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Aus der Stadt Die Nacht der Entdeckungen
Hannover Aus der Stadt Die Nacht der Entdeckungen
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20:12 14.06.2015
Von Saskia Döhner
Lea (24), Franzi (24), Suse (24) und Kathi (24) überlegen, wo es als Nächstes hingehen soll.
Lea (24), Franzi (24), Suse (24) und Kathi (24) überlegen, wo es als Nächstes hingehen soll. Quelle: Nancy Heusel
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Es war die Nacht der Nischen und der kleinen Entdeckungen, aber auch der Klassiker – ob ein Vorhang mit Versace-Stoff im Museum für Textile Kunst in Kirchrode, eine Einbauküche aus dem Jahr 1927 im World-of-Kitchen-Museum in der List oder ein Ringelnatz-Gedicht über die Schallplatte im Museum für Energiegeschichte in Linden – viele der rund 6500 Besucher der Nacht der Museen steuerten gezielt das Unbekannte an. „Wir suchen das an, was wir sonst nicht so auf dem Schirm haben“, sagt Wolfgang Hogrefe aus Vahrenwald. Mit seiner Frau Andrea hat er gerade das ­Exposeeum besucht und ist jetzt auf dem Weg zum Textilmuseum. „Mehr als zwei Museen nehmen wir uns nicht vor, aber die machen wir dann ganz ausführlich und blieben so jeweils zwei, drei Stunden“, sagt Andrea Hogrefe.

21 Kultureinrichtungen öffneten ihre Türen für Besucher zur Langen Nacht der Museen – dabei waren nicht nur die großen Häuser für das Historische Museum, die Kestnergesellschaft, das Landesmuseum und das Sprengel Museum, sondern erstmals auch das Museum für textile Kunst in Kirchrode. 

Das Museum für textile Kunst, vor neun Jahren von der Haute-Couture-Schneiderin Erika Knoop eröffnet, liegt versteckt mitten in einem gediegenen Wohnviertel unweit des Großen Hillen. Innen sind Kleider und Stoffe aus aller Welt ausgestellt, aus Afghanistan, Myanmar und Bhutan, aber auch 80 Jahre alte Taufkleider aus Deutschland. „Ich sammle seit Jahren Stoffe“, sagt Modedesignerin Knoop. Und wegwerfen könne sie nichts, nicht mal Reste. Und so schneidert sie aus den übrig geblieben Stücken wieder neue Collagen, wie aus dem Rest des Priestermantels, der eine Rockerjacke der Scorpions wurde. Insgesamt 550 Besucher kommen an diesem Abend in das kleine Museum. Knopp ist „hocherfreut über das große Interesse“.

Auch im Sprengel-Museum, wo die neue Plakatausstellung von Toulouse-Lautrec eröffnet wird, drängen sich die Besucher – mehr als 4500 Personen werden hier gezählt. Lang ist die Schlange  vor dem Beginenturm am Historischen Museum. Draußen gibt es den Überblick über die Altstadt, drinnen dreht sich alles um Mobilität. Kinder können E-Skateboards testen oder mit Federkielen ihre Handschrift üben.

Ausprobieren ist auch das Motto im Museum für Energiegeschichte am Schwarzen Bären. „Ich finde des spannend, möglichst viele Sachen auszuprobieren“, sagt Merle (12), die mit ihrer Schwester Jolina (11) und Großvater Winfried de Klein eigens aus Einbeck angereist ist. Avacon ist in diesem Jahr Hauptsponsor der Museumsnacht. Für  Tim Müller, als Koordinator für das Energiemuseum zuständig, ist es auch Werbung in eigener Sache: „Jeder dritte Besucher kommt zum ersten Mal, und neun von zehn Gästen kommen in Begleitung.“

Sieben Euro kostet die Eintrittskarte für 21 Museen und Galerien. Der Üstra-Kultur-Bus fährt im 20-Minuten-Takt zwischen den Stationen hin und her. Im Küchenmuseum in der List, das unter dem Motto „Kindergeburtstag“ mit Clown und Cupcakes sein fünfjähriges Bestehen feiert, ist schon um 20 Uhr der Andrang so groß, dass man 40 Minuten auf den Einlass warten muss. Marlene Hansen aus der Südstadt stört das nicht. „Vielleicht lerne ich in dieser Nacht ein Museum kennen, das auch für den nächsten Familienbesuch taugt.“

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