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Aus der Stadt Land stärkt MHH-Führung den Rücken
Hannover Aus der Stadt Land stärkt MHH-Führung den Rücken
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06:16 13.05.2012
Von Juliane Kaune
Hannover, Krankenhaus, MHH, Medizinische Hochschule, Intensivstation, Flur, Krankenhausflur Symbolfoto zum Thema Patientenverfügung. ¤rzte im Gespräch. 2 Fotos im Dossier
Das Land ist durch das Millionendefizit der MHH nicht alarmiert. Quelle: Martin Steiner
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„Die Forschungsleistungen sind beachtlich, und die Wirtschaftsführung ist bei der MHH in guten Händen“, sagte am Donnerstag Rüdiger Fischer, Sprecher des Wissenschaftsministeriums, das für die Finanzierung des Lehr- und Forschungsbetriebs zuständig ist. Den Fehlbetrag von 15,9 Millionen Euro in der Jahresbilanz 2011 müsse die MHH aber aus eigner Kraft ausgleichen, stellte Fischer klar. Unabhängig davon unterstützt das Land die MHH mit einem vereinbarten jährlichen Zuschuss, der derzeit bei 163,8 Millionen Euro liegt.

Am Mittwoch war – wie berichtet – bekannt geworden, dass die MHH erstmals nach sieben Jahren rote Zahlen schreibt. Chefökonom Holger Baumann hatte das unter anderem mit zu geringen Zahlungen der Krankenkassen für die Hochleistungsmedizin in der Krankenversorgung begründet – ein Fehlbetrag, der auch durch das in den Forschungsabteilungen eingeworbene Geld nicht ausgeglichen werden konnte. Um Kosten zu sparen, sollen im Laufe dieses Jahres 170 Stellen durch „natürliche Fluktuation“ abgebaut werden, zudem stehen unrentable Bereiche auf dem Prüfstand.

Aus Sicht des international renommierten Gesundheitsökonomen Prof. J.-Matthias Graf von der Schulenburg, der an der hannoverschen Leibniz-Uni lehrt, ist das Defizit der MHH angesichts des Gesamtbudgets von 775 Millionen Euro „nichts Dramatisches“. Auch sei das auferlegte Sparprogramm an einer Klinik mit 7610 Vollzeitstellen zu schultern. Der Experte, der an der US-Uni Princeton gelehrt und etwa Projekte in Japan, Korea und Israel geleitet hat, lobt die MHH nahezu euphorisch: „Sie hat sich in den vergangenen Jahren fantastisch aufgestellt und gehört zu den besten Kliniken der Welt.“

Wie viele andere deutsche Uni-Kliniken leide aber auch die MHH darunter, dass die Spitzenmedizin von den Kostenträgern im Gesundheitswesen nicht immer auskömmlich finanziert werde. Gleichwohl sei der Kostendruck bei Häusern in öffentlicher Trägerschaft geringer als etwa an Privatkliniken.

Neben dem Sparprogramm setzt die MHH auch auf Investitionen. So soll zum Beispiel ein mit 26 Millionen Euro veranschlagter Neubau die Laborarbeiten aller klinischen Abteilungen zusammenführen, um diese wirtschaftlicher zu machen. Die Kosten für das Gebäude trägt das Land; die MHH muss binnen zehn Jahren den Großteil der Summe zurückzahlen.

Sprecher Fischer betont, dass das Wissenschaftsministerium hohe Beträge zur Verfügung stelle, um die Infrastruktur der MHH zu verbessern. Allein 2010 flossen 28,7 Millionen Euro aus der Landeskasse in Bauprojekte auf dem Campus. Zudem gebe der mit allen niedersächsischen Hochschulen geschlossene Zukunftsvertrag auch der MHH bis 2015 finanzielle Planungssicherheit.

Tobias Morchner 10.05.2012
Tobias Morchner 10.05.2012