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Aus der Stadt LKA-Ermittler warnt vor Hells Angels in Hannover
Hannover Aus der Stadt LKA-Ermittler warnt vor Hells Angels in Hannover
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20:45 26.06.2009
Von Tobias Morchner
Hells Angels beim Europatreffen Eurorun 2008 in Hannover. Quelle: Ralf Decker
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„Was die Hells Angels aus dem Steintorviertel gemacht haben, ist nicht rein zufällig passiert, sondern war von Anfang so gewollt.“

Der Party-Plan ist aufgegangen. In knapp zehn Jahren haben die Rocker um ihren Chef Frank Hanebuth aus dem schmuddeligen Rotlichtbezirk eine Amüsiermeile mit schicken Bars und Eventgastronomien gemacht, die fast ausschließlich von den Höllenengeln kontrolliert wird. Von Leuten also, die, wie Kluwe sagt, grundsätzlich „eine hohe Neigung zu Gewaltbereitschaft und zu Straftaten“ an den Tag legen. Allein in Volker Kluwes Abteilung kümmern sich acht Sonderermittler rund um die Uhr um die Rockerkriminalität und beobachten somit auch die Geschäfte der Hells Angels in Hannover: „Wie alle Gruppierungen, die der organisierten Kriminalität zugerechnet werden, sind die HellsAngels bis heute konsequent einem Drei-Phasen-Modell gefolgt.“

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In der ersten Phase demonstrierten sie ihre Macht und ihre Überlegenheit. In der zweiten Entwicklungsstufe versuchten sie, sich langsam in einem Gebiet zu etablieren. „Wir gehen davon aus, dass in Hannover jetzt Phase drei begonnen hat“, sagt der LKA-Beamte. Die Rocker wagten den Schritt in die Welt der Wirtschaft, kauften über Strohmänner Immobilien, betreiben Sicherheitsunternehmen oder Veranstaltungsorganisationen. Sogar eigene Bier-, Schnaps- und Zigarettenmarken haben die Höllenengel auf den Markt geworfen. Die Produkte tragen alle die Zahl 81 im Logo. Die Ziffern stehen für die entsprechenden Buchstaben im Alphabet: HA, also Hells Angels.

Die Sonderermittler beobachten diese Entwicklung mit großer Sorge. „Für uns wird es dadurch immer schwerer, ihnen Straftaten nachzuweisen“, sagt Volker Kluwe. Selbst wenn sie von einem Vorfall erfahren, sogar mögliche Opfer oder Zeugen finden – niemand sagt gegenüber der Polizei auch nur ein Wort. Zu groß ist die Angst vor dem langen Arm der Höllenengel. „Ein Hells Angel muss heute nicht mehr zuschlagen. Er muss nur seine Kutte überziehen, und jeder weiß Bescheid“, sagt Volker Kluwe.

Innerhalb der Rockerszene gilt das Steintorviertel inzwischen als Paradebeispiel dafür, wie der Schritt in die Wirtschaft und damit in die Legalität am besten gelingen kann. Kluwe: „In anderen Städten kontrollieren die Hells Angels auch den Rotlichtbereich. Aber Hannover ist ein ganzes Stück weiter.“ Der Einfluss der Rocker zwischen Reuter- und Reitwallstraße reicht bis in die kleinsten Details. So bestimmen sie zum Beispiel, dass Gäste auf der gesamten Partymeile lediglich Bierflaschen der Marken „Beck’s“ und „Support 81“, dem Bier der Hells Angels, mit in die Klubs nehmen dürfen.

Die neuen Geschäftsinteressen der Männer um Frank Hanebuth sind ihnen offenbar so wichtig, dass sie sich sogar mit ihren ärgsten Feinden vom Motorradklub der „Bandidos“ an einen Tisch gesetzt haben. „Wir gehen davon aus, dass es Gespräche gegeben hat“, erläutert Kluwe. Auffällig ist in der Tat: Während in anderen Bundesländern ein zum Teil erbitterter Krieg um Gebietsansprüche zwischen den Rockern tobt, ist es in Niedersachsen in den vergangenen Jahren verhältnismäßig ruhig geblieben. „Es ist schlecht fürs Geschäft, wenn die Medien immer wieder von Übergriffen berichten“, meint Kluwe.

Inzwischen strecken die Motorradrocker ihre Fühler auch immer stärker in die Region aus. In Garbsen betreiben sie ein Sportstudio und einen Tattoo-Shop. In Neustadt am Rübenberge gab es in den vergangenen Wochen Wirbel nach der Neueröffnung eines Tätowierstudios in der Leinestraße. Der neue Betreiber des Geschäfts gehört nach Erkenntnissen der Polizei zu den Hells Angels. Das Studio mit dem Namen „Tattoo your only desire“ wirbt ebenfalls mit der Zahl 81, der Kennziffer der Hells Angels, um Kunden.

Doch auch über die Grenzen Niedersachsens hinaus ist der Rat von Frank Hanebuth und seinen Leuten immer mehr gefragt. „Der Präsident des Charters Hannover wird in fast jede bundesweite strategische Entscheidung der Hells Angels einbezogen“, so Kluwe. Auch eines der wichtigen Ämter des Deutschland-Klubs der Rocker wird von einem Hannoveraner besetzt: Der Schatzmeister der hannoverschen Höllenengel regelt auch die Finanzen seiner Bundesbrüder.

Veronika Thomas 26.06.2009
26.06.2009