. Widerstand leisten ihnen vor allem auch die Flak-Batterien am Rande der Stadt. Diese sind mit Jugendlichen, Frauen oder Kriegsgefangenen besetzt, die sich zur Flak gemeldet haben. Bei Wassel melden deutsche Flak-Soldaten noch Stunden vor Kriegsende den Abschuss mehrerer amerikanischer Sherman-Panzer, die die Stadt umfahren und vom Südosten her angegriffen hatten.

Noch kurz vor dem Einmarsch feuerten die Amerikaner mit Artillerie aufs Stadtgebiet. Und einzelne deutsche Panzer irren noch durch die Stadt, als die Amerikaner längst angekommen sind. Am Schwarzen Bären schießen zwei deutsche Panzer auf die US-Truppen und verschwinden dann im Nebel, auch an der Spinnereistraße gibt ein Panzer Schüsse auf sie ab. Zivilisten rufen Panzerbesatzungen Warnungen zu: „Die Amis sind schon am Hauptbahnhof!“

Unter der Autobahnbrücke an der Schulenburger Landstraße verpennt die Besatzung eines deutschen Jagd-Panthers den Einmarsch der US-Truppen: Sie hatten dort vor Tieffliegern Schutz gesucht, waren eingeschlafen und bemerkten nicht, dass Hunderte amerikanische Soldaten an ihrem Panzer vorbeizogen, ehe einige G.I.s diesen schließlich stürmen.

Hannover ist längst in amerikanischer Hand, als die Flak-Batterie in Langenhagen noch immer Widerstand leistet. Erst um 22 Uhr räumen auch die Soldaten dort ihre Stellung. Der Kampf um Hannover ist damit endgültig zu Ende. Wie viele Menschenleben er gekostet hat, weiß niemand.

Simon Benne 08.04.2015
Simon Benne 11.04.2015
Aus der Stadt Ausfall einer Computernetzwerks - Lottoannahme kurzzeitig gestört
08.04.2015