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Aus der Stadt Kunden fordern: Abendleerung soll bleiben
Hannover Aus der Stadt Kunden fordern: Abendleerung soll bleiben
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06:16 06.07.2012
Von Mathias Klein
Der Döhrener Gerhard Saborowski mit Bezirksbürgermeistern an einem der letzten Briefkästen mit Abendleerung am Weidendamm. Quelle: Steiner
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Hannover

Fünf Bezirksbürgermeister und Hannovers Bürgermeisterin Regine Kramarek machten sich am Montagabend vom Hauptbahnhof auf den 20-minütigen Weg zum alten Güterbahnhof am Weidendamm. Dort steht einer von nur noch zwei Briefkästen in der Landeshauptstadt mit später Leerung. Der zweite befindet sich in der Schlägerstraße (Südstadt). „Es wäre viel besser, wenn die Briefkästen am Hauptbahnhof eine späte Leerung hätten“, sagte die Bezirksbürgermeisterin von Döhren-Wülfel, Christine Ranke-Heck, die den kleinen Marsch organisiert hatte. Der vom Hauptbahnhof 1200 Meter entfernte Weidendamm sei nur schlecht zu erreichen, sagte sie.

Im Frühjahr hatte es in Hannover noch rund ein Dutzend Briefkästen gegeben, die auch in den Abendstunden geleert wurden. Dort konnten die Postkunden ihre Briefe je nach Standort zwischen 20 und 22.30 Uhr einwerfen - mit der Gewissheit, dass diese Post am nächsten Tag in der gesamten Region und auch in den umliegenden Gebieten noch zugestellt wurde. Jetzt kommt an den beiden verbliebenen Standorten der Postmitarbeiter letztmals um 20.30 Uhr. Als sich die Beschwerden von Bürgern und Geschäftsleuten häuften, starteten die Bezirksbürgermeister ihre ungewöhnliche Initiative. Dabei trafen sie innerhalb von wenigen Minuten auf viele verärgerte Postkunden, unter anderem Per Kistenbrügge. „Ich rege mich darüber fürchterlich auf, sagte der Frauenarzt. Er bringt jeden Abend rund ein Dutzend Briefe zu dem Briefkasten. „Das sind Rechnungen, die sollen morgen da sein“, sagt er. Kistenbrügge fährt jetzt immer mehrere Kilometer von Stöcken in Richtung Innenstadt, um seine Post noch am Abend loszuwerden.

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Auch Michael Kellner ist auf die späte Leerung angewiesen. Der Bauunternehmer macht am Abend unter anderem Angebote fertig. „Die Kunden wollen das schnell haben“, sagt Kellner, der auch Vorsitzender der Interessengemeinschaft Döhrener Geschäftsleute ist. Theresa Ullrich ist seit einigen Wochen gezwungenermaßen Stammkundin am Weidendamm. Die Fotografin kommt mit dem Rad eigens aus Linden. „Vorher konnte ich die Post am Lindener Marktplatz einwerfen. Aber dort wird jetzt um 18 Uhr zum letzten Mal geleert.“

„Wir erwarten mehr Service von der Post“, sagte die Bezirksbürgermeisterin Vahrenwald-List, Irma Walkling. Dazugehöre, dass es in einer Stadt wie Hannover in jedem Stadtteil eine Nachtleerung geben müsse. Der Standort am Weidendamm sei mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer zu erreichen, sagte der Ricklinger Bezirksbürgermeister Andreas Markurth. Und der Platz vor dem Briefkasten sei wegen des Kopfsteinpflasters für Menschen mit Rollator oder im Rollstuhl nur schwer zu nutzen. Außerdem fehle ein Hinweisschild. Ranke-Heck verwies auf den Straßenstrich, der auf dem Weg vom Hauptbahnhof passiert werden müsse. „Das ist nicht nur für Frauen unangenehm“, sagte sie.

Zum Protestmarsch hatte Ranke-Heck auch einen Vertreter der Deutschen Post eingeladen, allerdings eine Absage erhalten. Der Termin sei zu kurzfristig angesetzt gewesen, hieß es. Auch Briefe der Bezirksbürgermeister an die Post und an die Bundesnetzagentur haben bislang nichts genützt. Die späte Leerung werde so wenig genutzt, dass sich mehr als zwei Briefkästen in Hannover nicht lohnten, schrieb die Post zurück. Und die für die Aufsicht über die Post zuständige Bundesnetzagentur meint, die Post sei unter bestimmten Voraussetzungen frei in der Gestaltung der Briefkastenleerung.

Der Döhrener Gerhard Saborowski. der leidenschaftlich für die Spätleerung kämpft, hat jetzt den Postexperten der SPD-Bundestagsfraktion, Klaus Barthel eingeschaltet. Und dieser hat sich bereits an die die Bundesnetzagentur gewandt - Ausgang offen.

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