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Aus der Stadt Sportlich gegen Rassismus
Hannover Aus der Stadt Sportlich gegen Rassismus
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00:15 02.06.2015
Von Michael Zgoll
Rund 120 Menschen nahmen am Lauf gegen Rassismus teil.  Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

120 Läufer drehten am Sonnabend eine Runde um den Maschsee, um ein Zeichen gegen die Diskriminierung von Menschen anderer Hautfarbe, Kultur und Religion zu setzen. Das Motto lautete „Sport verbindet“. Und so waren denn beim „Lauf gegen Rassismus“ auch viele Nationalitäten am Start: Helfer des Unterstützerkreises Flüchtlingsunterkünfte Hannover, Flüchtlinge aus verschiedenen Wohnheimen, Mitglieder politischer Jugendorganisationen wie Junge Union, Jungsozialisten, Grüne Jugend und Junge Liberale sowie Vertreter der Gewerkschaft der Polizei. Organisiert hatte den Anti-Rassismus-Lauf die Türkische Jugend Niedersachsen (TJN).

Ein Zeichen gegen Diskriminierung: Die Türkische Jugend hat einen Lauf gegen Rassismus um den Maschsee veranstaltet. Zahlreiche Mitglieder des „Unterstützerkreis Flüchtlingsunterkünfte Hannover“, die Gewerkschaft der Polizei sowie Mitglieder verschiedener Jugendorganisationen politischen Parteien nahmen teil.  

„Wir wollen auf den alltäglichen Rassismus aufmerksam machen, dem Menschen mit anderem Aussehen und anderen Namen in Deutschland oft ausgesetzt sind“, sagte der TJN-Vorsitzende Semih Senyüz. So müssten junge Leute mit türkischen Namen bei Ausbildungsplatz- oder Jobsuche wesentlich mehr Bewerbungen schreiben als deutsche Interessenten, um überhaupt zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden.

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An Infotafeln am Maschsee-Nordufer waren noch andere Beispiele von Herabsetzungen und Beleidigungen zu lesen. Eine 23-jährige Medizinstudentin aus Jordanien hatte notiert, dass ein Patient von ihr kein Blut abgenommen haben wollte, weil er sich an ihrem Kopftuch störte. Eine 22-jährige Schülerin mit türkischen Wurzeln hielt den Anschnauzer einer Lehrerin auf dem Schulflur fest: „Na, wieso begrüßen Sie mich denn nicht mehr? Wollen Sie mich jetzt auch bombardieren, so wie die Salafisten?“ Solche Bemerkungen kränken die Betroffenen zumeist tief.

Vertreter verschiedener Institutionen gaben den Maschseeläufern Grußworte mit auf den Weg  - warme Worte für sechs Kilometer Beinarbeit bei äußerst ungemütlichem Wind, die Sieger Florian Hirsch in gut 26 Minuten absolvierte. Bürgermeister Thomas Hermann geißelte die jüngsten Schmierereien an Flüchtlingsheimen als „Riesen-Sauerei“. Von seinen persönlichen, entwürdigenden Erfahrungen bei der Wohnungssuche berichtete Alptekin Kirci, Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes Hannover. Fatos Aga-Odabas vom Unterstützerkreis der Flüchtlingsunterkünfte lobte dagegen die zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeiter: „Ich bin begeistert, wie hilfsbereit die deutsche Bevölkerung ist.“ Und Christopher Finck von der Polizeigewerkschaft verwies darauf, dass sich viele Beamte schon lange gegen Rassismus engagieren. Übergriffe wie die mutmaßlichen Misshandlungen von Flüchtlingen durch einen Bundespolizisten am Hauptbahnhof seien Einzelfälle, die man in keiner Weise tolerieren dürfe.  

Miteinander sprechen: Das ist für die Türkische Jugend Niedersachsen der Dreh- und Angelpunkt erfolgversprechender Integration. Rund 100 Mitglieder – nach Auskunft von Semih Senyüz mehr Frauen als Männer – hat die Organisation derzeit, die meisten leben in Hannover. Neben Gesprächsrunden zu aktuellen politischen Themen bieten die jungen Leute auch praktische Hilfen an, etwa beim Korrekturlesen von Bewerbungen. Interessenten können sich per E-Mail an info@tj-niedersachsen.de wenden.

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