Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Kündigung wegen 4,10 Euro hat Bestand
Hannover Aus der Stadt Kündigung wegen 4,10 Euro hat Bestand
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:25 27.04.2015
Von Michael Zgoll
Stein des Anstoßes für den Rechtsstreit: Die Gutschein-Karte des Drogeriefilialisten.
Stein des Anstoßes für den Rechtsstreit: Die Gutschein-Karte des Drogeriefilialisten. Quelle: Rossmann
Anzeige
Hannover

Das kleine Drama rund um den Fehltritt einer Rossmann-Kassiererin, die vergangenen Dezember 4,10 Euro unterschlug und Knall auf Fall vor die Tür gesetzt wurde, hat ein versöhnliches Ende gefunden. Bei einem Vergleich am Arbeitsgericht Hannover vereinbarten die 52-Jährige und der Drogeriefilialist, dass die fristlose Kündigung in eine fristgerechte umgewandelt wird, dass die ehemalige Angestellte noch für zweieinhalb Monate nach dem Rauswurf ihren Lohn und ein gutes Arbeitszeugnis ausgestellt bekommt.

Ihr Glück ist es, dass sie ab dem 1. März in einer Bäckerei eine neue Anstellung gefunden hat. Als der Gerichtstermin vorbei war, vergoss die Verkäuferin vor Erleichterung ein paar Tränen - das Verfahren hatte ihr doch arg zugesetzt.

Zwischenzeugnis bescheinigt hohe Zuverlässigkeit

13 Jahre lang arbeitete die Angestellte bei Rossmann. Ein Zwischenzeugnis, so hatte ihr Anwalt Peter Pistorius vor der 7. Kammer erklärt, habe ihr 2013 ein freundliches Wesen, hohe Zuverlässigkeit und große Beliebtheit bei den Kunden bescheinigt. Anfang Dezember 2014 ging es der Frau aus persönlichen Gründen schlecht: Sie erfuhr, dass die Chemotherapie bei ihrem krebskranken Vater eingestellt werde, da es keine Hoffnung mehr gebe.

Einen Tag nach dieser Nachricht kam es zu der Unterschlagung - beruhend auf einer emotionalen Ausnahmesituation? Ein Arzt hatte die Frau krankschreiben wollen, doch mochte sie ihre Kolleginnen im Vorweihnachtsgeschäft nicht im Stich lassen und erschien zur Arbeit.

Vergessene Gutschein-Karte bringt die Kassiererin in die Bredouille

Am Tattag hatte eine Kundin eine Gutschein-Karte auf dem Warenlaufband an der Kasse vergessen. Die Kassiererin steckte sie ein - und benutzte sie, kurz vor Feierabend. In zwei Chargen buchte sie ein paar Kleinigkeiten, Drogerieartikel und ein Getränk, von der fremden Karte ab. Der Wert: 4,10 Euro. Sonderlich schlau war dieses Vorgehen nicht. Weil die Kundin kurz darauf den Verlust ihres Gutschein-Coupons meldete und die Firma rekonstruieren konnte, wann und wo der letzte Betrag abgebucht wurde, hatte man die Kassiererin schnell als Schuldige identifiziert.

Fundunterschlagung

Richter Axel von der Straten betonte bei einer ersten Güteverhandlung im Januar, dass es sich bei der illegalen Abbuchung eindeutig um eine Fundunterschlagung gehandelt habe. Dann aber unterbreitete die Kammer dem Arbeitgeber großzügige Vergleichsvorschläge, basierend auf dem geringen Schaden, der langen Betriebszugehörigkeit der Verkäuferin und ihrer schwierigen persönlichen Lage - der Vater starb wenige Wochen später. So brachte von der Straten ein zehnmonatiges Aussetzen des Arbeitsverhältnisses ins Gespräch sowie eine mehrmonatige Weiterbeschäftigung bei halbem Lohn. Doch Rossmann winkte ab: Eine Kassiererin müsse nun einmal grundehrlich sein, und bei der Tat habe es sich um einen eklatanten Vertrauensbruch gehandelt.

Heute sagt die 52-Jährige, sie habe ihre Lektion gelernt. Dazu zählt, dass sie ihrem neuen Arbeitgeber den Fehltritt aus der Vorweihnachtszeit nicht verschwiegen hat - und dieser ihr das Vertrauen entgegenbringt, sie in einer seiner Bäckereifilialen arbeiten zu lassen.

Tobias Morchner 24.04.2015
Gabi Stief 27.04.2015
Aus der Stadt Kommentar zur Stadtpolitik - Die Union schießt ins Leere
Andreas Schinkel 24.04.2015