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Aus der Stadt Kunst contra Regenschutz – Was ist wichtiger?
Hannover Aus der Stadt Kunst contra Regenschutz – Was ist wichtiger?
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00:15 08.02.2015
Von Bernd Haase
„Als Lichtrahmenkonstruktion geplant“: Der neue Bahnsteig an der Münzstraße am Steintor soll auch das Stadtbild bereichern. Quelle: Infra
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Hannover

Michael Dette, Baupolitiker der Grünen, glaubte nach eigenem Bekunden an einen Scherz, als er sich die Computeranimation für die geplanten Hochbahnsteige der oberirdischen Stadtbahnstrecke auf der D-Linie am Steintor und am Raschplatz genauer ansah. Das aufgeständerte Dach über der 45 Meter langen Anlage ist nur in der Mitte geschlossen. Links und rechts davon soll der Überbau auf je etwa 15 Metern Länge oben offen bleiben. Die Erklärung: „In diesen Bereichen haben wir die Anlage gar nicht als Dach geplant, sondern als Lichtrahmenkonstruktion“, sagt Stefan Harcke, Geschäftsführer der für den Bau verantwortlichen Infrastrukturgesellschaft (Infra).

Seit Anfang April 1994 schmücken Hannover Bushaltestellen mit Kunstwert. Unter anderem die international renommierten Designer Gehry, Sottsass und Morrison setzten ihre Ideen für die Stadt um. Ein Überblick:

Obwohl die Pläne seit vergangenem Sommer öffentlich sind, kam das Thema erst im Bauausschuss am Mittwoch auf den Markt. Dette hätte es gern funktionaler. Weil die Löcher auch über den beidseitigen Zugangsrampen liegen, müssten die Dächer geschlossen werden - „sonst wird es bei Glatteis zu gefährlich“, sagt er und verweist zudem auf den Regenschutz für Wartende. Er plädiert für eine oben geschlossene Konstruktion.

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Viel Einheitsware an den Schienen

Würde die gebaut, zählten die Bahnsteige am Steintor und am Raschplatz zu den Ausnahmen im Stadtbahnnetz. Mit Ausnahme der Stationen an der Noltemeyerbrücke, an der Brabeckstraße und am Endpunkt Messe/Ost sind die Hochbahnsteige Einheitsware. Witterungsschutz gibt es nur in Form der gläsernen Wartehäuschen über den Sitzbänken.

Wegen der besonderen Lage der drei Innenstadthaltestellen sind die Planer dort einen anderen Weg gegangen. Sie haben einen Architektenwettbewerb ausgelobt mit der Vorgabe, leichte, luftige, ästhetisch ansprechende Konstruktionen zu schaffen. Die Siegerentwürfe des Büros Bünemann und Collegen sehen für die Rosenstraße einen segelförmigen Überbau vor und für das Steintor und den Raschplatz besagte Lichtrahmenkonstruktion. „In den Elementen sind Beleuchtungsanlagen untergebracht, die für einen besonderen Effekt sorgen“, sagt Harcke. In der Jury, die diese Entwürfe ausgewählt hat, haben auch Vertreter der Stadt gesessen. Nach Angaben von Harcke wäre es technisch und statisch durchaus möglich, die Lücken im Dach zu schließen - allerdings nicht mit Glas oder Plexiglas, sondern nur mit Kunststoffelementen. „Dann aber würden die Lichteffekte, die auch auf Raumwirkung zielen, kaputt gemacht“, sagt er.

Im Bauausschuss ist die Vorlage für den betreffenden Bauabschnitt der Stadtbahnstrecke auf Betreiben der SPD für weitere Beratungen wegen offener Verkehrsfragen in die Fraktionen gezogen worden. „Der Aufbau der Hochbahnsteige wirkt ein bisschen komisch, aber ich sehe das nicht ganz so dramatisch“, sagt SPD-Bauexperte Ewald Nagel. Die Grünen wollen laut Dette einen Brief an Üstra und Infra schreiben mit der Bitte, die Pläne noch einmal zu überdenken.

Schreiben Sie uns

Was ist wichtiger - schützendes Dach oder ästhetisches Licht? Schicken Sie uns unter dem Stichwort „Haltestelle“ eine E-Mail an hannover@haz.de oder einen Brief an die HAZ-Lokalredaktion, August-Madsack-Straße 1, 30559 Hannover.

Bahnsteig am Bahnhof wird breiter

Die Haltestelle Rosenstraße vor dem Ernst-August-Platz wird, wenn sie denn gebaut ist, die wichtigste im oberirdischen Stadtbahnnetz. Die Üstra rechnet mit einem Aufkommen von 18.000 Menschen, die täglich dort ein- oder aussteigen. Schon früh gab es Befürchtungen, der Hochbahnsteig könnte dem Andrang nicht gewachsen sein, weil die Fläche nicht ausreicht.

Besonders die Initiative Pro-D-Tunnel, die den oberirdischen Stadtbahnbau kritisiert, hatte ständig darauf hingewiesen. Gegenüber ersten Planungen ist der Hochbahnsteig zwischenzeitlich um zehn auf 55 Meter verlängert worden. Jetzt will man ihn außerdem verbreitern; statt vier soll er nun 4,50 Meter messen. Das geht zulasten der Gehwege in der Kurt-Schumacher-Straße, die auf jeder Seite in der Breite 25 Zentimeter abgeben müssen. In einem der HAZ vorliegenden Schreiben der Üstra heißt es, die Qualität sei gerade noch ausreichend.

Dass es trotz der Verbreiterung eng wird im Bereich Rosenstraße, bezweifelt keiner der Beteiligten. Gleiches gilt für die neue Haltestelle am Goetheplatz. Dort ist ebenfalls mit höheren Ein- und Aussteigerzahlen zu rechnen, weil die Station Clevertor wegfällt. Gedränge dürfte es vor allem zu Stoßzeiten morgens und mittags geben – im Umfeld liegen mehrere Schulen.

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Die D-Linie hat im Bauausschuss einmal mehr für hitzige Diskussionen gesorgt. Grund ist ein geplantes Loch in der Überdachung am künftigen Hochbahnsteig am Steintor. Die Grünen halten das für einen schlechten Scherz. Und auch die SPD wundert sich und vertagt schließlich die Entscheidung.

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