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Aus der Stadt Künstler Peter Shub als Clown beim Kleinen Fest
Hannover Aus der Stadt Künstler Peter Shub als Clown beim Kleinen Fest
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00:16 24.07.2017
Von Gunnar Menkens
„ich könnte die traurigste Person der Welt sein“: Peter Shub reicht einem Kind von der Bühne einen Lolli.  Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Das Drama nimmt seinen Lauf wie angekündigt. Wolken aus abgestuften Schwarztönen türmen sich am Himmel, Blitze verrichten ihr Geschäft, indem sie zucken. Wind kommt auf, es wird kühler. Kein Zweifel, bald knallt es richtig. Die nächste Klimakatastrophe beim Kleinen Fest im Großen Garten klopft mächtig an. Vor dem Freilichtpodest spähen Zuschauer nach möglichen Fluchtwegen, einige gehen auf der Stelle.

Nach elf Jahren ist der Künstler Peter Shub beim Kleinen Fest wiederzusehen. 

Peter Shub, der Clown, bleibt standhaft. Eine Lampe macht aus der versteckt liegenden Bühne 4/5 ein Licht in der Finsternis. „Sie können gehen, aber bitte einzeln“, ruft er den Davoneilenden nach, wie ein deutscher Ordner, der Panik nach Vorschrift abwickeln will. Das Publikum lacht.

Clown ohne Pappnase

Shub beginnt den aussichtslosen Kampf eines Menschen gegen unbesiegbare Elemente. Erstens, indem er weiter spielt als scheine die Sonne. Zweitens sprüht er Wasser aus einem Plastikfläschchen Richtung Himmel, um nicht kampflos unterzugehen gegen das Gebräu dort oben. Drittens, als er Unwetterwarnungen von Fest-Chef Harald Böhlmann pantomimisch begleitet. Besucher mögen wegen heraufziehender Gewitter das Festgelände bitte verlassen, das Eintrittsgeld werde erstattet, klingt es dramatisch aus Lautsprechern über die Gartenanlage. Shub gestikuliert bedauernd, sein Lächeln bittet um Verständnis, er spielt es im Stil einer Stewardessenansage in der Kabine kurz vorm Start. Improvisiert und sehr lustig anzusehen, jedenfalls für die, die geblieben sind.

Der gebürtige Amerikaner Shub, inzwischen 60 Jahre alt geworden, ist der Clown ohne rote Pappnase, ohne Schminke, bunte Perücke und übergroße Schuhe. Das Publikum hat ihn lange nicht in Herrenhausen gesehen. Vor elf Jahren spielte er zuletzt beim Kleinen Fest, obwohl der Weg dorthin nicht weit wäre, er lebt ja in Hannover, einer Stadt, mit der Peter Shub auf tragische Weise verbunden ist.

2001 wurde im Alten Rathaus sein Sohn Luca getötet, als er vier Jahre alt war. Er hatte eine Skupltur berührt, sie wankte, fiel und erschlug das Kind. In einem Kurzfilm von Constanze Waeger ist der Junge zu sehen, wie er spielt, fröhlich ist und in die Kamera winkt. Seine Eltern hatten diese Videos aufgenommen, Bilder, die im Internet anzusehen schwer zu ertragen ist. Shub sagt in dem Film: „Ich könnte die traurigste Person der Welt sein, aber ich vermag Glück auf der Bühne zu zeigen.“

Kurz vor seinem Auftritt, der unter Wasserfällen enden wird, sitzt der Künstler auf dem Rasen vor seiner Bühne. Neben ihm steht ein gelber Postkasten voll mit Requisiten. Pistole, Telefon, Sprühfläschchen, eine Mütze. Menschen, die ihn getroffen haben, beschreiben Shub als freundlichen, aber stillen Mann mit Neigung zur Wortkargheit. Das Gegenteil also von egozentrischer Geschwätzigkeit, dieser um sich greifenden Gegenwartspest. Aber weil Peter Shub auch ein zuvorkommender Mann ohne Allüren ist, beginnt er von seinem Beruf zu erzählen. Sehr ernst, manchmal von einem Lächeln begleitet, nie laut und nie wortkarg.

Die Komik liegt im Scheitern

Gleich beginnt sein Auftritt. „Ich bin Clown“, sagt Shub. „Ich gebe den Leuten, was sie erwarten. Sie erwarten, dass ich lustig bin. Sie kommen, um zu lachen.“ Auf der Bühne vorn unterhalten währenddessen Männer von der Flamenco Comedy Show ihr zahlreiches Publikum. Einer haut einem anderen mit der Gitarre auf den Hintern. Ist das lustig? Shub ist da ganz Kollege. Wenn jemand lacht, dann sei es lustig - und wenn nur der Lachende selbst es so empfindet.

Seine Methode ist es, Erwartungen zu erfüllen, um sie durch das Unerwartete zu unterlaufen. Er kämpft mit Mikrofonen und Garderobenständern, die Komik liegt im Scheitern. Peter Shub macht sich kleiner als sein Publikum. Beim Tanz der Motte muss die Motte leider sterben. Shub, eben noch in lieblicher Pose tänzelnd, fällt plötzlich mit einem brizzelnden Geräusch zu Boden. Arme Motte, kam dem Licht zu nahe. Zwei Sätze genügen ihm, um manche eheliche Pflichterfüllung als weibliches Geduldsspiel zu beschreiben. „Bist du bald fertig? Du bist so schwer.“ Wunderbar. Natürlich erklärt er nicht, worum es geht, Shub behauptet, er erzähle jetzt mal Sätze, die er in deutscher Sprache gehört habe. Manche Comediens umzingeln Witze mit Beiwerk, Peter Shub haut sie raus, im Vertrauen darauf, dass die Leute den Spaß verstehen. Was nicht immer gelingt. Nach dem Sex-Witz geht ein Ehepaar, schlanke Leute eigentlich, er kam wohl nicht so gut an.

Manchmal hat Peter Shub Sorge, ob seinem Publikum die Show gefällt. „Es macht mich nervös, ob sie lachen oder nicht“, da nützt alle Erfahrung nichts aus Jahren beim Circus Roncalli, Arbeit mit Loriot, Auszeichnungen und ungezählten Auftritten in Varietés. Wie ist es, wenn zehn Leute lachen? Kommt drauf an, sagt er auf dem Rasen. Gut, wenn zwölf Leute zugucken. Sind 200 Menschen da, na ja, dann zielte Shubs Idee daneben. Lachen alle, ist die nächste Sorge schon da. Wie stellt er es an, dass sie nicht aufhören damit?

Zurück zu den Wurzeln

In Herrenhausen zu spielen, das ist für ihn eine Rückkehr zu seinen Anfängen. Als er noch kein renommierter Künstler und international erfolgreich war und sich vor kleinem Publikum bewähren musste. „Draußen spielen, das bringt uns alle hier zurück zu unseren Wurzeln“, sagt Shub. Die Veranstalter könnten manche Bühne überdachen, aber er findet, dass es gut ist, darauf zu verzichten. So bleibt die Nähe zum Publikum. Es zwingt ihn, zu improvisieren, wie es ihm gefällt. „Auf der Bühne kann ich tun, was ich will. Ich bin frei. Und das ist doch, was wir alle haben wollen: Freiheit.“

Nach 20 Minuten ist die Show vorbei, das Publikum flieht vor Regen und Gewitter. Peter Shub dankt der Crew an der Windmaschine.

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