Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt "Sie werden auf deutlich mehr Polizei treffen"
Hannover Aus der Stadt "Sie werden auf deutlich mehr Polizei treffen"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:31 16.11.2015
Schwer bewaffnete Bundespolizisten laufen im Hauptbahnhof Hannover Streife. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Das Länderspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen die Niederlande am Dienstag in Hannover wird unter deutlich erhöhten Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. Das kündigten Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius und Hannovers Polizeipräsident Volker Kluwe am Montag an. Während des Länderspiels in der HDI-Arena (20.45 Uhr) soll es beim Stadioneingang Kontrollen geben, bei denen neben dem Sicherheitsdienst auch mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten beteiligt sein sollen. Auch Sprengstoffspürhunde werden zum Einsatz kommen, sagte Kluwe und verwies auf das Länderspiel in Frankreich: Dort hatten Attentäter mit Sprengstoffgürteln versucht, in das Stade de France zu gelangen, nachdem das Spiel angepfiffen worden war.

Nach den Attentaten von Paris wurden die Sicherheitsmaßnahmen in Hannover verschärft. Bundespolizisten patrouillieren mit Maschinenpistolen im Hauptbahnhof und am Flughafen. Auch vor dem Sporthotel Fuchsbachtal in Barsinghausen und vor der HDI-Arena gibt es verstärkte Sicherheitskontrollen. 

"Wir werden morgen 450 Ordner im Einsatz haben", sagte Primetec-Geschäftsführer Dietmar Götze, dessen Unternehmen für die Sicherheit in der HDI-Arena verantwortlich ist. "DFB und Hannover 96 haben keine zusätzlichen Anforderungen an uns gestellt und so setzen wir die gleiche Anzahl an Mitarbeitern ein, die für das Länderspiel vorgesehen war." Natürlich sei aber die Weisung an die Ordner ergangen, die Besucher noch gründlicher zu kontrollieren als sonst. "Ich gehe davon aus, dass alle Zuschauer für diese Maßnahmen Verständnis zeigen werden", sagte Götze.

Anzeige

Verdeckte Ermittler im Stadion

Im Stadion wird neben dem Sicherheitsdienst mehr Polizei als sonst zu sehen sein. Nach HAZ-Informationen werden sich auch verdeckte Ermittler unter die Zuschauer mischen. Stadionbesucher werden zudem aufgerufen, Verdächtiges zu melden. Außerdem appelliert Kluwe an alle Fans, dieses Mal unbedingt auf Pyro-Technik zu verzichten. Schon ein einzelner Böller "kann für Panik sorgen", warnt der Polizeipräsident. Der Polizeieinsatz werde sich aber nicht auf das Umfeld des Stadions beschränken, erklärte Kluwe: "Sie werden auf deutlich mehr Polizei treffen in Hannover." Die Polizisten in der Stadt würden ebenfalls Maschinenpistolen tragen. "Paris hat gezeigt, dass man die Gefahrenlage nicht auf ein bestimmtes Gebiet begrenzen kann", so Kluwe. Wie viele Beamte insgesamt im Einsatz sein werden, wollte der Polizeipräsident aus taktischen Gründen nicht bekannt geben.

Die Bundespolizei hatte bereits am Wochenende ihre Präsenz an neuralgischen Punkten hochgefahren. Mit Maschinenpistolen patrouillieren seitdem Beamte unter anderem im Hauptbahnhof. "Der hannoversche Hauptbahnhof ist das größte Verkehrskreuz in Norddeutschland" sagte Martin Ackert, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Hannover. "Nach den Vorfällen in Paris führt die Bundespolizei hier verstärkt offene und verdeckte Maßnahmen durch." Die Bundespolizisten fahren außerdem sowohl in S-Bahnen wie auch in Zügen des Fernverkehrs mit. Dort wie auch am Bahnhof sind sie angehalten, "anlassbezogene Kontrollen" vorzunehmen, wie eine Sprecherin sagte. Auch am Flughafen Langenhagen ist die Präsenz deutlich erhöht worden.

"Dieses mulmige Gefühl darf jeder haben"

Außerdem würden bereits seit dem Wochenende in ganz Deutschland und auch in Niedersachsen bekannte Islamisten angesprochen, so Innenminister Pistorius. Bei diesen so genannten "Gefährderansprachen" erhoffen sich die Sicherheitsbehörden Informationen über aktuelle Aktivitäten der Extremisten, gleichzeitig signalisiert man ihnen damit, dass sie beobachtet werden. Pistorius sagte, er könne jeden Zuschauer verstehen, der das Spiel mit einem Gefühl der Unsicherheit besuchen würde. "Dieses mulmige Gefühl darf auch jeder haben", so der Minister. Er begrüße aber, dass der Deutsche Fußballbund (DFB) das Spiel nicht abgesagt habe. "Es wäre falsch, wenn wir nach diesen feigen Angriffen vor den Attentätern einknicken würden."

Bislang sind nach Polizeiangaben 31.000 Karten für das Spiel verkauft. Unter den Gästen werden auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie mehrere Minister sein. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) wird mit einigen Kabinettsmitgliedern bei dem Spiel dabei sein.

Bundesweit wird bis Dienstag Trauerbeflaggung angeordnet, vor der Staatskanzlei in Hannover wurde die auf halbmast wehende Bundesflagge am Montag durch die französische Flagge ersetzt. Im Rathaus in Hannover versammelten sich die Mitarbeiter am Montagmittag zu der europaweiten Trauerminute. Außerdem ist am Dienstagabend am Stadion eine Menschenkette geplant, an der auch Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) teilnehmen will. Schostok sagte: "Hannover gibt mit dem Spiel ein klares Signal, dass wir durch Terror nicht unsere Freiheit, unser Zusammenleben und unsere Solidarität beeinträchtigen lassen werden."

Im Hotel Fuchsbachtal in Barsinghausen bei Hannover, wo die Nationalmannschaft bereits angekommen ist, herrschen diesmal erhöhte Sicherheitsvorkehrungen. Das Hotel war schon oft Quartier für das DFB-Team.

Von Jörn Kießler und Heiko Randermann (mit: dpa/sbü)

Aus der Stadt Straßenausbaubeitragssatzung - Verein kämpft gegen Straßensatzung
Conrad von Meding 16.11.2015
Mathias Klein 16.11.2015
Anzeige