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Aus der Stadt Kröpcke-Center soll größer, höher, weiter werden
Hannover Aus der Stadt Kröpcke-Center soll größer, höher, weiter werden
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20:19 12.02.2009
Von Conrad von Meding
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Das Wort des Oberbürgermeisters soll plötzlich nicht mehr gelten. Im Konflikt um die Größe des neuen Kröpcke-Centers müsse der Düsseldorfer Investor sich mit sämtlichen Anliegern einigen, sonst werde die Stadt seine Pläne nicht unterstützen: Das hatte OB Stephan Weil am 28. September während einer Diskussionsrunde auf Nachfrage der HAZ ausdrücklich betont. Der Investor hat sich nicht mit allen Anliegern geeinigt – doch die Stadt will den Umbau des Betonklotzes jetzt trotzdem forcieren. Mit einem neuen Bebauungsplan, der die „Schwächen der alten Baugenehmigung heilt“, wie es inoffiziell im Rathaus heißt, soll der Spagat zwischen Versprechen und Realität gemeistert werden. Der Vorgang ist ein kommunalpolitisches Paradebeispiel dafür, wie schnell sich Sichtweisen ändern können, wenn eine 200-Millionen-Euro-Investition auf dem Spiel steht.

Nahezu alle Anlieger stehen dem geplanten Umbau kritisch gegenüber. Etliche von ihnen haben gegenüber der HAZ bestätigt, nur zähneknirschend zugestimmt zu haben. Einerseits, weil sie wollen, dass sich endlich etwas tut, auch wenn sie die neue Größe des Kröpcke-Centers für bedrohlich und die Gestaltung höchstens für „besser als das Bestehende“ halten. Andererseits, weil sie nicht wieder öffentlich als „Blockierer“ dargestellt werden wollen wie vor gut zehn Jahren. Damals haben sieben Anlieger des Kröpcke-Centers eine Klage gegen die Umbaugenehmigung finanziert – und am Ende nach jahrelangem Rechtsstreit in höchster Instanz verloren.

An diesem Donnerstag will die Stadt vorstellen, wie der Umbau am Kröpcke im Detail startet. Terminlich bleibt alles beim Alten: Im März soll es losgehen mit dem rund vier Millionen Euro teuren Schließen des Kröpcke-Lochs, auf dem die Spitze des neuen Kröpcke-Centers stehen wird.

Nun sind die Anlieger nicht irgendwelche anonymen Hauseigentümer, Fondsgesellschaften oder Projektentwickler. Im Kern dieser Stadt sind die Besitzverhältnisse noch ganz traditionell: Fast alle Häuser am Kröpcke sind im Besitz alter hannoverscher Familien wie Buhmann, Bartels, Böx, Prenzler, Gauglitz oder Radelfahr, die dort zum Teil seit Generationen Geschäfte betreiben oder Immobilieneigentum haben, wenn auch vereinzelt in neuen Rechtsformen. Einige von ihnen sind nach dem Krieg faktisch teilenteignet worden, als ihnen verboten wurde, ihre Häuser in alter Tiefe wieder aufzubauen: Zugunsten des Stadtbildes sollten die Straßen breiter werden. Jetzt darf ein auswärtiger Investor die Straße wieder schmaler machen, indem er sein Kröpcke-Center erweitert. Der Investor wird das Gebäude marktfein machen und es anschließend verkaufen. Die Familien hingegen bleiben Hannover treu. Viele von ihnen haben jahrzehntelang Geld und Liebe in die Qualität der Einkaufsstadt gesteckt, haben die City-Gemeinschaft und ihre Vorgängerorganisation mitgegründet, begleiten Hannover durch Höhen und Tiefen. „Der Stadtspitze ist der auswärtige Investor offenbar mehr wert, als wir Alteingesessenen es sind“, sagt ein Anlieger enttäuscht.

Schon einmal, in den siebziger Jahren, haben viele dieser alteingesessenen Familien gegen das „Monster Kröpcke-Center“ protestiert, das damals geschaffen wurde. Sie fürchteten, dass es den Kröpcke, das Herz der Stadt, verschandeln würde. Etwa die Hälfte war dagegen, der damalige Stadtbaurat hat wortreich argumentiert, das Kröpcke-Center werde ein „Baudenkmal der sechziger und siebziger Jahre“ werden. In gewisser Hinsicht hat er damit recht gehabt, wenn auch anders als gedacht – das Kröpcke-Center gilt heute als Schandfleck. Doch um den Fehler von damals zu korrigieren, soll das neue Center nun noch größer werden. Investoren kennen eben kein Zurück, für sie muss es immer größer, höher, weiter sein, damit die Rendite stimmt. Doch niemand kann garantieren, dass das jetzt modernisierte Gebäude in 30 Jahren nicht wieder als zu groß empfunden wird – und ein neuer Investor dann fordert, dass er es erneut als Gegenleistung fürs Verschönern ein wenig vergrößern darf.

Formell geht es in dem Konflikt nur um ein paar Arkaden rund ums Haus, die laut Baugenehmigung verpflichtend angeordnet sind und die der Investor – nun mit Billigung der Stadt – künftig schließen will. Der Investor argumentiert, dass unter Arkadengängen oft gebettelt werde und der Handel daher Arkaden vermeiden wolle. Beim Kröpcke-Center aber geht es nicht nur um Gestaltung, sondern um viel Geld. Die Anlieger haben errechnet, dass das Schließen der Arkaden rund 750 Quadratmeter mehr Verkaufsfläche bringe – in Erdgeschosslage im Herzen einer Großstadt, wo jeder Quadratmeter kostbar ist. Die dadurch mehr erzielte Mieteinnahme dürfte bei rund einer Million Euro liegen – pro Jahr. Das sind Summen, von denen alteingesessene hannoversche Familien nur träumen können.

Bernd Haase 12.02.2009
11.02.2009
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