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Aus der Stadt Niedersachsen gehören jetzt 17 Schildkröten
Hannover Aus der Stadt Niedersachsen gehören jetzt 17 Schildkröten
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21:02 05.03.2015
Von Michael Zgoll
Spinnenschildkröten – hier bei einer Inventur im Zoo Hannover – sind nur etwa zwölf Zentimeter lang.
Spinnenschildkröten – hier bei einer Inventur im Zoo Hannover – sind nur etwa zwölf Zentimeter lang.  Quelle: Julian Stratenschulte (Archiv)
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Hannover

Die toten Tiere lagern in Gefriertruhen. Die zwölf lebendigen robben - noch - über das Gelände eines Hobbyzüchters aus Benthe. Dass der 65-Jährige die nur zwölf Zentimeter langen Tierchen weggeben muss, hängt mit einem Termin beim Verwaltungsgericht Hannover zusammen. Dort wurde am Donnerstag geklärt, dass der Mann - früher einer der größten Händler seltener Schildkrötenarten in Niedersachsen - nicht nachweisen kann, die Reptilien legal gehalten zu haben.

1994 hatte der Züchter sechs vom Aussterben bedrohte Spinnenschildkröten erworben, inklusive der laut Cites-Artenschutzliste erforderlichen Papiere. Von 1995 bis 2001 zeigte er der Naturschutzbehörde der Region Hannover die Nachzucht von 75 Tieren an. Dass hier etwas faul sein musste, übersahen die Leute vom Amt: So rasant können sich Schildkröten wahrlich nicht vermehren, zumal es bei ihnen generell gemächlich zugeht. 2001, so der 65-Jährige, habe er seinen Reptilienhandel eingestellt, betätige sich seither nur noch als Hobbyzüchter.

Doch weil der Mann die Region in den Folgejahren nicht über seine Bestände auf dem Laufenden hielt, veranlasste die Staatsanwaltschaft 2010 eine Durchsuchung seines Grundstücks. Elf Mitarbeiter waren sechs Stunden unterwegs, zahlreiche Tiere wurden beschlagnahmt. Ein Strafverfahren im Jahre 2011 endete jedoch mit einer Einstellung. Illegalen Tierhandel mochte der Richter dem Angeklagten nicht ankreiden, nur Meldeverstöße. Was blieb, waren 1000 Euro Geldbuße.

Allerdings verfügte die Region wenig später die Beschlagnahme von 17 Spinnenschildkröten. Weil der Züchter auf die Herausgabe der Tiere klagte, durften sie noch in Benthe verweilen. In der Verhandlung der 4. Kammer des Verwaltungsgerichts am Donnerstag wurde deutlich, dass der ältere Herr eine abenteuerliche Buchführung betrieb. Seine Schildkrötenaufzucht dokumentierte er mithilfe von Schmierzetteln und Notizen auf den Eierschalen - die natürlich nicht mehr existieren. Kein Wunder, dass der Vorsitzende Richter Ingo Behrens bald konstatierte, dass der Mann den legalen Besitz der Tiere keinesfalls belegen könne.

Rechtsanwalt Timo Westermann versuchte ebenso gutherzig wie vergeblich, beim Gericht gut Wetter für seinen Mandanten zu machen. Die Besitz- und Zuchtnachweise für geschützte Tierarten würden von Jahr zu Jahr strenger gehandhabt, das habe den Mann aus Benthe überfordert. Auch sei es für den 65-Jährigen und seine Frau ein emotionaler Tiefschlag, wenn man ihnen die Reptilien wegnehme: „Es gibt nur wenige Tiere, denen Halter so viel Zuneigung entgegenbringen wie Schildkröten.“ Letztendlich aber gaben der Hobbyzüchter und sein Anwalt den Widerstand gegen die Beschlagnahme auf und erklärten die Sache - aus Kostengründen - selbst für erledigt.

Nun sind die Tage der zwölf Spinnenschildkröten in Benthe gezählt. In Kürze werden Mitarbeiter des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) vorbeikommen und sie abholen. Dann darf das Land Niedersachsen die Tiere ausleihen, an eine zoologische Einrichtung irgendwo im Land. Ganz legal. Was mit den bereits vor einiger Zeit verstorbenen und tiefgefrorenen Exemplaren geschieht, die die Behörden aufgrund des rechtlichen Schwebezustands aufbewahren mussten, ist noch offen. Möglich, dass die Kadaver entsorgt werden. Möglich aber auch, dass die kleinen Schildkröten - fachmännisch präpariert - in einem Museum landen.

Vorsicht vor Schildkröten-Schnäppchen

Artenschutz ist schwierig: Dass viele Tierarten – darunter auch Schildkrötenarten – vom Aussterben bedroht sind, interessiert skrupellose Händler wenig. So richten Schmuggler aus dem Mittelmeerraum Hunde ab, um griechische Landschildkröten in freier Wildbahn aufzuspüren. Selten genug, dass dem Zoll wie im Vorjahr an der ungarischen Grenze ein Transport mit 1026 Schildkröten in die Hände fällt. Gern werden die Tiere auch in doppelten Böden von Wohnwagen nach Mitteleuropa geschafft oder in Paketen zusammengepfercht, die per Post verschickt werden. Die Behörden warnen davor, Reptilien zum Schnäppchenpreis zu kaufen. So muss man für eine Spinnenschildkröte aus Madagaskar – mit gültigen Papieren – mindestens 500 Euro hinblättern.

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