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Aus der Stadt Landtag soll im Oktober wiedereröffnen
Hannover Aus der Stadt Landtag soll im Oktober wiedereröffnen
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08:51 26.06.2017
Die neue Fassade des niedersächsischen Landtags. Nach zweijährigen Arbeiten ist die Runderneuerung des Landtagsgebäudes fast beendet.
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Hannover

Niedersachsens bekannteste Baustelle nähert sich ihrem Ende. Nach zweijährigen Arbeiten kommt der einst ein wenig in die Jahre gekommene Landtag in Hannover nun als runderneuertes Haus der Politik mit viel Licht, Luft und Durchsicht daher. Nach dem Stuhlreihen-Einbau steht die Technikzentrale im Fokus der Arbeiten. Die Dächer sind dicht, die Fenster drin, die ersten Bauzäune weggeräumt. Sie geben den Blick frei auf gereinigte Fassaden - das Äußere des Plenarsaals mit seiner nüchternen Formensprache durfte aus Denkmalschutzgründen kaum verändert werden.

Zwei Jahre lang Baustelle

Seit Juli 2014 erhält der 1962 eröffnete und unter Denkmalschutz stehende Sitzungsraum des niedersächsischen Landtags seine millionenteure Frischzellenkur. Bei der ersten Generalsanierung wurde auch die daneben liegende historische Portikus-Halle umgebaut. "Es ist der größte Umbau des historischen Plenarsaal-Bereichs", sagt ein Sprecher der Parlamentsverwaltung, die nun mit den Planungen für die feierliche Wiedereröffnung mit mehreren hundert Gästen beginnt. Voraussichtlich am 27. Oktober - der genaue Termin steht noch nicht fest - soll der modernisierte Repräsentationsbau feierlich wieder in Betrieb genommen werden. Landtagspräsident Bernd Busemann hat deswegen bereits Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier angesprochen. "Er ist nicht abgeneigt", bestätigt Parlamentssprecher Kai Sommer.

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Der im Juli 2014 begonnene Umbau des unter Denkmalschutz stehenden Plenarsaal nähert sich seinem Ende.

Volksnähe durch Transparenz

Der ursprüngliche Charakter des Hauses sollte bewahrt bleiben; dank eines völlig neuen Layouts kommt der nun lichtdurchflutete neue Sitzungssaal aber heute hell und barrierefrei daher. Er symbolisiert dank seiner neuen Transparenz auch Volksnähe. Der Grund sind die nun in den Sitzungssaal integrierten Fensteröffnungen. Sie sind von außen einsehbar und sollen so auch die Entscheidungsprozesse im Inneren transparenter machen. Auf zwei Tribünen bietet der Saal Platz für 261 Besucher und 30 Journalisten. Technisch und energetisch auf dem neuesten Stand ist der Muff der vergangenen Jahrzehnte Geschichte.

Landtagsumbau in Zahlen

- 300 Kilometer beträgt die Gesamtlänge aller Verkabelungen

- 4000 Kubikmeter Beton wurden für den Rohbau benötigt

- 3000 Quadratmeter geschliffenen Estrichs wurden eingebaut

- 1600 Sprinklerköpfe sollen im Notfall Feuer löschen helfen

- 9300 Quadratmeter verzinktes Stahlblech gab es für Lüftungskanäle

- 100 Bauarbeiter und mehr waren zeitweise auf der Baustelle tätig

- 4,5 Kilometer beträgt die Gesamtlänge der verbauten Lüftungsrohre

- 700 Fassadenplatten wurden an der Außenwand gereinigt und montiert

- 3 Kilometer beträgt die gesamte Rohrlänge der Sanitärversorgung

- 7,5 Meter hoch ist die Innenfassade aus Glas, die den Plenarsaal auf 27 Metern Breite von Portikushalle und Eingangsbereich trennt

Herbst statt Sommer

Ursprünglich sollte der unter Denkmalschutz stehende Plenarsaal im Sommer fertiggestellt sein. Doch ein mit der Installation der Lüftungsanlage beauftragtes Unternehmen, dessen Auftrag wegen Pflichtverletzung schließlich gekündigt wurde, bremste die Bauarbeiten aus. Die Verzögerung brachte Mehrkosten von 3,5 Millionen Euro ein - das Land will sie sich per Schadenersatzklage zurückholen. Angesichts des juristischen Streits und diverser Auflagen der Denkmalpflege ergibt sich nach Angaben der Bauherren eine viermonatige Verzögerung gegenüber dem ursprünglichen Zeitplan.

Finanzieller Risikopuffer

Die die Kosten für den Umbau liegen um 5,4 Millionen Euro über dem gesetzten Rahmen von 52,8 Millionen Euro. Der Grund: Zusätzlich zu den 3,5 Millionen Euro wegen der Verzögerung kamen 1,5 Millionen Euro für eine Betonsanierung sowie 400.000 Euro für die barrierefreie Gestaltung hinzu. Das Land hatte aber einen Risikopuffer von 7 Millionen Euro vorgesehen - dieser wird nicht ausgeschöpft. Mit rund 30 Millionen Euro wurden bereits über 60 Prozent der Baukosten an die beteiligten Firmen ausgezahlt, von denen 55 Prozent aus Niedersachsen kamen. Dazu addieren sich noch 9 Millionen Euro an Honoraren für die beteiligten Planungsbüros. "Ich habe bisher noch nicht gehört, dass da etwas aus dem Ruder läuft", sagt Bernhard Zentgraf, der Landesvorsitzende des Bundes der Steuerzahler Niedersachsen und Bremen. Auch Landesrechnungshofs-Präsidentin Sandra von Klaeden konnte noch nicht alle Zahlen einsehen, meinte aber im Frühjahr: "Aus den Gesprächen, die wir geführt haben, kann man aber bisher auf eine sehr konsequente Begleitung des Projektes schließen." Bei der ersten Sitzung im umgebauten Plenarsaal - voraussichtlich vom 21. bis 23. November - werden die Abgeordneten allerdings noch nicht mit einem völlig reibungslosen Betrieb rechnen können. "Auch in den anschließenden Plenarsitzungen wird erfahrungsgemäß die Notwendigkeit von Nachregulierungen bestehen", warnt die im Finanzministerium angesiedelte zuständige Bauleitung.

Ralf E. Krüger, dpa