Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Willkommen in der Stein-Zeit
Hannover Aus der Stadt Willkommen in der Stein-Zeit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 26.06.2014
Von Gunnar Menkens
Die Welt zu Hause: Sven Hoffmann mit einem Modell der Londoner Tower Bridge. Quelle: Tobias Kleinschmidt
Hannover

Das Modell ist von berührender Schlichtheit. Kein graues Raumschiffmonster, kein meterhohes Wahrzeichen zum Bauklötzestaunen. Nur 65 Steine, die Mehrzahl weiß, schwarze Reifen, ein rotes Lenkrad, Sitze in Blau und eine Frontscheibe aus einem milchigen Plastik. Ein Jeep, produziert im Jahr 1968, Gewicht 120 Gramm, Bauzeit etwa eine halbe Stunde, wie ein Notizzettel neben dem Modell angibt. Es ist das erste Lego-Spielzeug, das Sven Hoffmann besessen hat. Seine Eltern schenkten es ihm, als er noch ein sehr kleiner Junge war.

Dieser unscheinbare, aber erinnerungsträchtige kleine Wagen steht nun, ein paar Jahrzehnte später, in einem Reihenhaus in Buchholz. Üblicherweise sind Reihenhäuser dafür gemacht, dass Menschen darin wohnen. Bei Sven Hoffmann, 47, ist es so, dass er sich aus freien Stücken von Hunderten Modellen aus Lego in ein einziges Zimmer hat zurückdrängen lassen. Er hat sie sich selbst ins Haus geholt, die zentimeterkleinen Figuren und großen Flugzeuge, Raumgleiter, Autos, Schiffe, alte Bahnhöfe und Fischtransporter, die Londoner Tower Bridge in XXL, die Freiheitsstatue aus New York, Eskimoschlitten mit Huskys im Geschirr und natürlich: Das Neue Rathaus zu Hannover.

Ein spektakulärer Eigenbau, erstellt von 120 Menschen vor einem Jahr, als der Sitz der Stadtregierung 100. Geburtstag feierte. Hoffmann besorgte sich beim Bauordnungsamt einen Grundriss, um am Computer einen eigenen Bauplan zu erstellen. Es ging um Millimeter, darum, ob ein Fenster 1,5 oder doch 1,7 Lego-Noppen breit sein muss. Solches Kleinstzeug. Ganz zu schweigen von der Teilebeschaffung. 150 Pakete, ins Haus gebracht von einem, wie Hoffmann erzählt, wenig amüsierten Paketboten.

Sven Hoffmann ist also ein Sammler mit zu wenig Platz. Man muss sich vorsichtig bewegen im Haus. Wer sich über eine drollige Bruchmeisterfigur beugt, könnte hinten schnell einen Doppeldecker zum Absturz bringen. Und weil er weitaus größere Pläne hat, sucht er Räume für ein Haus, das er vorerst einmal Lego-Museum nennt. Natürlich soll es später viel mehr sein, Hoffmann sagt ja von sich selbst: „Ich bin ein Mensch mit Visionen. Ich möchte einen Ort schaffen, wo sich Jung und Alt begegnen, einen Mikrokosmos, wo sich Menschen Dinge teilen, die sie brauchen.“

Sven Hoffmann aus Hannover führt durch sein privates Lego-Museum.

Das Museum soll schon ein Objekt mit Größe werden, das sich irgendwann durch die Einnahmen trägt. Ein Verein müsste gegründet werden, Hoffmann will Menschen gewinnen, die mehr sind als nur freundschaftlich begeistert. Noch ist seine Wohnung dieses Museum. Offiziell natürlich nicht, weil die Wohnung in einem Wohngebiet liegt, dort sind kommerzielle Ausstellungsräume nicht gestattet. Aber wer sich anmeldet, den führt der Sammler durch die Zimmer, treppauf und treppab.

Im Hauptberuf arbeitet der 47-Jährige als Immobilienkaufmann. Im zweiten Hauptberuf ist Sven Hoffmann staatlich examinierter Clown, er besucht Kinder in der MHH und in einem Hildesheimer Krankenhaus, dann ist er „Fidou“, und der mag es nicht, wenn Kinder tapfer sind und Schmerzen aushalten. Er hat einen Pilotenschein, fuhr Motorrad und ist, so lange er sich erinnern kann, immer schon ein Bastler und Schrauber gewesen, früher bevorzugt an Autos. Deshalb dachten seine Eltern wohl, dieser kleine Jeep könnte das richtige sein für den Spieltrieb des Sohnes. Als er groß war, baute er in sein Haus eine Aufbereitungsanlage, die Wasser aus Dusche und Badezimmer in die Toilettenspülung speist. Es gibt eigentlich immer etwas zu tun.

Jetzt sucht Sven Hoffmann nach Räumen, in denen er seine gesammelten Werke für die Öffentlichkeit aufstellen kann. Mehr als 1000 Qaudratmeter sollen es schon sein, denn sein Traum ist, ein Modell von Hannover mit Legosteinen nachzubauen, oder jedenfalls die markantesten Punkte. Besucher sollen dann zwischen Gebäuden aus Noppensteinen entlanggehen und die Welt von Rathaus, Üstra-Bahnen, Anzeiger-Hochhaus, Hauptbahnhof und Altstadt überschauen können, vielleicht auch das Hannover Congress Centrum mit seiner Kuppel und die Marktkirche. Vieles davon müsste noch gebaut werden, von ihm oder anderen Lego-Freunden.

Die weiteren Pläne reichen weit ins Visionäre. Die größte Lego-Minifigurensammlung soll einst in Hannover zu sehen sein, Trickfilme gedreht und eine chronologische Sammlung von Modellen ausgestellt werden. Da bleibt viel zu tun. Das dänische Unternehmen wurde 1932 gegründet. Das künftige Haus soll dennoch mehr sein als eine Modellbauschau. Sven Hoffmann stellt sich vor, dass es ein Stützpunkt für Teilauto ist, Reparaturwerkstatt und Verleihstation von Dingen, die sich zu kaufen nicht lohnt, weil man sie nur ein paar Mal im Leben wirklich braucht. Ein Ort zum Spielen, eine Gastronomie, er hat wirklich sehr, sehr viele Ideen. „Teilen statt haben“, sagt Hoffmann, der Visionär, „das ist mein Traum.“