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Aus der Stadt Krippenplätze werden knapp
Hannover Aus der Stadt Krippenplätze werden knapp
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22:07 23.03.2015
Von Saskia Döhner
Eine Kita mit drei Krippengruppen soll auf dem Gelände der IGS Südstadt entstehen. Die Stadt sucht dringend neue Flächen für Einrichtungen.   Foto: Eberstein
Eine Kita mit drei Krippengruppen soll auf dem Gelände der IGS Südstadt entstehen. Die Stadt sucht dringend neue Flächen für Einrichtungen. Foto: Eberstein Quelle: Jan Philipp Eberstein
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Darauf hat Stefan Rauhaus, bei der Stadt für Kitas zuständig, gestern im Jugendhilfeausschuss hingewiesen. Die positive Nachricht hat auch eine Kehrseite: Die Krippenplätze werden knapp. Ursprünglich hatte die Stadt durch den Ausbau von 900 neuen Plätzen bis 2017 eine Versorgungsquote von 65 Prozent erreichen wollen. Durch den Boom bei den Geburten und den Zuzug von Familien mit Kleinkindern wird jetzt nur noch eine Quote von 54 Prozent erreicht.

Die Stadt verzeichne weiter steigende Kinderzahlen, sagte Rauhaus und fügte an: „Das Geburtenhoch aus dem vergangenen Jahr setzt sich auch 2015 fort.“ Zu Jahresbeginn lag die Zahl der Babys unter einem Jahr bei 5134. Zudem ziehen immer mehr junge Familien mit kleinen Kindern in die Stadt.

Seit einigen Monaten haben Eltern von Kleinkindern einen Rechtsanspruch auf den Krippenplatz - aber nicht alle nehmen ihn auch in Anspruch. Bundesweit ist eine Versorgungsquote von 35 Prozent angepeilt, die den tatsächlichen Bedarf an Plätzen decken soll. Hannover liegt mit seiner Versorgungsquote von 54 Prozent deutlich darüber. Allerdings ist der Bedarf an Krippenplätzen in Großstädten auch deutlich höher als auf dem Land. Die meisten jungen Eltern wollen ein Jahr nach der Geburt ihres Kindes wieder zurück in den Job.

Stadt prüft Übergangslösungen

Man prüfe, wo noch kurzfristig neue Krippenplätze geschaffen werden könnnen, sagte Rauhaus. So sollten übergangsweise jeweils vier Gruppen im Sahlkamp und in Linden entstehen. Auf dem Gelände der Integrierten Gesamtschule (IGS) Südstadt soll im nächsten Jahr eine Kita mit drei Krippengruppen für jeweils 15 Kinder und eine Kindergartengruppe mit 25 Plätzen gebaut werden. In dem Gebäude der IGS ist derzeit auch noch die Bertha-von-Suttner-Schule untergebracht. In der Haupt- und Realschule werden vom Sommer an aber nur noch die Jahrgänge acht bis zehn unterrichtet. Der Jugendhilfeausschuss votierte einstimmig für den Ausbau. Die Südstadt mit ihren großen Altbauwohnungen sei gerade für Familien sehr attraktiv, hieß es vonseiten der Stadt. Trotz der vielen Kitas in dem Bezirk und dem bereits beschlossenen Neubau einer Einrichtung in der Birkenstraße gebe es Bedarf an weiteren Betreuungsplätzen.

„Wo können wir noch Krippen bauen?“, fragte die jugendpolitische Sprecherin der Grünen, Ingrid Wagemann. Schuldezernentin Marlis Drevermann (sie vertrat Jugenddezernent Thomas Walter) sagte, es mangele an Geld und Flächen in den dicht bebauten Wohngebieten. Désirée Barnert von der SPD brachte das frühere Oststadtkrankenhaus ins Spiel. Der Standort ist begehrt. Derzeit sind dort Flüchtlinge untergebracht. Die CDU hatte vorgeschlagen, auf dem Gelände eine Grundschule zu errichten, damit Kinder aus Groß-Buchholz nicht drei Kilometer nach Kleefeld zur Grundschule laufen müssen.

Kommentar von Saskia Döhner

Gas geben

Die gute Nachricht: Es gibt mehr Kinder in Hannover. Die schlechte Nachricht: Nicht alle Eltern finden gute Betreuungsplätze. Weil ohne Krippenplatz aber meist der Wiedereinstieg in den Job nicht klappt, gerade wenn Großeltern nicht einspringen können, müssen sich Eltern in Hannover künftig viel einfallen lassen. Da werden Kekse gebacken, um die Kita-Leiterinnen zu überzeugen, da heben Väter ihr handwerkliches Geschick hervor, Mütter ihre Kochkünste – denn vor allem in Elterninitiativen ist Engagement gefragt. Die Fähigkeiten der lieben Kleinen werden gern besonders blumig ausgeschmückt. Es gibt Eltern, die sogar einen Bewerbungsbogen mit Foto ihres Sohnes oder ihrer Tochter zum Anmeldegespräch in der Krippe mitbringen. Um derlei Absurditäten einzugrenzen, muss die Stadt, die in Sachen Betreuung schon viel erreicht hat, jetzt weiter Gas geben.

Kinderbetreuung ist aber nicht nur eine Sache des Staates, sondern auch der Firmen. Wer Mütter schnell wieder am Arbeitsplatz haben will, muss auch die Rahmenbedingungen dafür schaffen. Unternehmen, die BetriebsKitas einrichten wollen, dürfen wiederum nicht länger an kleinlichen bürokratischen Vorgaben zu jedem Detail scheitern. Der Kinder und der Eltern wegen.

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