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Aus der Stadt Lehrer aus Hannover soll Kinder im Unterricht missbraucht haben
Hannover Aus der Stadt Lehrer aus Hannover soll Kinder im Unterricht missbraucht haben
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20:52 25.09.2011
Von Sonja Fröhlich
Die Anklage wurde vor dem Schöffengericht des hannoverschen Amtsgerichts erhoben – damit erwartet die Staatsanwaltschaft ein Strafmaß, das über zwei Jahren Freiheitsstrafe liegt.
Die Anklage wurde vor dem Schöffengericht des hannoverschen Amtsgerichts erhoben – damit erwartet die Staatsanwaltschaft ein Strafmaß, das über zwei Jahren Freiheitsstrafe liegt. Quelle: dpa (Symbolbild)
Hannover

Die Staatsanwaltschaft hat den Mann, der noch bis zu den Sommerferien 2011 unterrichtete, wegen sexueller Handlungen an Kindern und Nötigung in 144 Fällen angeklagt. Die hohe Zahl der Fälle ergibt sich aus den Angaben der Opfer, die von regelmäßigen Übergriffen in dem genannten Zeitraum berichteten.

Nach Erkenntnissen der Ankläger soll der Lehrer die damals sieben und acht Jahre alten Mädchen regelmäßig während des Unterrichts auf seinen Schoß gezogen und dort festgehalten haben. Dann habe er sie unter der Kleidung gestreichelt und gekniffen, mit eindeutig sexueller Motivation. Nach Angaben der Frauen, die mittlerweile 27 und 28 Jahre alt sind, sollen die Übergriffe des Lehrers an Grundschülerinnen gängige Praxis gewesen sein. Die Anklagebehörde hält die Aussagen der Frauen für glaubwürdig. Die Anklage wurde vor dem Schöffengericht des hannoverschen Amtsgerichts erhoben – damit erwartet die Staatsanwaltschaft ein Strafmaß, das über zwei Jahren Freiheitsstrafe liegt. Prozesstermin ist am 4. Oktober.

Die angezeigten Taten standen kurz vor der Verjährung. Bei sexuellem Missbrauch von Kindern beträgt die strafrechtliche Verjährungsfrist zehn Jahre bei Taten, die im Höchstmaß mit Freiheitsstrafen von mehr als fünf Jahren bis zu zehn Jahren bedroht sind. Allerdings beginnt die Frist erst mit dem vollendeten 18. Lebensjahr des Opfers. Damit soll es unmündigen Opfern ermöglicht werden, später als Volljährige innerhalb der Verjährungsfrist selbst Anzeige erstatten zu können.

Opferanwältin Doris Kahle sagte: „Lehrer sind für Kinder entscheidende Vertrauenspersonen. Solche Taten haben jahrzehntelangen Nachhall – es erfordert viel Mut und eine lange Überlegungszeit, so etwas zur Anzeige zu bringen.“ Rechtsanwalt Matthias Waldraff, der den Lehrer verteidigt, wollte sich auf Anfrage der HAZ nicht zu den Vorwürfen äußern: „Wir werden erst zu Prozessbeginn eine Erklärung abgeben.“

Fragen wirft auch der Umgang der Schulbehörde mit dem Fall auf. Spätestens mit der Strafanzeige und den beginnenden Ermittlungen gegen den Beamten im April 2010 hätte sie von den Vorwürfen wissen müssen. Gleichwohl wurde der Lehrer nicht suspendiert, sondern soll nach Informationen der HAZ noch mehr als ein Jahr – also bis Ende des vergangenen Schuljahres – weiter Grundschüler unterrichtet haben. Dann war er in den vorzeitigen Ruhestand entlassen worden – aus gesundheitlichen Gründen, wie es heißt.

Stefanie Kaune 25.09.2011
Bernd Haase 25.09.2011
Juliane Kaune 25.09.2011