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Aus der Stadt Launige Reise durch die Nacht
Hannover Aus der Stadt Launige Reise durch die Nacht
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00:25 24.11.2014
Von Andreas Schinkel
Oberbürgermeister Stefan Schostok fuhr Bus.
Oberbürgermeister Stefan Schostok fuhr Bus. Quelle: Michael Wallmueller
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Hannover

Rund 3000 Hannoveraner nahmen die Einladung von Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) an und tourten mit den Shuttlebussen der Üstra von Ort zu Ort, ähnlich wie in der Langen Nacht der Theater. Mehreren Pfaden konnten die Besucher folgen und damit verschiedenen Themen nachgehen, etwa Arbeit und Wirtschaft oder Bildung und Kultur.

Auch Schostok selbst war unterwegs, startete am Rathaus mit einem Vortrag über die Zukunft der Arbeit, danach schaute er im Historischen Museum vorbei, besuchte den Jazz Club und eröffnete dann das Abschlusskonzert im Pavillon. „Dieser Abend on Tour hat großen Spaß gemacht“, sagte Schostok. Er sei ein spannendes Experiment gewesen. Hannover habe sich wie eine große Zukunftswerkstatt gezeigt, mit tollen Angeboten, Ideen und Anregungen.

Die beiden Auftaktveranstaltungen des Stadtdialogs Hannover 2030 im September und Oktober hatten noch eine abstrakte Stadtentwicklung skizziert. Bei der Versammlung Ende September im Schauspielhaus saß eine illustre Runde von Experten zusammen und philosophierte über Generationengerechtigkeit. Da war es erfrischend, als in der Nachfolgeveranstaltung ein paar Wochen später der Philosoph Oskar Negt lospolterte und allzu abgehobenen Zukunftsvisionen eine Absage erteilte.

„Wir machen die Stadt lebendig und interessant.“

Bisher hält sich die Redefreude der Bürger in Grenzen. Schostok räumt ein, dass auf dem seit Wochen freigeschalteten Onlineportal der Stadt wenig los ist. 1,2 Millionen Euro lässt sich der OB sein Projekt kosten. Am Ende soll ein Ergebnis stehen, das vom Rat beschlossen und von der Verwaltung umgesetzt wird.

Wie es weitergehen kann, zeigt der Freitagabend. Die Hannoveraner kommen während der Bustour ins Gespräch, lassen sich von der Musik im Jazz Club mitreißen, bestaunen die Technik der Feuerwehr. Und ganz nebenbei sprechen sie über die Zukunft der Stadt, über das neue Wohngebiet auf dem Klagesmarkt und Bildungsangebote im Lindener Rathaus.

In der Halle 96 auf dem Hanomag-Gelände trafen sich derweil vor allem Vertreter der Kreativwirtschaft und der Party- und Kulturszene. Bei zwei Podiumsdiskussion unterstrichen sie unter anderem den wirtschaftlichen Nutzen der kreativen Szene für die Stadt. Kai Schirmeyer vom Netzwerk „kre-h-tiv“ fördert für Hannoverimpuls die Kreativen. „Uns gibt es seit vier Jahren, und für die Stadt macht es sich längst bezahlt“, sagt er. „Dafür sprechen die Umsätze, die Arbeitsplatzzahlen und Imagegründe.“ Beispiele dafür seien das PLATZprojekt oder das Fuchsbau-Festival.

Trotzdem könnten junge Leute noch besser in die Stadtentwicklung eingebunden werden. Hendrik Schwedt vom Made by: Self-Projekt sagte, dass es Angebote abseits kommerzieller Anbieter brauche. Denn auch das kulturelle Angebot von Partys bis Kulturfestivals mache eine Stadt für junge Leute erst lebenswert. „Wir machen die Stadt lebendig und interessant.“

Historisches Museum

Dem Museum wurde nicht gerade die Bude eingerannt am Freitagabend. Aber Gert Schmidt, ein Umweltaktivist, war da. Im Gespräch, beim Speeddating mit Direktor Thomas Schwark, erklärte er, wie er sich ein Museum der Zukunft vorstellt. „Es zeigt die schlimmsten Umweltsünden als mahnende Erinnerung.“ Das schrieb er auch ans Wunschbrett im Foyer. Ein anderer Besucher wünschte sich ganz schlicht längere Öffnungszeiten am Abend. gum

Klagesmarkt

Wie wollen wir leben? Eine gute Frage für einen Stadtdialog. Am Klagesmarkt, gegenüber der Baustelle für das neue GBH-Haus, markierten Besucher auf einer Stadtkarte, was ihnen gefällt in Hannover. Carsten Walter, mit Tochter Sorka, setzte einen Pluspunkt auf die Leinemasch. „Das ist Natur direkt an der Stadt.“ Was Anwohnern am Klagesmarkt nicht so gefällt: Dreck und Hundekot. Senioren wiederum mögen barrierefreie Zugänge zu den Stadtbahnen.  gum

Lindener Rathaus

Man es sich denken, was Kinder mögen, wenn sie sich eine Stadt ihrer Wahl bauen. Viel Grün kommt vor, Tiere, Spielplätze und kleine Häuschen. So haben Sophie und Lovis Grotelüschen im Lindener Rathaus ein neues Hannover gebaut, „Bildung heute“ hieß die Station hier, erklärt von den „Integrationslotsen“ der Verwaltung. Dass die Geschwister auf ihre Weise am Stadtdialog mitwirkten, geschah zufällig. Sie kamen gerade mit ihrem Vater aus der Stadtteilbücherei und standen plötzlich vor der Sandkiste. gum

Wache Weidendamm

Die Feuerwehr holt die Katze vom Baum und löscht, wenn es brennt. Was die Stadt noch tut für die Einwohner (und mit deren Geld), brachte Finanzdezernent Marc Hansmann bei einer Busrundfahrt den Fahrgästen näher. Sie hält Freizeitheime in Schuss und Bäder, Kitas wie Museen. Hansmanns Tenor? „Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir das alles finanzieren.“ Zuschüsse sind ja nötig. Bei der neuen Feuerwache am Weidendamm interessierten sich Besucher derweil eher für technisches Gerät. gum

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