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Aus der Stadt Landesbischof besucht Libanon
Hannover Aus der Stadt Landesbischof besucht Libanon
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13:38 19.01.2016
Von Simon Benne
Landesbischof Ralf Meister
Landesbischof Ralf Meister
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Hannover

Die Begegnung mit dem Pastor aus Homs habe ihn besonders berührt, sagt er. Der evangelische Geistliche harrte im Krieg in der syrischen Stadt aus, und als seine Kirche zerstört wurde, machte er sich gleich daran, sie wieder aufzubauen: "Weil wir Symbole der Hoffnung brauchen", wie er sagte. Vor Weihnachten wurde das Gotteshaus wieder eingeweiht.

Landesbischof Ralf Meister atmet kurz durch, als er die Geschichte erzählt. In der vergangenen Woche ist er mit einem kleinen Kreis von Theologen nach Beirut gereist. Drei Tage lang traf er sich im sicheren Libanon mit Kirchenvertretern aus der Region, auch aus dem umkämpften Syrien. "Christen sind dort eine Minderheit, die in diesem Krieg besonders zu leiden hat - sie droht, zwischen den islamischen Gruppierungen zerrieben zu werden",  sagt Meister. Tausende sind inzwischen aus dem Land geflohen - da war Meisters Reise auch ein Zeichen der Verbundenheit mit denen, die noch immer dort leben. "Als wir ein Solidaritätsschreiben der Landessynode vorlasen, waren die syrischen Besucher überwältigt, dass wir an sie denken", sagt der Landesbischof.

Für Christen sei es eine "schmerzliche Erkenntnis", dass der einzige Allianzpartner der Brüder und Schwestern in Syrien ausgerechnet der Diktator Assad gewesen sei - vermutlich müsse man für eine Übergangszeit auch Vertreter seines Regimes in  der Regierung akzeptieren, sagt Meister. "Als Kirche können wir nicht die politische Friedenslösung vorlegen - aber Hilfen sind dennoch möglich", sagt er. So unterstütze seine Landeskirche die evangelische Schule in Homs mit 20 000 Euro. Außerdem sei es angedacht, eine Partnerschaft dieser Schule mit einer evangelischen Schule in Niedersachsen sowie Patenschaften zwischen Gemeinden beider Länder aufzubauen: "Wir überlegen, welche weiteren Hilfen wir anbieten  können", sagt Meister.

Eine Möglichkeit könnte es sein, Stipendien für syrische Studenten in Beirut zu vergeben, um diese in der Region zu halten: "Wir dürfen bei aller Willkommenskultur nicht vergessen, uns mit denen zu solidarisieren, die dort geblieben sind", sagt er. Syriens Christen sähen die deutsche Willkommenskultur durchaus kritisch: Sie fürchteten eine Entvölkerung des eigenen Landes, berichtet Meister. "Ich denke, die Menschen,  die dort bleiben, müssen mindestens so viel Hilfe und Mitgefühl bekommen, wie jene, die hierher kommen." Zugleich lehnt der Landesbischof Obergrenzen für Flüchtlinge erneut ab: "Wenn zehn Menschen in Not vor der Tür stehen, können wir nicht nur einen einlassen", sagt er. Da dürften Syriens Chrsiten kaum wiedersprechen.

19.01.2016
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