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Aus der Stadt Kulturdezernentin Marlis Drevermann vor dem Aus?
Hannover Aus der Stadt Kulturdezernentin Marlis Drevermann vor dem Aus?
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21:43 26.08.2011
Von Andreas Schinkel
Foto: Steht Kulturdezernentin Marlis Drevermann vor dem Aus?
Steht Kulturdezernentin Marlis Drevermann vor dem Aus? Quelle: Nico Herzog
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Hannover

„Sie hat einfach zu viele Fehler gemacht, wir müssen jetzt überlegen, wie wir damit umgehen“, sagt ein führender SPD-Mann. In dieselbe Kerbe schlägt die CDU. „Nach der Kommunalwahl müssen wir eine intensive Personaldiskussion über Frau Drevermann führen“, sagt Fraktionschef Jens Seidel.

Hinter den Kulissen aber ist diese Diskussion längst im Gange. Wie die HAZ aus Kreisen der Verwaltungsspitze erfuhr, wird bereits eine Lösung favorisiert. Danach soll Drevermann, deren Amtszeit noch bis zum Jahr 2015 läuft, mehrere Monate nach der Kommunalwahl zurücktreten, offiziell aus gesundheitlichen Gründen. Ob die Dezernentin dazu gedrängt werden soll oder ob sie in die Überlegungen bereits eingebunden ist, war zunächst nicht zu erfahren.
Die Pannenserie der Dezernentin jedenfalls ist nicht zu übersehen. So hat sie vor zwei Jahren den Kunstfestspielen in Herrenhausen eine völlig neue Ausrichtung gegeben, ohne das neue Konzept genügend zu vermitteln. Die Folge war, dass Drevermann großzügig Freikarten verteilen musste, um die leeren Ränge aufzufüllen.

Für die Ratsversammlung am kommenden Donnerstag hat die CDU Einsicht in die Akten über die Kunstfestspiele 2011 beantragt. Man traue den Zahlen nicht mehr, die Drevermann vorlegt, und wolle deshalb selbst prüfen, wie es um die finanzielle Lage des Herrenhausen-Festivals bestellt ist, lautet die Begründung. Schwerer noch wiegen die Pannen im Management von zwei Großprojekten – hier geht es um das Schlossmuseum in Herrenhausen und den Anbau für das Sprengel Museum. Die Stadt will in den Flügeln des neuen Schlosses ein Museum einrichten. Die Kulturdezernentin ließ sich einreden, dass ein solches Museum kostendeckend zu betreiben sei und geriet mit ihrem Konzept ins Schlingern. Zudem leistete sie sich einen Rechenfehler. Bei der Berechnung der Personalkosten verwechselte sie Netto mit Brutto, was zu einer gravierenden Fehlkalkulation führte. Oberbürgermeister Stephan Weil entschuldigte sich für den Fehler, stärkte aber seiner Dezernentin den Rücken. Dennoch ist jetzt eine Projektgruppe aus Verwaltungsexperten mit den Plänen für das Schlossmuseum betraut.

Auch bei der Erweiterung des Sprengel Museums machte Drevermann keine glückliche Figur. Der Anbau wird von Stadt und Land mit je fünf Millionen Euro finanziert, der Löwenanteil von zehn Millionen Euro fließt aus einem EU-Fonds. Das Kulturdezernat schaffte es nicht, die Unterlagen für den Antrag auf EU-Mittel fristgerecht einzureichen. Zwar gelang es, eine Terminverlängerung auszuhandeln, aber der Zeitplan wird denkbar knapp. Auch ist noch unklar, wie die Fassade des neuen Museumstraktes aussehen soll, was vor allem diejenigen verärgert, die Spenden für den Anbau sammeln.

Ihr Gesicht soll Drevermann nicht verlieren, darin sind sich Politik und Verwaltung einig. Ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Amt darf aber auch die Stadtkasse nicht über Gebühr belasten. Würde zum Beispiel der Rat der Stadt Drevermann mit der erforderlichen Mehrheit von drei Vierteln der Stimmen aus ihrem politischen Amt abwählen, hätte sie nach Angaben des Niedersächsischen Städtetags noch Anspruch auf bis zu 70 Prozent ihrer Bezüge für den Rest der Amtszeit bis 2015. Schon allein aus diesem Grund dürften für eine Abwahl kaum die erforderlichen Mehrheiten zusammenzubringen sein. Bleibt also der Rücktritt, freilich in gebührendem Abstand zur Kommunalwahl. Die dann 60-jährige Drevermann würde frühzeitig in Pension gehen, unklar bleibt, wer ihr Nachfolger werden könnte.

Lothar Schlieckau, Fraktionschef der Grünen und Vorsitzender des Kulturausschusses, will die Überlegungen zum vorzeitigen Rücktritt Drevermanns weder bestätigen noch dementieren. „Ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Amt müsste nach der Wahl zum Gegenstand der Koalitionsverhandlungen mit der SPD gemacht werden“, betont er.

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