Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Das Bad ist frei!
Hannover Aus der Stadt Das Bad ist frei!
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 07.11.2014
Von Simon Benne
Toilette ohne Kunstwerk: Leibniz prangt nicht mehr am Marktkirchen-WC.
Toilette ohne Kunstwerk: Leibniz prangt nicht mehr am Marktkirchen-WC. Quelle: Simon Benne
Anzeige
Hannover

Manche malen gekreuzigte Frösche, andere verhöhnen Päpste oder Politiker. In aller Regel müssen sich Künstler heute jedoch ganz schön anstrengen, wenn sie ein Tabu finden wollen, das sich noch brechen lässt. Tobias Schreiber jedoch ist genau das gelungen - obwohl er es gar nicht gewollt hat. „Es ging mir nicht darum, zu provozieren“, sagt der Künstler entschuldigend. Und darum hat er nach zahlreichen Protesten jetzt sein Porträt des Großgelehrten Leibniz vom öffentlichen WC an der Marktkirche entfernt. „Aus freien Stücken“, wie er betont: „Es war ja nicht meine Absicht, Leibniz herabzuwürdigen - er hat einen besseren Platz verdient.“

Im Rahmen seines Straßenkunstprojekts „Helden der Stadt“ verziert Schreiber derzeit Wände in der Stadt mit Porträts von 18 hannoverschen Persönlichkeiten: Königin Friederike und ihre Schwester Luise sind nahe der Nienburger Straße zu sehen. Kurfürstin Sophie hatte er am Raschplatz angebracht und Georg I. am Schneiderberg. Beide Folien wurden inzwischen aber von Dieben abgerissen. Laves, Händel und andere große Geister will er in der Nähe der Herrenhäuser Gärten platzieren.

Teils nutzt Schneider für seine Aktion die Wände privater Gebäude. Bei der Stadt hatte er zusätzlich nach Wänden öffentlicher Toiletten gefragt. Diese war von seinem Ansinnen begeistert - zumal die Kunstaktion sie nichts kosten sollte: „Wir sind seinem Vorschlag gefolgt, um Graffitis vorzubeugen“, sagt ein Stadtsprecher. Nach den Protesten von Leibniz-Verehrern gegen das Konterfei des Gelehrten am Marktkirchen-WC hat die Stadt ihre Zusage jetzt jedoch zurückgezogen: „Die Kunstaktion auf öffentlichen Toilettenanlagen wird nicht fortgesetzt“, teilte sie gestern mit.

Dafür könnte Schreibers Leibniz-Kopf an anderer Stelle zu Ehren kommen: Georg Ruppelt, Direktor der Leibniz-Bibliothek, ist höchst angetan von dem Porträt. „Das Kunstwerk selbst gefällt mir sehr - nur das Örtchen war das falsche“, sagt er. Es sei denkbar, Schreibers Leibniz im Neubau der Bibliothek zu platzieren, an einer der großen Glasfronten. Schreiber hätte nichts dagegen: „Das wäre eine fantastische Lösung.“ Und auch Leibniz selbst hätte sich in der Bibliothek mindestens ebenso daheim gefühlt wie vor der Marktkirche.

11.11.2014
Aus der Stadt Beschwerden aus Kulturszene - Leibniz-WC sorgt für dicke Luft
Andreas Schinkel 07.11.2014
Aus der Stadt Görners Abschied und ein Festakt - Das ist heute in Hannover wichtig
05.11.2014