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Aus der Stadt Plenarsaal im Landtag wurde um 180 Grad gedreht
Hannover Aus der Stadt Plenarsaal im Landtag wurde um 180 Grad gedreht
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00:15 01.07.2017
Von Gunnar Menkens
Die Hülle des Landtags ähnelt sehr der Oesterlen-Version von 1962, innen wirkt vieles neu, etwa der Plenarsaal. Quelle: Gunnar Menkens
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Hannover

Wer es in diesen Tagen schafft, durch eine an allen Ecken und Enden weiß-gelb-rot zugebaute Stadt irgendwie ins Zentrum zu gelangen, stößt dort auf die prominenteste und einst umkämpfteste Baustelle Hannovers: den niedersächsischen Landtag. Die Stadt diskutierte und stritt über Abriss oder Neubau, über Denkmalschutz und die Frage, was denn ein Bau der politischen Repräsentanz kosten dürfe.

Der im Juli 2014 begonnene Umbau des unter Denkmalschutz stehenden Plenarsaal nähert sich seinem Ende.

Jetzt lichten sich Zäune und Gerüste und geben den Blick frei auf das, was kommt. Im Herbst, voraussichtlich am 27. Oktober, wird das umgebaute Parlament offiziell und damit feierlich eröffnet. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sein Kommen zugesagt.

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Größte Veränderung im Innern

Das Parlament wird sich mit dem Umbau äußerlich kaum verändern. Die schlichte charakteristische Fassade aus Naturstein bleibt erhalten, ebenso die sechs eingelassenen großen Fensterfronten. Das Gebäude, 1962 nach Plänen des Architekten Dieter Oesterlen eröffnet, ist ein Baudenkmal der Nachkriegszeit, das es zu bewahren galt. Für die Fassade konnten historische Bauteile verwendet werden.

Anpassungen an die Zeit gibt es dennoch: Fensteröffnungen im Restaurant im Erdgeschoss wurden größer geschnitten. Das war laut federführendem Finanzministerium nur möglich, weil gleichzeitig der Eindruck erhalten blieb, der Plenarsaal stehe auf einem Sockel.

Im Innern hat sich jedoch einiges verändert. Der Plenarsaal selbst wurde um 180 Grad gedreht. Nun tagen Abgeordnete nicht mehr in einem Raum, sondern sehen, praktisch aus dem ersten Stock, hinaus Richtung Göttinger Sieben. Deutlich heller wird der Saal sein, der künftig 261 Besuchern Platz bietet.

Weitere Umbauten sind laut Ministerium „dem Geist der Nachkriegsarchitektur“ verpflichtet, erhalten geblieben sei zum Beispiel die sogenannte Niedersachsentreppe. Es soll einen Tag der offenen Tür geben, damit sich Bürger ein Bild von ihrem neuen Parlament machen können.

Da ist noch viel Arbeit nötig: Die HAZ hat Landtagspräsident Bernd Busemann und Finanzminister Peter-Jürgen Schneider auf einem Rundgang über die Baustelle des Landtags in Hannover begleitet. 

Umbau gingen viele Diskussionen voran

Der Umbau ist das Resultat einer langen Vorgeschichte. Seit der Jahrtausendwende wurde über einen neuen Landtag diskutiert. Im März 2010 schließlich beschloss der Landtag mit einer Mehrheit von 91 Abgeordneten, den Oesterlen-Bau abzureißen und durch ein schönes neues Haus zu ersetzen. Von Licht durchflutet sollte es sein, transparent natürlich, um Nähe zwischen Bürgern und Politik zu symbolisieren. Ein Beschluss, der Denkmalschützer in Alarm versetzte, sie stellten eine naheliegende Frage: Was ist Denkmalschutz wert, wenn er durch einen politischen Entscheid außer Kraft gesetzt werden kann?

Dann, im Juli 2012, kam die Wende. Der damalige Landtagspräsident Hermann Dinkla erklärte, dass ein gläserner Neubau die gesetzte Grenze von 45 Millionen Euro überschreiten würde - jedenfalls dann, sollte das Land den Siegerentwurf eines Architektenwettbewerbs ans Leineschloss setzen.

Verzögerung kostete 3,5 Millionen Euro

Am Ende ist der neue Plenarsaal trotzdem teurer geworden als gedacht. Man landet schließlich bei rund 58 Millionen Euro, was, von üblichen Kostensteigerungen abgesehen, daran lag, dass ein Unternehmen darin versagte, die Lüftungsanlage zu installieren. Die Verzögerung kostete 3,5 Millionen Euro. Außerdem musste Beton in der Fassade saniert und das Parlament barrierefrei gestaltet werden.

Gearbeitet wird vielleicht noch während der letzten Sitzungswochen vor der Landtagswahl. Es könne sein, dass die „Notwendigkeit von Nachregulierungen“ bestehe, heißt es im Finanzministerium. Sollte auch der Wähler im Januar 2018 das Bedürfnis zu Nachregulierungen haben, dürfte längst nicht jeder Abgeordnete vom nächsten Jahr an in den Genuss des neuen Plenarsaals kommen.

Der Landtag

Mehr zum Landtag erfahren Sie hier.

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